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Office of Public InformationDas zwanzigste Jahrhundert nдhert sich seinem Ende und wir erleben eine markante Beschleunigung in den Bemьhungen der Regierungen und Vцlker, ein gemeinsames Verstдndnis der die Menschheitszukunft berьhrenden Probleme zu erreichen. Die Konferenz fьr Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992, die Weltkonferenz fьr Menschenrechte in Wien 1993, die Internationale Konferenz ьber Bevцlkerung und Entwicklung in Kairo 1994, der anstehende Weltgipfel fьr Sozialentwicklung in Kopenhagen im Mдrz 1995 und die folgende 4. Weltfrauenkonferenz in Peking im September sind deutlich sichtbare Anzeichen fьr diese Beschleunigung. Diese Ereignisse sind SchluЯsteine fьr die unzдhligen Aktivitдten, die sich in allen Teilen der Welt abspielen und an denen sich eine breite Palette von Nicht-Regierungs-Organisationen und konzertierten Vereinigungen beteiligen, alle auf der drдngenden Suche nach Werten, Ideen und praktischen MaЯnahmen, welche die Aussichten auf eine friedliche Entwicklung aller Vцlker voranbringen kцnnen. Bei diesen Bemьhungen wird die zunehmende Kraft sichtbar, die von der aufkommenden Einheit des Denkens in weltweiten Unternehmungen ausgeht, deren Verwirklichung unsere Heiligen Schriften als einen der Lichtstrahlen der Einheit bezeichnen, die den Weg zum Frieden erleuchten werden. Natьrlich fьhlen sich die Bahá'í in der ganzen Welt durch solche hoffnungsvollen Tendenzen ermutigt, und sie werden verstдrkt fortfahren, sie moralisch und praktisch zu unterstьtzen, wo sich Gelegenheit dazu ergibt.
Angesichts der erhцhten Aufmerksamkeit, die den Problemen der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung seit dem Umweltgipfel in Brasilien geschenkt wurde, haben wir das Office of Public Information der Internationalen Bahб'н-Gemeinde gebeten, eine Erklдrung ьber das Konzept globalen Wohlergehens gemдЯ den Bahб'н-Lehren zu verfassen. Dieses Statement steht jetzt fьr die Verteilung zur Verfьgung. Wir freuen uns daher sehr, jedem von Ihnen ein Exemplar von »Das Wohlergehen der Menschheit« zu Verfьgung zu stellen und empfehlen Ihnen, davon Gebrauch zu machen, wenn Sie Tдtigkeiten unternehmen, die Ihnen die Mцglichkeit geben, mit Regierungen, Organisationen und Menschen in Ihrem Umfeld Verbindungen aufzunehmen. Wir hoffen zuversichtlich, daЯ die Erklдrung Sie auch darin unterstьtzt, das Verstдndnis dieses wichtigen Themas bei den Mitgliedern Ihrer Gemeinde zu vertiefen und so deren Beitrдge zu den ьberall sich in der Welt abspielenden konstruktiven sozialen Prozessen mit Lebenskraft zu erfьllen.
Mit liebevollen Bahб'н-GrьЯen, Das Universale Haus der Gerechtigkeit, 23. Januar 1995
Das Wohlergehen der MenschheitDas Ideal des Weltfriedens nimmt heute konkrete Formen an, die vor einem Jahrzehnt noch undenkbar gewesen wдren. Hindernisse, die lange fьr unverrьckbar gehalten wurden, sind auf dem Pfade der Menschheit zusammengebrochen; scheinbar unversцhnliche Konflikte beginnen, einem ProzeЯ der Beratung und Entschlossenheit zu weichen; es wдchst die Bereitwilligkeit, militдrischen Aggressionen durch geeintes internationales Handeln zu begegnen. Dies bewirkte bei der ьberwiegenden Mehrheit der Menschheit und bei vielen fьhrenden Persцnlichkeiten der Welt groЯe Hoffnung fьr die Zukunft unseres Planeten zu wecken, die schon fast erloschen schien.
In der ganzen Welt suchen gewaltige intellektuelle und geistige Energien ihren Ausdruck, Energien, deren geballter Druck in direktem Verhдltnis zu den Frustrationen vergangener Jahrzehnte steht. Ьberall vervielfachen sich die Zeichen, daЯ die Vцlker der Welt sich nach einem Ende der Konflikte und der Leiden und Zerstцrungen sehnen, von denen kein Land mehr verschont ist. Diese aufkommenden Impulse fьr einen Wandel mьssen genutzt und in geeignete Bahnen gelenkt werden, damit die verbleibenden Hindernisse auf dem Wege zur Verwirklichung des uralten Traumes vom Weltfrieden ьberwunden werden. Die Willensanstrengung, die fьr solch eine Aufgabe erforderlich ist, kann nicht lediglich durch Aufrufe zu MaЯnahmen gegen die zahllosen die Gesellschaft heimsuchenden Ьbel mobilisiert werden. Der zьndende Ansporn muЯ aus einer Vision menschlichen Wohlergehens in der umfassenden Bedeutung des Wortes gewonnen werden - ein BewuЯtwerden der Mцglichkeiten des geistigen und materiellen Wohls, die nun in Reichweite sind. Alle Bewohner unseres Planeten mьssen ohne Unterschied in den GenuЯ dieser Mцglichkeiten kommen, ohne Bedingungen auferlegt zu bekommen, die in keinem Bezug zu den fundamentalen Zielen der Neuordnung der menschlichen Angelegenheiten stehen.
Die Geschichte hat bisher hauptsдchlich die Erfahrung von Stдmmen, Kulturen, Klassen und Nationen aufgezeichnet. Mit dem praktischen Zusammenwachsen der Vцlker der Erde in diesem Jahrhundert und der Anerkennung der gegenseitigen Abhдngigkeit aller Menschen beginnt nun die Geschichte der Menschheit als der eines Volkes. Die langwierige Kultivierung des menschlichen Charakters war eine sporadische Entwicklung, ungleich und zugegebenermaЯen ungerecht in der Verteilung von materiellen Vorteilen. Trotz allem sind jetzt alle Erdenbewohner, ausgestattet mit dem sich in zurьckliegenden Zeitaltern entwickelten Reichtum an genetischer und kultureller Vielfalt, aufgerufen, ihr kollektives Erbe zu nutzen und bewuЯt und systematisch die Verantwortung fьr die Gestaltung der Zukunft zu ьbernehmen.
Die Vorstellung ist unrealistisch, daЯ die Vision der nдchsten Stufe in der Entfaltung der Zivilisation ohne eine sorgfдltige Ьberprьfung der Haltungen und Voraussetzungen beschrieben werden kann, die gegenwдrtig den Ansдtzen von sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung zugrunde liegen. In erster Linie wird eine derartige Ьberprьfung praktische Bereiche wie Politik, Rohstoffnutzung, Planungsverfahren, Ausfьhrungsmethoden und Organisation betreffen. Jedoch werden sich im weiteren Verlauf rasch Grundsatzfragen erheben, die sich auf die zu verfolgenden Langzeitziele, die erforderlichen sozialen Strukturen, die Konsequenzen bei der Entwicklung von Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit und das Wesen und die Rolle von Kenntnissen beziehen, die einen anhaltenden Wandel bewirken. Eine solche Ьberprьfung wird unweigerlich dazu fьhren, einen breiten Konsens ьber das Wesen des Menschen selbst finden zu mьssen.
Zwei Diskussionsschienen erцffnen sich direkt auf all diese Fragen, seien sie praktischer oder konzeptioneller Art, und in diesem Sinne wollen wir auf den folgenden Seiten das Thema einer Strategie fьr globale Entwicklung untersuchen. Der erste befaЯt sich mit den vorherrschenden Ansichten ьber Wesen und Zweck des Entwicklungsprozesses; der zweite handelt von den Rollen, die den verschiedenen Akteuren dabei zukommen.
Die gegenwдrtige Entwicklungsplanung ist meistens von Voraussetzungen geleitet, die im wesentlichen materialistisch sind. Damit soll gesagt werden, daЯ der Zweck der Entwicklung in jeder Gesellschaft definiert wird als erfolgreichen Einsatz jener Mittel fьr die Erlangung materiellen Wohlstands, die bereits - durch Versuch und Irrtum - fьr bestimmte Regionen der Welt kennzeichnend geworden sind. Wohl gibt es in der Diskussion ьber Entwicklungsstrategien bereits Bestrebungen, Unterschieden der Kultur und des politischen Systems oder den Gefahren der Umweltzerstцrung Rechnung zu tragen. Die zugrunde liegenden materialistischen Voraussetzungen bleiben jedoch im wesentlichen unbestritten.
Jetzt, da das 20. Jahrhundert sich seinem Ende zuneigt, ist es unьbersehbar, daЯ der einer materialistischen Lebensauffassung entstammende Ansatz fьr eine soziale und wirtschaftliche Entwicklung unfдhig ist, die Bedьrfnissen der Menschheit zu befriedigen. Optimistische Voraussagen ьber die daraus resultierenden Verдnderungen haben sich in dem sich stдndig weitenden Graben verloren, der sich zwischen dem Lebensstandard einer kleinen und relativ weiter abnehmenden Minderheit der Weltbevцlkerung und der Armut, unter der die groЯe Mehrheit der Menschen leben muЯ, auftut.
Diese beispiellose Wirtschaftskrise und der durch sie mit verursachte soziale Zusammenbruch sind ein Zeichen fьr den folgenschweren Irrtum in der Auffassung ьber das wahre Wesen des Menschen. Die durch die leistungsbezogenen Anreize der vorherrschenden Ordnung in den Menschen erweckten Handlungskategorien sind nicht nur unangemessen sondern scheinen angesichts der Weltereignisse nahezu irrelevant. Sofern die Entwicklung der Gesellschaft nicht einen ьber die bloЯe Verbesserung der materiellen Bedingungen hinausgehenden Sinn findet, wird uns vor Augen gefьhrt, daЯ sie selbst dieses Ziel nicht erreichen wird. Dieser Sinn muЯ in geistigen Dimensionen des Lebens und der Motivation gesucht werden, der jenseits einer sich stдndig дndernden Wirtschaftslandschaft und einer kьnstlich auferlegten Teilung der menschlichen Gesellschaft in »entwickelt« und »sich entwickelnd« liegt.
In dem MaЯe wie der Sinn der Entwicklung neu definiert wird, wird es auch nцtig werden, einen Blick auf die Voraussetzungen zu werfen, unter denen die Akteure in diesem ProzeЯ ihre angemessene Rolle spielen. Die entscheidende Aufgabe, die den Regierungen - auf welcher Ebene auch immer - zufдllt, braucht nicht erцrtert zu werden. Zukьnftige Generationen jedoch werden die Tatsache fast unbegreiflich finden, daЯ in einem Zeitalter, das einer Philosophie der Gleichheit und entsprechenden demokratischen Prinzipien Tribut zollt, die Entwicklungsplanung in einer Weise geschehen soll, die die Mehrheit der Menschheit im wesentlichen als Empfдnger von Wohltaten aus Hilfeleistung und Ausbildung sieht. Obgleich Beteiligung im Prinzip anerkannt wird, ist doch der Wirkungskreis in Entscheidungsprozessen, der der groЯen Masse der Weltbevцlkerung zugestanden wird, bestenfalls zweitrangig und beschrдnkt auf die Wahlmцglichkeiten, die von Gremien vorgegeben werden, zu denen sie keinen Zugang haben und die Ziele betreffen, die oft mit ihrer eigenen Sicht der Realitдt nicht vereinbar sind.
Dieser Ansatz wird von den etablierten Religionen indirekt, wenn nicht gar ausdrьcklich, gestьtzt. Gefangen in paternalistischen Traditionen, erscheint das vorherrschende religiцse Denken unfдhig, aus dem erklдrten Glauben an die geistige Natur des Menschen das Vertrauen in dessen kollektive Fдhigkeit abzuleiten, materielle Bedingungen zu ьberschreiten.
Einer solchen Einstellung entgeht die Bedeutung der wahrscheinlich wichtigsten sozialen Erscheinung unserer Zeit. Wenn es zutrifft, daЯ die Regierungen der Welt sich mittels der Vereinten Nationen darum bemьhen, eine neue globale Ordnung zu errichten, dann trifft auch zu, daЯ die Vцlker der Welt von der gleichen Vision ergriffen sind. Ihre Antwort hat die Gestalt eines plцtzlichen Aufblьhens zahlloser Bewegungen und Organisationen fьr sozialen Wandel auf цrtlicher, regionaler und internationaler Ebene angenommen. Menschenrechte, das Hervortreten der Frauen, die sozialen Erfordernisse fьr eine anhaltende Wirtschaftsentwicklung, die Ьberwindung von Vorurteilen, die geistig-sittliche Erziehung der Kinder, Alphabetisierung, Gesundheitsvorsorge und unzдhlige andere hцchst wichtige Fragen gebieten jede die dringende Unterstьtzung durch Organisationen, die von immer mehr Menschen in allen Teilen der Erde getragen werden.
Die Antwort der Menschen dieser Welt auf die schreienden Bedьrfnisse unserer Zeit ist ein Widerhall des vor mehr als hundert Jahren von Bahá'u'lláh erhobenen Rufes: »BefaЯt euch grьndlich mit den Nцten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Ьberlegungen auf ihre Bedьrfnisse und Forderungen«. Die Verдnderung in der Art, wie eine groЯe Zahl durchschnittlicher Menschen sich selbst zu sehen beginnt - ein Wandel, der sich im Rahmen der Geschichte unseres Zivilisationsprozesses dramatisch plцtzlich abspielt - wirft grundlegende Fragen darьber auf, welche Rolle der Menschheit als Ganzes bei der Planung der Zukunft unseres Planeten zugeschrieben wird.
IDer Eckstein einer Strategie, die die ganze Weltbevцlkerung einbezieht, selbst die Verantwortung fьr das gemeinsame Schicksal zu ьbernehmen, muЯ das BewuЯtsein von der Einheit der Menschheit sein. Im allgemeinen Sprachgebrauch tдuschend einfach, stellt das Konzept, daЯ die Menschheit ein einziges Volk bildet, die Arbeitsweise der meisten Institutionen der heutigen Gesellschaft vor eine groЯe Herausforderung. Ob in der Form eines auf Wettbewerb beruhenden politischen Systems, eines auf die Durchsetzung individueller Ansprьche zielenden Zivilrechts, ob als Verherrlichung des Klassenkampfs, der Interessenkonflikte zwischen sozialen Gruppen oder des Konkurrenzkampfes, der das moderne Leben so entscheidend prдgt - Konflikt wird als die treibende Kraft menschlicher Interaktion akzeptiert. Er ist auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Ordnung nur ein weiterer Ausdruck der materialistischen Lebensauffassung, die sich zunehmend in den letzten zwei Jahrhunderten verfestigt hat.
In einem Brief an Kцnigin Viktoria hat Bahá'u'lláh vor ьber 100 Jahren die Welt mit dem menschlichen Kцrper verglichen und damit eine Analogie verwandt, die auf das eine ьberzeugende Modell fьr die Organisation der planetarischen Gesellschaft verweist. Es gibt tatsдchlich in der Welt des Seins kein anderes Modell, auf das wir vernьnftigerweise schauen kцnnen. Die Gesellschaft besteht nicht lediglich aus einer Masse unterschiedlicher Zellen, sondern aus einem ZusammenschluЯ von Individuen, von denen jedes mit Intelligenz und Willen ausgestattet ist; dennoch veranschaulichen die Funktionsweisen, die fьr die biologische Natur des Menschen charakteristisch sind, Grundprinzipien des Daseins. Unter ihnen steht die Einheit in der Vielfalt an erster Stelle. Paradoxerweise ist es gerade die Ganzheit und die Komplexitдt der den menschlichen Kцrper bildenden Ordnung - und die vollkommene Integration aller Kцrperzellen in sie -, welche die volle Verwirklichung der in jeder der Komponenten angelegten unterschiedlichen Fдhigkeiten ermцglicht. Keine Zelle lebt getrennt vom Kцrper, sei es, indem sie zu dessen Funktionieren beitrдgt oder ihren Anteil aus dem Wohlbefinden des Ganzen bezieht. Das so erreichte physische Wohlbefinden erfьllt seinen Sinn, indem es die ДuЯerung des menschlichen BewuЯtsein ermцglicht; d.h. der Sinn der biologischen Entwicklung geht ьber die bloЯe Existenz des Kцrpers und seiner Teile hinaus.
Was fьr das Leben des einzelnen gilt, hat in der menschlichen Gesellschaft seine Parallelen. Die menschliche Spezies ist ein organisches Ganzes, der Hauptantrieb des Evolutionsprozesses. Wenn auch das menschliche BewuЯtsein notwendigerweise durch eine unendliche Vielfalt individueller Seelen und Beweggrьnde wirkt, so tut dies der wesenhaften Einheit keinen Abbruch. Tatsдchlich ist es gerade die ihr eigene Vielfalt, die Einheit von Einfцrmigkeit oder Einheitlichkeit unterscheidet. Was die Vцlker der Welt heute erleben, ist, sagte Bahá'u'lláh, ihr kollektives Erwachsenwerden, und gerade durch diese sich bildende Reife der menschlichen Rasse wird das Prinzip der Einheit in der Vielfalt seinen vollen Ausdruck finden. Seit den frьhesten Anfдngen der Festigung des Familienlebens hat der ProzeЯ der gesellschaftlichen Organisation nacheinander die einfachen Strukturen der Sippe und des Stammes, ьber die vielfдltigen Formen der stдdtischen Gemeinschaft bis hin zum Nationalstaat durchlaufen, wobei sich den menschlichen Fдhigkeiten auf jeder Stufe eine neue Fьlle von Mцglichkeiten erцffneten.
Der Aufstieg des Menschengeschlechtes ist gewiЯ nicht auf Kosten der menschlichen Individualitдt erfolgt. Mit dem Wachsen der gesellschaftlichen Organisation haben sich die Mцglichkeiten fьr den Ausdruck der latent in jedem Menschen angelegten Fдhigkeiten entsprechend erweitert. Da die Beziehung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft reziprok ist, muЯ die jetzt erforderliche Umgestaltung gleichzeitig im menschlichen BewuЯtsein und in der Struktur der gesellschaftlichen Institutionen erfolgen. In den durch diesen zweifachen WandlungsprozeЯ sich bietenden Mцglichkeiten wird eine Strategie der globalen Entwicklung ihr Ziel finden. In dieser entscheidenden Phase unserer Geschichte muЯ dieses Ziel darin bestehen, dauerhafte Grundlagen zu errichten, auf denen eine planetarische Zivilisation sich schrittweise ausbilden kann.
Das Fundament zu legen fьr eine globale Zivilisation erfordert die Schaffung von Gesetzen und Institutionen, die einen universellen Charakter haben und universelle Autoritдt genieЯen. Mit den Bemьhungen kann erst begonnen werden, wenn das Konzept der Einheit der Menschheit von den Verantwortlichen rьckhaltlos angenommen wird und die entsprechenden Prinzipien durch die Erziehungsinstitutionen und die Massenmedien verbreitet werden. Wenn diese Schwelle erst einmal ьberschritten ist, wird ein ProzeЯ in Gang kommen, durch den die Vцlker der Welt der Aufgabe, gemeinsam Ziele zu formulieren, zugefьhrt werden und sich fьr deren Verwirklichung einsetzen kцnnen. Nur eine solche grundsдtzliche Neuausrichtung kann sie auЯerdem vor dem jahrhundertealten Teufelskreis ethnischer und religiцser Streitigkeiten schьtzen. Nur wenn in ihnen das BewuЯtsein erwacht, daЯ sie ein einziges Volk bilden, wird es den Bewohnern des Planeten mцglich werden, sich von dem die Gesellschaftsstrukturen der Vergangenheit beherrschenden Konfliktmuster zu lцsen und zu beginnen, Methoden der Zusammenarbeit und Aussцhnung zu erlernen. "Die Wohlfahrt der Menschheit, ihr Friede und ihre Sicherheit sind unerreichbar, wenn und ehe nicht ihre Einheit fest begrьndet ist", schreibt Bahá'u'lláh.
IIGerechtigkeit ist die herausragende Macht, die das erwachende BewuЯtsein fьr die Einheit der Menschheit in einen gemeinsamen Willen umsetzen kann, durch den die fьr globales gemeinschaftliches Leben notwendigen Strukturen zuversichtlich errichtet werden kцnnen. Ein Zeitalter, das Zeuge davon ist, wie die Menschen weltweit immer mehr Zugang zu allen Arten von Information und einer Vielfalt von Ideen erlangen, wird erkennen, daЯ sich Gerechtigkeit als das herrschende Prinzip fьr eine erfolgreiche Sozialstruktur durchsetzt. Immer hдufiger werden Vorschlдge, die auf eine Entwicklung des Planeten abzielen, im klaren Licht der hierfьr erforderlichen MaЯstдbe gesehen werden mьssen.
Auf der Stufe des einzelnen ist Gerechtigkeit jene Fдhigkeit der menschlichen Seele, die jeder Person ermцglicht, Wahrheit von Falschheit zu unterscheiden. Im Angesicht Gottes, stellt Bahá'u'lláh fest, ist Gerechtigkeit "das Meistgeliebte", da sie jedem einzelnen erlaubt, mit den eigenen Augen statt mit den Augen anderer zu sehen, durch die eigene Erkenntnis und nicht die des Nдchsten oder seiner Gruppe Wissen zu erlangen. Sie erfordert Aufrichtigkeit im Urteil, Unparteilichkeit bei der Behandlung anderer und ist daher ein stдndiger, wenn auch anspruchsvoller Begleiter in allen Dingen des tдglichen Lebens.
Auf der Stufe der Gruppe ist die Sorge fьr Gerechtigkeit ein unentbehrlicher KompaЯ bei kollektiver Entscheidungsfindung, weil sie das einzige Mittel darstellt, mit dem Einheit im Denken und Handeln erreicht werden kann. Weit davon entfernt, den strafenden Geist zu fцrdern, der sich oft in der Vergangenheit unter ihrer Maske versteckt hat, ist die Gerechtigkeit der praktische Ausdruck des BewuЯtseins, daЯ bei der Verwirklichung menschlichen Fortschritts die Interessen des einzelnen mit denen der Gesellschaft unauflцsbar verknьpft sind. In dem MaЯe, wie Gerechtigkeit zum Leitprinzip menschlichen Handelns wird, wird die Entwicklung eines Klimas der Beratung ermutigt, das die leidenschaftslose Untersuchung von Wahlmцglichkeiten und die schlieЯliche Auswahl des geeigneten Handelns erlaubt. In einem solchen Klima besteht eine weit geringere Wahrscheinlichkeit, daЯ die immerwдhrenden Neigungen zu Manipulation und Parteilichkeit vom ProzeЯ der Entscheidungsfindung ablenken.
Die Folgerungen fьr die soziale und wirtschaftliche Entwicklung sind tiefgreifend. Das Hochhalten der Gerechtigkeit schьtzt die Bemьhungen um eine Definition des Fortschritts vor der Versuchung, das Wohlergehen der gesamten Menschheit - und dazu des Planeten selbst - den Vorteilen zu opfern, die technologische Durchbrьche privilegierten Minderheiten ermцglichen. Bei der Entwicklung und Planung stellt Gerechtigkeit sicher, daЯ begrenzte Ressourcen nicht fьr Projekte abgezweigt werden, die den wesentlichen sozialen und wirtschaftlichen Prioritдten der Gemeinschaft fremd sind. Vor allem werden nur solche Entwicklungsprogramme hoffen kцnnen, das Engagement der groЯen Mehrheit der Menschheit zu mobilisieren - von der ja schlieЯlich die Durchfьhrung abhдngt -, die ihren Bedьrfnissen entsprechen und deren Zielsetzung gerecht ist. Die maЯgeblichen menschlichen Eigenschaften wie Ehrlichkeit, Arbeitswilligkeit und Kooperationsgeist werden erfolgreich fьr die Durchfьhrung ungeheuer anspruchsvoller gemeinsamer Ziele gebьndelt werden kцnnen, wenn jedes Mitglied der Gesellschaft - ja jede einzelne ihrer Teilgruppen - darauf vertrauen kann, daЯ sie durch Normen geschьtzt und an Vorteilen teilhaben werden, die in gleicher Weise fьr alle gelten.
Das Herzstьck der Diskussion ьber eine Strategie der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung bildet daher die Frage der Menschenrechte. Die Herausbildung einer solchen Strategie verlangt daher, daЯ die Frage der Menschenrechte von der falschen Dichotomie befreit wird, der sie so lange unterlag. Die Sorge, daЯ jeder Mensch sich einer Gedanken- und Handlungsfreiheit erfreuen soll, die zum persцnlichen Wachstum beitrдgt, rechtfertigt nicht die Hingabe an den Kult des Individualismus, der so viele Bereiche des heutigen Lebens zutiefst korrumpiert. Auch erfordert die Sorge fьr das Wohl der Gesellschaft als Ganzes keinesfalls eine Vergцtterung des Staates als vermeintlicher Quelle fьr das Wohlergehen der Menschheit. Ganz im Gegenteil, die Geschichte unseres Jahrhunderts belegt nur zu deutlich, daЯ solche Ideologien und die daraus erwachsenen Parteistrategien selbst die Hauptfeinde der Interessen waren, denen sie zu dienen vorgaben. Nur im Rahmen eines Beratungssystems, das durch das BewuЯtsein der organischen Einheit der Menschheit mцglich wird, kцnnen alle Aspekte der Sorge um die Menschenrechte ihren legitimen und kreativen Ausdruck finden.
Heute ist das Organ, dem die Aufgabe zufдllt, diesen Rahmen zu schaffen und die Fцrderung der Menschenrechte von denen unabhдngig zu machen, die sie miЯbrauchen, das System internationaler Institutionen, die aus den Tragцdien zweier zerstцrerischer Weltkriege und aus der Erfahrung des weltweiten wirtschaftlichen Zusammenbruches hervorgegangen sind. Bezeichnenderweise ist der Begriff »Menschenrechte« erst seit der Proklamation der Charta der Vereinten Nationen im Jahre 1945 und der Annahme der Allgemeinen Erklдrung der Menschenrechte drei Jahre danach allgemein ьbernommen worden. In diesen historischen Dokumenten wird der Achtung fьr soziale Gerechtigkeit als einer Ergдnzung zur Errichtung des Weltfriedens formelle Anerkennung gezollt. Allein daЯ die Erklдrung in der Vollversammlung ohne Gegenstimme angenommen wurde, verlieh ihr von Anfang an eine Autoritдt, die mit den Jahren noch stдndig gewachsen ist.
Das BewuЯtsein, das den Menschen im besonderen auszeichnet, ist auf das engste verbunden mit dem selbstдndigen Erforschen der Wirklichkeit. Die Freiheit, den Sinn des Daseins zu ergrьnden und die in der menschlichen Natur angelegten Fдhigkeiten zu dessen Verwirklichung zu entwickeln, muЯ geschьtzt werden. Menschen mьssen frei sein, Wissen zu erwerben. DaЯ eine solche Freiheit oft miЯbraucht wird und daЯ zu diesem MiЯbrauch durch Erscheinungsformen der heutigen Gesellschaft in ьbelster Weise ermutigt wird, tut der Gьltigkeit dieses Antriebs in keiner Weise Abbruch.
Es ist dieser bemerkenswerte Antrieb des menschlichen BewuЯtseins, der den moralischen Imperativ fьr die Aufstellung vieler der in der Allgemeinen Erklдrung der Menschenrechte und den dazugehцrigen Vertrдgen enthaltenen Rechte liefert. Allgemeine Erziehung, freie Wahl des Wohnsitzes, Zugang zu Informationen und die Mцglichkeit, am politischen Leben teilzunehmen, sind alles Aspekte seiner Wirksamkeit, welche ausdrьcklich eine Garantie durch die internationale Gemeinschaft erfordern. Das gleiche gilt auch fьr die Gedanken- und Glaubensfreiheit, einschlieЯlich der Religionsfreiheit, sowie das Recht auf eigene Meinung und auf angemessenen Ausdruck derselben.
Da die gesamte Menschheit eins und unteilbar ist, ist jedes ihrer Mitglieder in die Welt als ein dem Ganzen anvertrautes Pfand hineingeboren. Diese Treuhдnderschaft bildet die geistige Grundlage fьr die meisten anderen Rechte - hauptsдchlich wirtschaftliche und soziale - , die die Einrichtungen der Vereinten Nationen in entsprechender Weise zu definieren suchen. Die Sicherheit der Familie und des Heimes, der Anspruch auf Besitz und das Recht auf Privatsphдre sind alle in einer solchen Treuhдnderschaft inbegriffen. Die Verpflichtung der Gesellschaft umfaЯt auch die Bereitstellung von Arbeit, die geistige und kцrperliche Gesundheitsvorsorge, soziale Sicherheit, gerechte Lцhne, Ruhe und Erholung, und eine Reihe anderer vernьnftiger Erwartungen von Seiten der einzelnen Mitglieder der Gesellschaft.
Das Prinzip der kollektiven Treuhдnderschaft bedingt auch, daЯ jede Person das Recht hat zu erwarten, daЯ die fьr ihre Identitдt wesentlichen kulturellen Bedingungen den Schutz durch nationale und internationale Gesetze genieЯen. Дhnlich der Rolle, die die Gesamtheit der Gene im biologischen Leben der Menschheit und ihrer Umwelt spielt, ist der groЯartige, durch viele Jahrtausende erworbene Reichtum an kultureller Vielfalt fьr die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Menschengeschlechtes bei seinem kollektiven Eintritt ins Erwachsenenalter lebensnotwendig. Dieser Reichtum ist ein Erbe, dem jetzt gestattet werden muЯ, in einer weltumspannenden Zivilisation Frьchte zu tragen. Einerseits muЯ die kulturelle Eigenart davor bewahrt werden, daЯ die beherrschenden materiellen Einflьsse sie ersticken; andererseits muЯ ein Austausch zwischen den Kulturen in stдndig sich wandelnden Mustern und Strukturen ermцglicht werden, frei von Manipulationen, die einseitigen politischen Interessen dienen.
»Der Menschen Licht«, sagt Bahá'u'lláh, »ist Gerechtigkeit. Lцscht es nicht durch die Stьrme der Unterdrьckung und Tyrannei. Der Zweck der Gerechtigkeit ist das Zustandekommen von Einheit unter den Menschen. Das Meer gцttlicher Weisheit wogt in diesem erhabenen Wort, und alle Bьcher der Welt kцnnen seine innere Bedeutung nicht fassen.«
IIIUm den Standard der Menschenrechte, der derzeit von der Gemeinschaft der Nationen erarbeitet wird, weiter voranzutreiben und als eine gьltige internationale Norm einfьhren zu kцnnen, bedarf es einer grundsдtzlichen Neudefinition der zwischenmenschlichen Beziehungen. Gegenwдrtige Vorstellungen, was bei Beziehungen selbstverstдndlich und angemessen ist - zwischen Menschen untereinander, zwischen Mensch und Natur, zwischen dem einzelnen und der Gesellschaft und zwischen Mitgliedern der Gesellschaft und ihren Institutionen - spiegeln Verstдndnishorizonte wider, wie sie von der Menschheit wдhrend frьherer und weniger reifer Stadien ihrer Entwicklung erreicht wurden. Wenn die Menschheit wirklich in den Reifezustand eintritt, wenn alle Bewohner des Planeten ein einziges Volk bilden, wenn Gerechtigkeit das vorherrschende Prinzip der Gesellschaftsstruktur sein soll, dann mьssen die gegenwдrtigen Vorstellungen, die in Unkenntnis dieser jetzt sich entfaltenden Gegebenheiten entstanden waren, neugestaltet werden.
Eine Bewegung in diese Richtung hat bisher kaum begonnen. Kommt sie erst in Gang, wird sie ein neues Verstдndnis vom Wesen der Familie und den Rechten und Pflichten jedes ihrer Mitglieder entwickeln. Sie wird die Rolle der Frau auf allen Ebenen der Gesellschaft vцllig verдndern. Ihre Auswirkungen auf eine Neugestaltung der Beziehung der Menschen zu ihrer Arbeit und deren Verstдndnis der Rolle, die die Wirtschaft in ihrem Leben spielt, wird durchgreifend sein. Durch sie werden sich weitreichende Verдnderungen in der Regelung menschlicher Angelegenheiten und der fьr diese Zwecke errichteten Institutionen ergeben. Durch ihren EinfluЯ wird die Arbeit der sich in der Gesellschaft rasch vermehrenden Nicht-Regierungs-Organisationen zunehmend als vernьnftig verstanden werden. Sie wird die Schaffung verbindlicher Gesetzgebung sicherstellen, die sowohl die Umwelt als auch die Entwicklungsbedьrfnisse aller Menschen schьtzt. Und schlieЯlich wird die Umgestaltung oder Rekonstruktion des Systems der Vereinten Nationen, die durch diese Bewegung schon in Gang gesetzt wurde, zweifellos zur Errichtung einer Weltfцderation der Nationen mit eigener Legislative, Judikative und Exekutive fьhren.
Im Mittelpunkt der Aufgabe einer Neukonzeption des Systems menschlicher Beziehungen steht der ProzeЯ, den Bahá'u'lláh Beratung nennt. »In allen Dingen muЯ beraten werden,« lautet Sein Ratschlag. »Die Gabe der Einsicht zeigt ihre Reife in der Beratung.«
Der fьr diesen ProzeЯ notwendige MaЯstab der Wahrheitsfindung ьbertrifft bei weitem die fьr die gegenwдrtige Diskussion der menschlichen Angelegenheiten kennzeichnenden Muster der Verhandlungen und Kompromisse. Die Streitkultur - ein weiteres Wesensmerkmal der heutigen Gesellschaft - ist auЯerstande, einen derartigen MaЯstab hervorzubringen, sie behindert geradezu ernsthaft eine derartige Entwicklung. Debatte, Propaganda, Rechtfertigung, das ganze Arsenal parteilicher Interessen, seit langem allzu vertraute Methoden kollektiven Handelns, schaden diesem Ziel von Grund auf: nдmlich einen Konsens ьber die Wahrheit in einer gegebenen Situation zu finden und die weiseste Wahl unter den im jeweiligen Augenblick sich bietenden Handlungsmцglichkeiten zu treffen.
Bahá'u'lláh fordert einen BeratungsprozeЯ, bei dem die einzelnen Teilnehmer darum bemьht sind, ьber ihren jeweiligen Standpunkt hinauszugehen, um wie die Glieder eines Kцrpers fьr dessen eigene Interessen und Ziele funktionieren zu kцnnen. In einer solchen Atmosphдre, die durch Offenheit und Hцflichkeit gekennzeichnet ist, gehцren die Ideen nicht dem einzelnen, dem sie wдhrend der Erцrterung gekommen sind, sondern der Gruppe als Ganzem. Diese kann sie aufnehmen, verwerfen oder verдndern, je nach dem, wie es dem zu erreichenden Ziel am besten dient. Beratung ist in dem MaЯe erfolgreich, wie alle Teilnehmer die getroffenen Entscheidungen unterstьtzen, unabhдngig davon, mit welcher Ansicht sie in die Beratung eingetreten sind. Unter diesen Umstдnden kann eine frьhere Entscheidung leicht revidiert werden, wenn sich aus der Erfahrung irgendwelche Unzulдnglichkeiten ergeben.
So betrachtet ist Beratung der praktische Ausdruck von Gerechtigkeit in menschlichen Angelegenheiten. Sie ist so unentbehrlich fьr den Erfolg gemeinschaftlicher Bemьhungen, daЯ sie Hauptmerkmal einer wirksamen Strategie fьr soziale und wirtschaftliche Entwicklung werden muЯ. Ja, die Beteiligung jener Menschen, von deren Engagement und Bemьhungen der Erfolg einer solchen Strategie abhдngt, ist nur in dem MaЯe wirkungsvoll, wie Beratung zum Leitprinzip fьr jedes Projekt gemacht wird. "Der Mensch kann seine wahre Stufe nicht erlangen," lautet Bahá'u'lláhs Rat, "es sei denn durch seine Gerechtigkeit. Keine Macht kann bestehen, es sei denn durch Einheit. Keine Wohlfahrt und kein Wohlergehen kann erreicht werden, es sei denn durch Beratung."
IVDie durch die Entwicklung einer Weltgesellschaft entstehenden Aufgaben erfordern ein Niveau an Fдhigkeiten, das weit ьber das hinausgeht, was die Menschheit bisher aufbieten konnte. Um dieses Niveau zu erreichen, bedarf es einer gewaltigen Erweiterung des Zugangs zu Wissen - fьr den einzelnen ebenso wie fьr gesellschaftliche Gruppierungen. Weltweite Erziehung wird fьr diesen ProzeЯ der Entfaltung von Fдhigkeiten unverzichtbar sein. Dieses Bemьhen wird aber nur dann von Erfolg gekrцnt sein, wenn die menschlichen Angelegenheiten so umstrukturiert werden, daЯ einzelne wie Gruppen in jedem Bereich der Gesellschaft Wissen erwerben und zur Gestaltung dieser gesellschaftlichen Angelegenheiten einsetzen kцnnen.
Wдhrend der ganzen ьberlieferten Geschichte beruhte das menschliche BewuЯtsein auf zwei grundlegenden Wissenssystemen, durch die sich seine Mцglichkeiten fortschreitend entfaltet haben: Wissenschaft und Religion. Durch diese beiden Bereiche wurden die Erfahrungen des Menschengeschlechts geleitet, seine Umwelt interpretiert, seine verborgenen Fдhigkeiten erforscht und sein sittliches und intellektuelles Leben geformt. Sie waren die eigentlichen Wegbereiter der Kultur. Im nachhinein wird auЯerdem klar, daЯ die Wirksamkeit dieses dualen Gefьges in solchen Zeiten am grцЯten war, als Religion und Wissenschaft jeweils in ihrem eigenen Bereich, aber im Einklang miteinander wirksam sein konnten.
Angesichts der fast universellen Achtung, die gegenwдrtig der Wissenschaft entgegengebracht wird, brauchen wir ihre Bedeutung nicht weiter auszufьhren. In Bezug auf eine Strategie der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung lautet jetzt vielmehr die Frage, wie wissenschaftliche und technische Aktivitдten organisiert werden sollen. Wenn deren Tдtigkeit in erster Linie als Domдne etablierter Eliten in einer kleinen Zahl von Nationen angesehen wird, so ist klar, daЯ die dadurch entstandene ungeheuere Kluft zwischen den Reichen und den Armen dieser Welt sich noch ausweiten wird - mit den bereits erwдhnten verheerenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Wenn weiterhin ein GroЯteil der Menschheit hauptsдchlich nur als Konsument von Produkten der Wissenschaft und Technik, die anderswo hergestellt wurden, angesehen wird, dann verdienen Programme, die scheinbar zur Befriedigung ihrer Bedьrfnisse entworfen wurden, nicht den Namen »Entwicklung«.
Eine zentrale und gewaltige Herausforderung ist die Ausweitung der wissenschaftlichen und technischen Aktivitдt. Solche kraftvollen Werkzeuge des sozialen und wirtschaftlichen Wandels dьrfen nicht lдnger das Vorrecht privilegierter Schichten der Gesellschaft bleiben, sondern mьssen so eingesetzt werden, daЯ Menschen ьberall entsprechend ihren Fдhigkeiten daran teilnehmen kцnnen. AuЯer der Entwicklung von Programmen, durch die die notwendige Bildung allen verfьgbar gemacht wird, die daraus Nutzen ziehen kцnnen, erfordert eine solche Neugestaltung ьberall in der Welt die Errichtung wirksamer Lernzentren, Institutionen, die die Befдhigung der Vцlker der Welt verbessern, an der Fцrderung und der Anwendung von Wissen teilzunehmen. Die Entwicklungsstrategie muЯ sein - unter Berьcksichtigung der groЯen Unterschiede individueller Fдhigkeiten - als wichtigstes Ziel die Aufgabe stellen, allen Bewohnern der Erde gleichberechtigt den Zugang zu den Prozessen von Wissenschaft und Technik zu ermцglichen, die ihr gemeinsames Geburtsrecht sind. Die ьblichen Argumente fьr den Erhalt des status quo klingen tдglich weniger ьberzeugend, da die sich beschleunigende Revolution in den Kommunikationstechnologien Information und Ausbildung einer groЯen Zahl von Menschen ьberall in der Welt verfьgbar macht, unabhдngig davon, wo sie sind und aus welcher Kultur sie stammen.
Die Herausforderungen, vor denen die Menschheit in Bezug auf ihr religiцses Leben steht, sind ebenso beдngstigend, wenngleich von anderer Art.. Fьr die ьberwiegende Mehrheit der Weltbevцlkerung ist der Gedanke, daЯ der Mensch eine geistige Dimension hat, ja daЯ sein eigentliches Wesen geistig ist, eine Wahrheit, die keiner Darlegung bedarf. Es ist eine Wahrnehmung der Wirklichkeit, die in den frьhesten Kulturzeugnissen zu finden ist und ьber viele Jahrtausende hinweg von jeder einzelnen der groЯen religiцsen Traditionen der Vergangenheit kultiviert wurde. Ihre bleibenden Errungenschaften auf den Gebieten des Rechtswesens, der Kьnste und der Plege zivilisierter Umgangsformen geben der Geschichte Gehalt und Bedeutung. In der einen oder anderen Weise hat ihre Stimme tagtдglich EinfluЯ auf das Leben der meisten Menschen auf Erden und, wie die Ereignisse in der ganzen Welt heute dramatisch aufzeigen, sind die durch sie geweckten Sehnsьchte unauslцschlich und unermeЯlich machtvoll.
Es sollte daher einleuchten, daЯ jedwedes Bemьhen um menschlichen Fortschritt wirklich universelle und ungeheuer schцpferische Fдhigkeiten verfьgbar machen muЯ. Wie kommt es, daЯ die vor der Menschheit liegenden geistigen Fragen nicht im Mittelpunkt der Entwicklungsdebatte gestanden haben? Warum sind die meisten Prioritдten - ja, die meisten ihnen zugrunde liegenden Annahmen - auf der internationalen Agenda fьr Entwicklung bisher von einer materialistischen Weltsicht bestimmt gewesen, der nur kleine Minderheiten der Weltbevцlkerung anhдngen? Wieviel Bedeutung kann man der bekundeten Unterstьtzung des Prinzips universeller Beteiligung zumessen, wenn sie die Gьltigkeit der fьr den Betroffenen maЯgeblichen kulturellen Erfahrung leugnet?
Nun lдЯt sich argumentieren, daЯ diese Themen auЯerhalb des Rahmens der Entwicklungsbelange der internationalen Gemeinschaft liegen, da geistige und moralische Fragen mit widerstreitenden theologischen Doktrinen historisch verbunden sind, die sich objektiver Prьfung entziehen. Wenn man ihnen eine bedeutsame Rolle gewдhrte, wьrde das gerade jenen dogmatischen Einflьssen Tьr und Tor цffnen, die soziale Konflikte genдhrt und den Fortschritt der Menschheit aufgehalten haben. In einem solchen Argument steckt sicher eine gewisse Wahrheit. Die maЯgeblichen Vertreter der verschiedenen theologischen Systeme der Welt tragen eine schwere Verantwortung nicht nur fьr den Ansehensverlust, den der Glaube als solcher bei vielen fortschrittlichen Denkern erlitten hat, sondern auch fьr die Hemmnisse und Verzerrungen im fortwдhrenden Dialog der Menschheit ьber geistige Inhalte. Daraus jedoch zu schlieЯen, daЯ die Antwort darin liege, die Erforschung der geistigen Realitдt zu behindern und die tiefsten Wurzeln der menschlichen Motivation zu leugnen, ist ein offensichtlicher Irrtum. Wo sich in der jьngsten Geschichte eine solche Beschrдnkung durchsetzte, bewirkte dies lediglich, daЯ die Gestaltung der Menschheitszukunft in die Hдnde einer neuen Orthodoxie gelegt wurde, die behauptet, daЯ Wahrheit nichts mit Moral zu tun habe und Tatsachen wertfrei seien.
Soweit es die irdische Existenz betrifft, waren viele der grцЯten Errungenschaften der Religion sittlicher Art. Durch ihre Lehren und durch das Beispiel von Menschen, deren Leben durch diese Lehren erleuchtet wurden, hat eine groЯe Zahl von Menschen aller Zeiten und Regionen die Fдhigkeit zu lieben entwickelt. Sie haben gelernt, die animalische Seite ihres Wesens zu beherrschen, groЯe Opfer fьr die Allgemeinheit zu erbringen, Vergebung, GroЯmut und Vertrauen zu ьben und Wohlstand und andere Ressourcen fьr die Entwicklung der Kultur zu verwenden. Gesellschaftssysteme wurden ersonnen, um diese sittlichen Verbesserungen auf breiter Ebene in Normen des Gesellschaftslebens umzusetzen. Auch wenn sie durch dogmatische Hinzufьgungen verdunkelt und durch sektiererischen Streit entstellt wurden, so waren doch die geistigen Impulse, die von solch herausragenden Gestalten wie Krischna, Moses, Buddha, Zarathustra, Jesus und Muhammad ausgingen, die HaupteinfluЯgrцЯen bei der Kultivierung des menschlichen Charakters.
Da die Herausforderung also darin besteht, die Befдhigung der Menschheit durch den Zugang zu Wissen gewaltig zu erweitern, muЯ die Strategie, die dies mцglich machen kann, entwickelt werden. Diese Strategie ist gebunden an einen anhaltenden und sich intensivierenden Dialog zwischen Wissenschaft und Religion. Es ist ein Gemeinplatz - oder sollte es inzwischen sein -, daЯ sich in jedem Bereich menschlichen Handelns und auf jeder Ebene die durch wissenschaftliche Errungenschaften gewonnenen Einsichten und Fertigkeiten auf die Krдfte geistiger Verpflichtung und moralischer Prinzipien beziehen mьssen, um deren angemessene Anwendung zu gewдhrleisten. Die Menschen mьssen zum Beispiel lernen, Tatsachen von Vermutungen zu trennen, d.h. sie mьssen zwischen subjektiven Ansichten und objektiver Wirklichkeit unterscheiden; in welchem MaЯe aber Menschen und Institutionen mit dieser Fдhigkeit auch zum menschlichen Fortschritt beitragen kцnnen, hдngt von ihrer Wahrheitsliebe ab und von ihrer Unabhдngigkeit von den Regungen ihrer eigenen Interessen und Leidenschaften. Desweiteren muЯ die Wissenschaft bei allen Menschen die Fдhigkeit fцrdern, in Prozessen zu denken, und zwar auch in historischen Prozessen. Wenn dieses intellektuelle Wachstum schlieЯlich die Entwicklung fцrdern soll, dann darf ihr Blick nicht durch Vorurteile der Rasse, der Kultur, des Geschlechts, oder sektiererische Ansichten verdunkelt werden. Entsprechend kann die Ausbildung, die es den Erdenbewohnern ermцglicht, an der Bildung von Wohlstand mitzuwirken, die Ziele der Entwicklung nur in dem MaЯe fцrdern, wie ein solcher Impuls durch die geistige Einsicht erhellt wird, daЯ der Dienst an der Menschheit der eigentliche Sinn individuellen Lebens wie auch der sozialen Systeme ist.
VIm Zusammenhang mit einer Entfaltung der menschlichen Fдhigkeiten durch die Erweiterung des Wissens auf allen Ebenen mьssen die vor der Menschheit liegenden wirtschaftlichen Fragen angesprochen werden. Wie die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte gezeigt hat, kцnnen materielle Vorteile und entsprechende Bestrebungen nicht als Selbstzweck angesehen werden. Ihre Bedeutung liegt nicht nur darin, die Grundbedьrfnisse der Menschheit wie Wohnung, Nahrung, medizinische Versorgung und дhnliches zu befriedigen, sondern in der Erweiterung der Spannweite menschlicher Fдhigkeiten. Die wichtigste Rolle, die wirtschaftliche Bemьhungen bei der Entwicklung spielen mьssen, besteht daher darin, Menschen und Institutionen mit jenen Mitteln auszustatten, durch die sie den eigentlichen Sinn der Entwicklung erreichen kцnnen: die Grundlagen fьr eine neue Sozialordnung zu legen, die die unbegrenzten Fдhigkeiten fцrdern kann, die im menschlichen BewuЯtsein schlummern.
Die Herausforderung an das wirtschaftliche Denken besteht darin, unzweideutig diesen Sinn von Entwicklung anzuerkennen - und zugleich seine eigene Rolle bei der Bereitstellung der hierfьr erforderlichen Mittel. Nur auf diese Art kцnnen sich die Wirtschaftswisschenschaften und damit verwandte Zweige der Wissenschaft vom Sog materialistischer Denkweisen befreien, die sie jetzt noch ablenken, ihr Potential als Instrument einzusetzen, das unbedingt fьr das menschliche Wohlergehen im eigentlichen Sinne des Wortes nцtig ist. Nirgends sonst ist die Notwendigkeit eines uneingeschrдnkten Dialogs zwischen dem Wirken der Wissenschaft und den Einsichten der Religion so offensichtlich.
Ein typisches Beispiel ist das Problem der Armut. Verbesserungsvorschlдge beruhen auf der Ьberzeugung, daЯ materielle Mittel existieren oder durch wissenschaftliche und technische Anstrengungen geschaffen werden kцnnen, die diesen uralten Zustand als Charakteristikum menschlichen Lebens mildern und schlieЯlich ganz beseitigen werden. Ein Hauptgrund, warum dies nicht erreicht wird, liegt darin, daЯ der notwendige wissenschaftlich-technische Fortschritt auf Prioritдten ausgerichtet wird, die die wahren Interessen der meisten Menschen nur am Rande betreffen. Eine vцllige Umstellung dieser Prioritдten wird erforderlich sein, wenn die Last der Armut endgьltig von der Welt genommen werden soll. Eine solche Leistung erfordert eine entschiedene Suche nach geeigneten Werten, eine Suche, die sowohl die geistigen als auch die wissenschaftlichen Ressourcen der Menschheit schwer auf die Probe stellen wird. Die Religion wird kaum in der Lage sein, ihren Beitrag zu diesem gemeinsamen Unternehmen zu leisten, solange sie in sektiererischen Doktrinen gefangen bleibt, die nicht zwischen Zufriedenheit und bloЯer Passivitдt unterscheiden kцnnen und lehren, daЯ Armut eine unabdingbare Eigenheit des Erdenlebens sei, der zu entfliehen nur im Jenseits mцglich ist. Um am Kampf fьr das materielle Wohlergehen der Menschheit wirkungsvoll teilzunehmen, muЯ der religiцse Geist durch die Quelle der Inspiration, der er entspringt, neue geistige Konzepte und Prinzipien entdecken, die einem Zeitalter gemдЯ sind, das danach strebt, Einheit und Gerechtigkeit unter den Menschen herzustellen.
Arbeitslosigkeit wirft дhnliche Fragen auf. Im gegenwдrtigen Denken ist die Vorstellung in Bezug auf Arbeit ьberwiegend auf eine gewinnbringende Beschдftigung reduziert, die auf den Erwerb von Mitteln fьr den Konsum verfьgbarer Gьter abzielt. Daraus ergibt sich ein KreisschluЯ: Erwerb und Konsum fьhren zu Erhalt und Ausdehnung der Gьterproduktion und sind damit in der Folge die Grundlage bezahlter Beschдftigung. Auf den einzelnen bezogen sind all diese Tдtigkeiten fьr das Wohlergehen der Gesellschaft wesentlich. Die Unzulдnglichkeit der Gesamtvorstellung ergibt sich jedoch sowohl aus der Apathie, die Kommentatoren bei einer groЯen Zahl der Beschдftigten in allen Lдndern feststellen, als auch aus der Demoralisierung der wachsenden Heere von Arbeitslosen.
Es ist daher nicht erstaunlich, daЯ die Erkenntnis wдchst, daЯ die Welt dringend eine neue "Arbeitsethik" braucht. Auch hier kann nichts geringeres als die Einsichten, die aus der schцpferischen Wechselwirkung der wissenschaftlichen und religiцsen Wissenssysteme gewonnen werden, eine derart grundlegende Neuorientierung der Gewohnheiten und Haltungen bewirken. Anders als die Tiere, die fьr ihren Lebensunterhalt von dem abhдngen, was die Umwelt bereitstellt, sind die Menschen gezwungen, die in ihnen latent vorhandenen ungeheueren Fдhigkeiten durch produktive Arbeit zum Tragen zu bringen, um ihre eigenen und die Bedьrfnisse anderer zu befriedigen. Durch dieses Tun werden sie - wenn auch auf noch so bescheidenem Niveau - Mitwirkende am ProzeЯ des Vorantragens der Kultur. Sie erfьllen daher einen Sinn, der sie mit anderen verbindet. In dem MaЯe, wie Arbeit bewuЯt im Geiste des Dienstes an der Menschheit verrichtet wird, ist sie, sagt Bahá'u'lláh, eine Form des Gebets, ein Weg zur Verehrung Gottes. Jeder einzelne hat die Fдhigkeit, sich in diesem Licht zu sehen, und gerade auf diese unverдuЯerliche Mцglichkeit des Selbstes muЯ sich die Entwicklungsstrategie berufen, unabhдngig von der Art der jeweils verfolgten Plдne und dem durch sie in Aussicht gestellten Lohn. Keine geringere Perspektive als diese wird jemals die Menschen der Welt zu jenem AusmaЯ an Bemьhungen und Engagement veranlassen, das die vor uns liegenden wirtschaftlichen Aufgaben erfordern.
Дhnlich groЯ ist die Herausforderung an das wirtschaftliche Denken als Folge der Umweltkrise. Die Irrtьmer in den Theorien, die von der Vorstellung ausgingen, daЯ die Natur ьber unbegrenzte Mцglichkeiten verfьgt, um alle Ansprьche der Menschen zu befriedigen, sind nunmehr schonungslos offengelegt worden. Eine Kultur, die Wachstum, materiellen Erwerb und die Befriedigung menschlicher Wьnsche zu absoluten Werten erklдrt hat, muЯ nun gezwungenermaЯen anerkennen, daЯ derartige Ziele fьr sich alleine keine realistische Richtschnur der Politik sein kцnnen. Als ungenьgend hat sich auch eine Annдherung an wirtschaftliche Fragestellungen erwiesen, bei der die Entscheidungsinstanzen nicht der Tatsache Rechnung tragen, daЯ die meisten vorrangigen Herausforderungen von globalem und nicht partikulдrem AusmaЯ sind.
DaЯ man ernsthaft hofft, dieser moralischen Krise kцnne durch eine Art Vergцtterung der Natur selbst begegnet werden, verdeutlicht die geistige und intellektuelle Verzweiflung, die durch diese Krise entstanden ist. Die Erkenntnis, daЯ die Schцpfung ein organisches Ganzes und die Menschheit fьr dieses Ganze verantwortlich ist - so positiv dies auch zu bewerten ist -, genьgt nicht, im BewuЯtsein der Menschen ein neues Wertesystem hervorzubringen. Erst ein Durchbruch im Verstдndnis, der im wahren Sinne des Wortes wissenschaftlich und geistig genannt werden kann, wird das Menschengeschlecht befдhigen, die von der Geschichte geforderte Treuhдnderschaft auch wirklich zu ьbernehmen.
Alle Menschen werden frьher oder spдter zum Beispiel die Fдhigkeit der Zufriedenheit, die bereitwillige Annahme moralischer Disziplin und ein PflichtbewuЯtsein wiedererlangen mьssen, die alle bis noch vor Kurzem als wesentliche Aspekte des Menschseins angesehen wurden. In der Geschichte haben die Lehren der groЯen Religionsstifter wiederholt diese Charaktereigenschaften in der ьberwiegenden Mehrzahl jener Menschen wecken kцnnen, die ihnen nachfolgten. Diese Eigenschaften sind heute noch lebenswichtiger, aber sie mьssen in einer Form Ausdruck finden, die dem Reifealter der Menschheit entspricht. Auch hier steht die Religion vor der Herausforderung, sich von den Zwдngen der Vergangenheit zu befreien: Zufriedenheit bedeutet nicht Fatalismus, Moral hat nichts mit dem lebensverneinenden Puritanismus gemein, der sich so oft angemaЯt hat, in ihrem Namen zu sprechen, und ein echtes PflichtbewuЯtsein erzeugt kein Gefьhl von Selbstgerechtigkeit, wohl aber von Selbstwert.
Die Auswirkung dessen, daЯ den Frauen immer noch die volle Gleichstellung mit den Mдnnern versagt wird, verstдrkt die Herausforderung an Wissenschaft und Religion auf dem Gebiet des wirtschaftlichen Lebens der Menschheit noch weiter. Fьr jeden objektiven Beobachter ist das Prinzip der Gleichheit der Geschlechter von grundlegender Bedeutung, wenn man realistisch ьber das zukьnftige Wohlergehen der Erde und ihrer Bewohner nachdenkt. Es drьckt eine Wahrheit ьber das Wesen des Menschen aus, die in den langen Zeiten der Kindheit und Jugend der Menschheit weitgehend unerkannt blieb. "Im Angesicht Gottes", versichert Bahá'u'lláh nachdrьcklich, "waren Mдnner und Frauen von jeher gleich und werden es immer sein." Die vernunftbegabte Seele hat kein Geschlecht, und welche sozialen Ungleichheiten in der Vergangenheit durch die Ьberlebensnotwendigkeiten bestimmt gewesen sein mцgen, so kцnnen sie gewiЯ nicht mehr zu einer Zeit, da die Menschheit an der Schwelle der Reife steht, gerechtfertigt werden. Eine Verpflichtung zur Errichtung der vollen Gleichstellung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen und allen Schichten der Gesellschaft wird fьr den Erfolg entscheidend sein, wenn es um die Bemьhung geht, eine Strategie fьr die globale Entwicklung zu entwerfen und in die Tat umzusetzen.
Tatsдchlich wird der Fortschritt auf diesem Gebiet selbst in entscheidender Weise ein MaЯstab fьr den Erfolg eines jeden Entwicklungsprogrammes sein. Angesichts der entscheidenden Rolle, welche die wirtschaftliche Tдtigkeit fьr den Fortschritt der Kultur spielt, wird ein sichtbarer Beweis fьr die Geschwindigkeit, mit der die Entwicklung voranschreitet, das AusmaЯ sein, in dem Frauen Zugang zu allen Bereichen wirtschaftlichen Strebens erlangen. Es geht dabei um mehr als nur um Chancengleichheit, so wichtig diese auch ist. Es bedarf eines grundlegenden Ьberdenkens wirtschaftlicher Fragestellungen, wobei ein breites Spektrum menschlicher Erfahrungen und Einsichten beteiligt werden muЯ, das bisher von der Erцrterung ausgeschlossen war. Die klassischen Wirtschaftsmodelle unpersцnlicher Mдrkte, in denen die Menschen selbstherrlich ihre eigennьtzige Wahl treffen, werden nicht mehr den Bedьrfnissen einer Welt dienen, die von den Idealen der Einheit und Gerechtigkeit motiviert wird. Die Gesellschaft wird sich in zunehmendem MaЯe herausgefordert sehen, neue Wirtschaftsmodelle zu entwicklen, die durch Einsichten gestaltet werden, die sich aus einem mitfьhlenden Verstдndnis gegenseitig ausgetauschter Erfahrungen, aus der Betrachtung der Menschen in ihren Beziehungen zu anderen, und aus der Erkenntnis, daЯ die Rolle der Familie und der Gemeinschaft fьr das soziale Wohlergehen entscheidend sind, ergeben. Ein derartiger intellektueller Durchbruch - streng altruistisch statt ichbezogen - wird in starkem MaЯe die geistige und wissenschaftliche Sensibilitдt der Menschheit herbeiziehen mьssen, wobei jahrtausendelange Erfahrungen die Frauen darauf vorbereitet haben, fьr dieses gemeinsame Vorhaben einen maЯgeblichen Beitrag zu leisten.
VIWenn man eine derart weitreichende Umgestaltung der Gesellschaft ins Auge faЯt, muЯ man einerseits fragen, welche Macht zu ihrer Verwirklichung herangezogen werden kann, andererseits - damit unauflцsbar verbunden - welche Autoritдt eine solche Macht ausьben kann. Wie bei allen anderen Implikationen der sich beschleunigenden Integration des Planeten und seiner Menschen, bedьrfen diese beiden vertrauten Begriffe dringend einer Neudefinition.
Macht wurde im gesamten Verlauf der Geschichte - auch wenn aus theologischen oder ideologischen Grьnden das Gegenteil behauptet wurde - zumeist als ein Privileg einzelner Personen oder Gruppen gesehen. Oft verstand man unter Macht einfach die gegen andere zu Gebote stehenden Mittel. Diese Interpretation von Macht wurde ein charakteristisches Merkmal der Konflikt- und Streitkultur, die das Menschengeschlecht in den letzten Jahrtausenden geprдgt hat, unabhдngig von den sozialen, religiцsen oder politischen Richtungen, die zur jeweiligen Zeit und im jeweiligen Teil der Welt gerade herrschten. Generell war Macht ein Attribut von einzelnen, von Fraktionen, Vцlkern, Klassen und Nationen. Es war ein Attribut, das im besonderen mit Mдnnern und nicht mit Frauen in Verbindung gebracht wurde. Der wichtigste Effekt der Macht war, daЯ sie ihren NutznieЯern die Mцglichkeit gab, zu erwerben, zu ьbertreffen, zu beherrschen, zu widerstehen und zu gewinnen.
Die sich daraus ergebenden historischen Prozesse waren fьr vernichtende Rьckschlдge im menschlichen Wohlergehen, aber auch fьr ungewцhnliche Fortschritte in der Kultur verantwortlich. Die Vorteile zu wьrdigen gebietet auch, die Rьckschlдge zu beachten und dazu die deutlichen Einschrдnkungen der Verhaltensmuster, die beides hervorgebracht haben. Gewohnheiten und Einstellungen im Hinblick auf den Gebrauch von Macht, die sich in den langen Zeiten der Kindheit und Jugend der Menschheit herausbildeten, haben die дuЯersten Grenzen ihrer Wirksamkeit erreicht. Heute, in einem Zeitalter, dessen drдngende Probleme vorwiegend globaler Art sind, ist ein Beharren auf der Vorstellung, daЯ Macht fьr gewisse Teile der menschlichen Familie Vorteile bedeutet, schon in der Theorie ein groЯer Irrtum und fьr die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Erde von keinerlei praktischem Nutzen. Wer noch an ihr weiterhin festhдlt, - und wer in frьheren Zeiten noch davon ьberzeugt sein konnte - muЯ feststellen, daЯ sich seine Plдne in unerklдrlichen Frustrationen und Behinderungen verstricken. In ihrer traditionellen, kompetitiven Form ist Macht fьr die Bedьrfnisse der Zukunft der Menschheit ebenso unbrauchbar, wie die Technologie des Schienenantriebs fьr die Aufgabe, einen Weltraumsatelliten in eine Erdumlaufbahn zu schieЯen.
Die Analogie paЯt in mehrerer Hinsicht. Durch die Erfordernisse des eigenen Reifeprozesses wird das Menschengeschlecht dazu gedrдngt, sich von dem ererbten Verstдndnis und Gebrauch der Macht zu befreien. DaЯ die Menschheit dazu in der Lage ist, zeigt die Tatsache, daЯ sie - ungeachtet der Dominanz des traditionellen Machtkonzeptes - immer in der Lage war, sich andere Formen der Macht vorzustellen, auf die sie ihre Hoffnungen richtete. Die Geschichte liefert uns zahlreiche Beweise, daЯ Menschen aus allen Bereichen und zu allen Zeiten, wenn auch noch so vorьbergehend und ungeschickt, eine breite Skala kreativer Mцglichkeiten in sich selbst dafьr nutzbar machten. Das einleuchtendste Beispiel ist vielleicht die Macht der Wahrheit, eine Wandlungskraft, die eng mit einigen der bedeutendsten Fortschritte bei den philosophischen, religiцsen, kьnstlerischen und wissenschaftlichen Erfahrungen der Menschheit verbunden ist. Charakterstдrke ist eine weitere EinfluЯgrцЯe, um starken Widerhall bei Menschen zu bewirken. Hierzu gehцrt auch der EinfluЯ von Vorbildern, ob nun auf das Leben eines einzelnen oder auf menschliche Gemeinschaften bezogen. Fast vцllig unbeachtet blieb die GrцЯe der Kraft, die durch die Errichtung von Einheit freigesetzt werden wird; ihr EinfluЯ ist nach den Worten Bahá'u'lláhs "so machtvoll..., daЯ (sie) die ganze Erde erleuchten kann."
Die Institutionen der Gesellschaft werden die Fдhigkeiten, die im BewuЯtsein der Vцlker der Welt verborgen liegen, in dem MaЯe erfolgreich ans Licht bringen und ihnen eine Richtung geben, wie die Ausьbung der Autoritдt von Prinzipien beherrscht wird, die den aufkommenden Interessen des rasch zur Reife gelangenden Menschengeschlechtes entsprechen. Zu diesen Prinzipien gehцren unter anderem die Verpflichtung der Autoritдtstrдger, das Vertrauen, die Achtung und die echte Unterstьtzung jener zu gewinnen, deren Tun sie zu lenken bestrebt sind, mit allen, deren Interessen durch die zu treffenden Entscheidungen berьhrt werden, offen und so umfassend wie mцglich zu beraten, die echten Bedьrfnisse und Bestrebungen der Gemeinschaft, der sie dienen, objektiv zu beurteilen und schlieЯlich aus wissenschaftlichen und sittlichen Fortschritten Nutzen zu ziehen, um die Ressourcen der Gemeinschaft - einschlieЯlich individueller Energien - angemessen zu nutzen. Kein Grundsatz zur Wahrung der Autoritдt ist so wichtig, daЯ er Vorrang hдtte vor der Schaffung und Wahrung der Einheit unter den Mitgliedern der Gesellschaft und den Mitgliedern ihrer Verwaltungseinrichtungen. Auf die eng damit verknьpfte Frage der Verpflichtung zur Gerechtigkeit in allen Angelegenheiten wurde bereits eingegangen.
Selbstverstдndlich kцnnen solche Prinzipien nur in einer Kultur wirken, die in Geist und Methode entschieden demokratisch ist. Damit soll nicht etwa die Ideologie der Parteilichkeit gutgeheiЯen werden, die dreist vorgibt, demokratisch zu sein, und die trotz beeindruckender Beitrдge zum Fortschritt der Menschen in der Vergangenheit sich heute durch Zynismus, Apathie und Korruption, die sie alle begьnstigt hat, in Schwierigkeiten bringt. Wenn die Gesellschaft jene auswдhlt, die in ihrem Namen kollektive Entscheidungen treffen sollen, so ist sie nicht auf das politische Theater von Nominierungen, Kandidaturen, Wahlkampagnen und Werbung angewiesen und damit auch nicht gut beraten. Alle Menschen sind dazu in der Lage - in dem MaЯe, wie sie zunehmend bessere Erziehung und Bildung genieЯen und davon ьberzeugt werden, daЯ ihren Entwicklungsinteressen durch die vorgeschlagenen Programme gedient wird -, Wahlverfahren einzufьhren, die nach und nach die Wahl in ihre Entscheidungsorgane verbessern werden.
Wenn jetzt die Integration der Menschheit an Schwung gewinnt, werden die gewдhlten Vertreter in zunehmendem MaЯe alle ihre Bemьhungen unter globaler Perspektive betrachten mьssen. Nicht nur auf der nationalen, sondern auch auf der цrtlichen Ebene sollten sich die gewдhlten Volksvertreter - laut Bahá'u'lláh - dem Wohl der ganzen Menschheit verantwortlich fьhlen.
VIIDie Aufgabe, eine globale Entwicklungsstrategie zu schaffen, die das Erwachsenwerden der Menschheit beschleunigen wird, ist eine Herausforderung zur grundlegenden Neugestaltung aller gesellschaftlichen Institutionen. Die Protagonisten, an die sich diese Herausforderung richtet, sind alle Bewohner der Erde: Die Gesamtheit der Menschheit, Mitglieder der Regierungskцrperschaften auf allen Ebenen, Personen im Dienst von Einrichtungen zur internationalen Koordination, Natur- und Sozialwissenschaftler, alle kьnstlerisch Begabten, solche mit Zugang zu den Massenmedien und Fьhrungspersonen von Nicht-Regierungs-Organisationen. Die geforderte Antwort muЯ sich auf eine unbedingte Anerkennung der Einheit der Menschheit und ein verpflichtendes Engagement zur Durchsetzung von Gerechtigkeit als Gestaltungsprinzip der Gesellschaft grьnden. Mit Entschlossenheit sind die Mцglichkeiten uneingeschrдnkt zu nutzen, die ein systematischer Dialog zwischen dem wissenschaftlichen und religiцsen Genuis des Menschengeschlechts zur Entfaltung seiner Fдhigkeiten beitragen kann. Ein derartiges Unternehmen verlangt ein radikales Umdenken in den meisten Vorstellungen und Annahmen, die gegenwдrtig das soziale und wirtschaftliche Leben bestimmen. Dazu gehцrt auch die Ьberzeugung, daЯ die menschlichen Belange tatsдchlich in einer Weise geregelt werden kцnnen, die den wahren Bedьrfnissen der Menschheit dienen - wie lange dieser ProzeЯ auch dauern und wieviele Rьckschlдge es auch geben mag.
Nur wenn die Kindheit der Menschheit insgesamt wirklich beendet ist und ihr Erwachsensein anbricht, sind derartige Perspektiven mehr als nur ein weiteres utopisches Scheingebilde. Sich vorzustellen, daЯ eine Anstrengung von der hier ins Auge gefaЯten GrцЯenordnung von verzweifelten und widerstreitenden Vцlkern und Nationen bewдltigt werden kцnnte, widerspricht aller bisheriger Erfahrung. Erst wenn die gesellschaftliche Evolution an einem jener entscheidenden Wendepunkte angelangt ist, an dem alle Erscheinungsformen des Seins plцtzlich unweigerlich auf neue Stufen ihrer Entwicklung gehoben werden, kann man sich eine solche Mцglichkeit vorstellen. Bahá'u'lláh versichert uns, daЯ dies heute der Fall ist. Die tiefe Ьberzeugung, daЯ der ProzeЯ einer solch bedeutenden Umgestaltung sich im menschlichen BewuЯtsein bereits vollzieht, hat zu den in diesem Dokument vorgetragenen Ansichten angeregt. Fьr alle, die darin vertraute Stimmen ihres eigenen Herzens wiedererkennen, vermitteln die Worte Bahá'u'lláhs die GewiЯheit, daЯ Gott an diesem unvergleichlichen Tag die Menschheit mit den geistigen Mцglichkeiten ausgestattet hat, dieser Herausforderung in vollem Umfang gewachsen zu sein:
»O ihr, die ihr die Himmel und die Erde bewohnt! Erschienen ist, was nie zuvor erschien.«
»Dies ist der Tag, da Gottes erhabenste Segnungen den Menschen zugestrцmt sind, der Tag, da alles Erschaffene mit Seiner mдchtigsten Gnade erfьllt wurde.«
Der Aufruhr, der jetzt die Angelegenheiten der Menschen erschьttert, ist beispiellos und viele seiner Auswirkungen sind дuЯerst zerstцrerisch. Gefahren, die in der bisherigen Geschichte unvorstellbar waren, ballen sich um eine verwirrte Menschheit zusammen. Der grцЯte Fehler, den die Fьhrer der Welt in diesem kritischen Augenblick begehen kцnnten, wдre zuzulassen, daЯ die Krise Zweifel am endgьltigen Ausgang dieses sich jetzt abspielenden Prozesses aufkommen lдЯt. Eine Welt vergeht, und eine neue ringt um ihre Geburt. Die Gewohnheiten, Einstellungen und Institutionen, die sich ьber Jahrhunderte hinweg gebildet haben, werden jetzt Prьfungen unterzogen, die fьr die Entwicklung der Menschheit ebenso notwendig wie unausweichlich sind. Die Vцlker der Welt brauchen jetzt das richtige MaЯ an Glauben und Entschlossenheit, um die ungeheueren Energien auszuschцpfen, mit denen der Schцpfer aller Dinge diese geistige Frьhlingszeit des Menschengeschlechtes ausgestattet hat. »Seid einig in der Beratung,« lautet Bahá'u'lláhs Aufruf,
»seid eins im Denken. LaЯt jeden Morgen besser sein als den Abend davor und jeden neuen Tag reicher werden als den gestrigen. Des Menschen Vorzug liegt im Dienst und in der Tugend, nicht im Prunk des Wohllebens und des Reichtums. Habt acht, daЯ eure Worte rein sind von eitlem Wahn und weltlichen Lьsten und eure Taten von List und Argwohn. Vergeudet nicht den Reichtum eures kostbaren Lebens im Verfolg bцser, verderbter Neigung, noch laЯt eure Mьhe vцllig in der Fцrderung eurer eigenen Interessen aufgehen. Seid groЯzьgig in Tagen der Fьlle und geduldig in der Stunde des Verlustes. Auf Not kommt Erfolg, und Jubel folgt dem Wehe. Nehmt euch in acht vor Faulheit und MьЯiggang, haltet euch an das, was der Menschheit, ob jung oder alt, hoch oder niedrig, Nutzen bringt. Hьtet euch, das Unkraut des Zwistes unter die Menschen zu sдen oder die Dornen des Zweifels in reine, strahlende Herzen zu pflanzen.«
1UNIVERSALES HAUS DER GERECHTIGKEIT DAS WOHLERGEHEN DER MENSCHHEIT
UNIVERSALES HAUS DER GERECHTIGKEIT DAS WOHLERGEHEN DER MENSCHHEIT