die zeitweilige Krise, mit der die unterschiedlichen Fonds des Glaubens in allen Kontinenten der Welt konfrontiert waren, weist auf die Größe der erzieherischen Aufgaben hin, die vor den Beratern, Hilfsamtsmitgliedern und deren Assistenten liegen. Die ökonomischen Umwälzungen einer fehlerhaften Ordnung und die Wirkung einer ungerechten Welt auf die Mehrheit ihrer Bewohner sind Faktoren, die zur Knappheit der Fonds im Vergleich zu den Notwendigkeiten einer stetig wachsenden Sache beitragen. Trotz dieser Bedingungen können die Freunde, die ihre Fähigkeit bewiesen haben, große Opfer für den Glauben zu bringen, erzogen werden, die Bedeutung des Spendens für den Fonds in einem anderen Licht zu sehen und ihre Institutionen mit den materiellen Mitteln auszustatten, die zur Erfüllung ihrer heiligen Pflichten nötig sind. Wie der Hüter uns oft erinnerte, zeigen Spenden "einen praktischen und effektiven Weg, durch den jeder Gläubige Ausmaß und Charakter seines Glaubens prüfen und die Intensität seiner Ergebenheit und Zuwendung zum Glauben in Taten beweisen kann."
Eine wesentliche Erhöhung der Beiträge zum Fonds ist derart unerläßlich für den Erfolg der Anstrengungen der Bahá'í-Gemeinde in den kommenden Jahren, daß wir in Reaktion auf den ausdrücklichen Wunsch des Universalen Hauses der Gerechtigkeit und seinem Brief vom 17. September 1992 an alle Berateramtsmitglieder nachkommend, eine besondere Folge von Mitteilungen an Sie über dieses Thema eröffnen. In diesem Brief teilen wir mit Ihnen einige Gedanken zum Thema Freigebigkeit und Verantwortung - die ersten einer Reihe von Ideen, die Sie bitte mit Ihren Hilfsamtsmitgliedern diskutieren möchten.
Wir hoffen, daß ihre Beratungen eine neue Richtung dafür aufzeigen werden, was zu einer kraftvollen, fortgesetzten und konsequenten Anstrengung unserer Institution zur Erziehung der Freunde, nicht nur im Fonds, sondern, genereller, in der Beziehung zwischen der Ausweitung materieller Mittel und geistiger Fortschritte, führen wird.
Es besteht kein Zweifel, daß die von Bahá'u'lláh vorhergesehene Zivilisation eine blühende Gesellschaft, frei von der Geißel der Ungerechtigkeit und des Elends aufzubauen, müssen wir freigebig und großzügig sein und die Verhaltensmuster der Häufung und Verwendung materieller Mittel zur Befriedigung eigener Bedürfnisse und Wünsche überwinden. Großzügigkeit ist eine Eigenschaft der menschlichen Seele und unabhängig vom Grade des Reichtums oder der Armut. Eine großzügige Seele gibt stetig für den Dienst an Anderen - sei es durch Zeit, Energie oder materielle Hilfsmittel.
Unerläßlich für diese Haltung des Gebens ist die Wertschätzung der Tatsache, daß Gottes Gnade und Seine Freigebigkeit die höchste Quelle des Reichtums sind. Er stellt die Mittel für die Existenz und den Fortschritt von uns allen bereit und schenkt uns dann aus Seiner Gnade das Vorrecht, zu Seiner Sache beizutragen - das einzig wirksame Mittel, das das Wohlergehen der Menschheit herbeiführen kann. Zum Fonds beizutragen ist daher nicht nur eine Sache der Großzügigkeit, sondern auch eine geistige Gnade und bedeutende Verantwortung.
Im Zusammenhang mit den oben geäußerten Gedanken möchten wir mit Ihnen die folgenden Zitate aus Botschaften des geliebten Hüters teilen.
"Jeder Bahá'í, ganz gleich wie arm er auch sein mag, muß sich der hohen Verantwortung, die er in dieser Beziehung trägt, bewußt sein und sollte Vertrauen haben, daß sein geistiger Fortschritt als ein an die Weltordnung Bahá'u'lláhs Glaubender stark davon abhängen wird, in welchem Maße er durch Taten seine Bereitschaft beweist, die göttlichen Institutionen Seines Glaubens materiell zu unterstützen."
Aus einem Brief vom 17. Juli 1937, im Auftrage Shoghi Effendis
an den Nationalen Geistigen Rat von Indien und Burma geschrieben;
veröffentlicht in "The Dawn of a New Day",S.68"... unsere Beiträge zum Glauben sind der sicherste Weg, die Menschheit ein für allemal von der Bürde des Hungers und des Elends zu befreien, denn nur über die Ordnung Bahá'u'lláhs - göttlich in ihrem Ursprung - wird es geschehen, daß die Menschen festen Boden finden und Not, Angst, Hunger, Krieg usw. beseitigt werden können. Nicht-Bahá'í können zu unserem Werk nicht beitragen, und es nicht für uns tun; so ist wahrhaft unsere erste Pflicht die Unterstützung unserer eigenen Lehrarbeit, denn diese wird die Nationen zur Heilung führen."
Aus einem Brief vom 8. Dezember 1947,im Auftrage Shoghi Effendis an einen einzelnen Gläubigen;
veröffentlicht in "Bahá'í-News", r. 210, August 1948, S. 3
"Er hofft, daß die Freunde ein bestimmtes Maß an Vertrauen und Mut zeigen werden und die gegenwärtigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht fürchten. Wir sollten nicht zulassen, daß uns finanzielle Überlegungen an unserer Arbeit hindern und uns entmutigen, unsere Dienste zu erweisen. In Tagen des Überflusses reichlich zu geben, kann nicht Opfer genannt werden; es bezieht sich vielmehr auf unsere Aktivitäten in Zeiten, wenn Krisen und ökonomische Schwierigkeiten uns scheinbar den Weg versperren. ... Was immer wir heute opfern, dient der Sicherung der Wohlfahrt der Menschheit und unserer eigenen - als ihre Mitglieder in der Zukunft."
Aus einem Brief im Auftrage Shoghi Effendis,veröffentlicht in "Bahá'í-News", Nr. 59, Febr. 1932, S. 7
"Wir müssen wie der Springquell oder Brunnen sein, der stetig alles gibt, was er hat, und der stetig wieder gespeist wird aus einer unsichtbaren Quelle. Unbeirrt von der Angst vor Armut und im Vertrauen auf die unerschöpfliche Gnade der Quelle allen Wohlstands und alles Guten, immer wieder für das Wohl unserer Mitmenschen zu geben, ist das Geheimnis rechten Lebens."
Shoghi Effendi, zitiert in "Bahá'í-News", Nr. 13, September 1926, S. 1
Freigebigkeit und Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Geben sind grundlegende Fragen, die im Erziehungsprozeß, den die Hilfsamtsmitglieder und deren Assistenten nachdrücklich vorantreiben müssen, anzusprechen sind. Wir sind zuversichtlich, daß bei der Förderung dieses Prozesses bald meßbare Ergebnisse wahrgenommen werden können.
Mit liebevollen Bahá'í-GrüßenBrief des Internationalen Lehrzentrums vom 5. Oktober 1992 Seite 2 von 2