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1985 Apr 16 Gleichwertigkeit von Mann und Frau
1985 Feb 21 Die Rolle der Jugend beim Fördern und beim Schutz der Menschenrechte
1985 Jun 10 Hunger – Ein globales Problem
1985 Oct 01 Die Verheißung des Weltfriedens
1986 Apr 22 Entwicklung und Weltfrieden
1986 Feb 14 Verhütung und Bekämpfung von Drogen- und Suchtstoffmissbrauch — aus der Bahá’í-Sicht
1986 Jul 07 Erziehung zu internationaler Verständigung und Frieden
1986 May 26 International Year of Peace
1986 Nov 03 Wirtschaftliche Entwicklung
1987 Jan 07 Die Familie – aus der Bahá’í-Sicht
1988 May 21 Gesundheit, Erziehung und die Rolle der Frauen
1991 Apr 05 ERDCHARTA
1991 Aug 13 Internationale Gesetzgebung für Umwelt und Entwicklung
1993 Jun 14 Weltbürger-Ethos
1993 Jun 15 Weltbürger-Ethos
1993 Nov 25 Die Familie in der Weltgemeinschaft
1994 Aug 22 Internationale Bahá’í-Gemeinde Beitrag zu einem Entwicklungsparadigma für das 21. Jahrhundert
1994 Aug 23 Die Rolle der Erziehung, der Medien und der Kunst in der Sozialentwicklung
1994 Aug 24 Die Rolle der Religion bei der Sozialentwicklung
1995 Mar 03 Entwicklungsperspektiven für die Menschheit
1995 Oct 01 Wendezeit für die Nationen
1996 Mar 15 Dekade für Menschenrechtserziehung der Vereinten Nationen
2000 Aug 29 Die Kraft aller Religionen für die Ziele der Vereinten Nationen bündeln
2000 Sep 08 Der Beitrag der globalen Zivilgesellschaft zur Stärkung der Vereinten Nationen und Reform der Weltgesellschaft
2001 May 28 Korruption überwinden und Integrität in öffentlichen Institutionen schützen - Eine Bahá'í-Perspektive
2001 Nov 23 Der menschliche Geist muss frei sein für die Suche nach Wahrheit
2002 Aug 26 Religion und Entwicklung am Scheideweg - Konvergenz oder Divergenz$%
2005 Oct 01 Freiheit im Glauben
2005 Oct 02 Auf der Suche nach Werten in Zeiten des Übergangs
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2008 Feb 06 Stellungnahme der Internationalen Bahá’í-Gemeinde zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
2008 Feb 14 Armutsbekämpfung - einig voran schreiten
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BIC : 2001 May 28 Korruption überwinden und Integrität in öffentlichen Institutionen schützen - Eine Bahá'í-Perspektive

Da die Menschheit einem Jahrhundert des Aufbruchs und erstaunlicher Veränderungen entwächst, wird ihr Bedarf an moralischer und geistiger Erneuerung immer offensichtlicher. Die Tatsache, dass das 20. Jahrhundert ein Jahrhundert der Dunkelheit wie auch des Lichtes war, das sowohl die Neigung zu menschlicher Verderbtheit wie auch zu menschlichen Errungenschaften aufdeckte, bildet die Grundlage für die Verwirrung, die unser heutiges Zeitalter durchdringt. Eine wachsende moralische Desorientierung bedroht die sozialen Institutionen und die grundlegenden Bindungen, welche die zwischenmenschlichen Beziehungen prägen. Der wachsende Materialismus, der sich an die Stelle eines transzendentalen Lebensverständnisses gesetzt hat, ist Bahá'í-Sicht verantwortlich für die Skepsis, Entfremdung und Gesetzlosigkeit, die das heutige Dasein charakterisieren.

Vor mehr als einem Jahrhundert warnte Bahá'u'lláh, der Stifter des Bahá'í-Glaubens, vor der unvermeidlichen geistigen und moralischen Austrocknung, die durch die Abwertung der Religion entstehen würde. In Wahrheit"", so schrieb Er, ist die Religion ein strahlendes Licht und eine unerschütterliche Festung für den Schutz und die Wohlfahrt der Völker der Welt... Würde die Lampe der Religion verdunkelt werden, so wären Chaos und Verwirrung die Folge und die Lichter der Redlichkeit und Gerechtigkeit, der Ruhe und des Friedens würden nicht länger scheinen[i].""

Soziale Fortschritte entstehen, wie wir wissen, durch Ideale und allgemeine Überzeugungen, die eine Gesellschaft zusammenschmieden. Bedeutende soziale Umwälzungen entspringen sowohl der Entwicklung von Qualitäten und Einstellungen, die konstruktive Muster menschlicher Interaktion fördern, wie auch dem Erwerb technischer Möglichkeiten. Wahrer Wohlstand - ein Wohlergehen, das auf Frieden, Zusammenarbeit, Selbstlosigkeit, Würde, rechtschaffenes Verhalten und Gerechtigkeit gegründet ist, - strömt aus dem Licht des geistigen Bewusstseins und der Tugend wie auch aus den materiellen Errungenschaften und Fortschritten.

Es ist eine Herausforderung, die zentralen Grundsätze der Religion von den verzerrten Darstellungen, die fälschlicherweise in ihrem Namen geäußert werden, zu unterscheiden. Bislang war die Religion eine unentbehrliche Quelle des Wissens und der Motivation - ein Springquell von Werten, Einsichten und Energie, ohne die ein sozialer Zusammenhalt und kollektive Handlungen schwierig, wenn nicht sogar unmöglich waren. Durch die religiösen Lehren und deren moralische Anleitungen haben große Teile der Menschheit gelernt, ihre niederen Neigungen zu beherrschen und Eigenschaften zu entwickeln, die soziale Ordnung und kulturellen Aufstieg fördern. Solche Qualitäten wie Vertrauenswürdigkeit, Mitgefühl, Nachsicht, Treue, Großzügigkeit, Demut, Mut und die Bereitschaft, für das Gemeinwohl Opfer zu bringen, sind zu Bestandteilen der zwar unsichtbaren aber doch wesentlichen Grundlagen für ein fortschrittliches Gemeinschaftsleben geworden. Religion symbolisiert die Ziegelsteine und den Mörtel der Gesellschaft, die ethischen Richtlinien und Visionen, welche die Menschen zu Gemeinschaften zusammenführen und der Existenz des Einzelnen wie auch der Gesellschaft eine erkennbare Richtung und Bedeutung verleihen.

Fraglos hängt die Entwicklung der Fähigkeiten, die zur Bildung einer sozialen, wirtschaftlichen und moralischen Gesellschaft notwendig sind, von den Ressourcen des Verstandes und des Geistes ab. Zivilisierende Tugenden wie Ehrlichkeit, Pflichtgefühl und Loyalität, die für den menschlichen Fortschritt so wesentlich sind, werden durch die Sprache des Herzens und die Stimme des Gewissens kultiviert. Rechtliche Vorschriften und Strafen sind, obwohl wichtig, in ihrer Wirksamkeit begrenzt. Sich der geistigen Wurzeln zu bedienen, die den Kern menschlicher Identität und Absicht bilden, heißt denjenigen Impuls nutzen, der tiefgründige soziale Wandlung sicherstellen kann. Die Bahá'í vertreten den Standpunkt, dass dadurch das Entstehen öffentlicher Institutionen, die Vertrauen schaffen und frei von Korruption sind, eng mit einem Prozess moralischer und geistiger Entwicklung verknüpft wird. Bahá'u'lláh bestätigt: Solange sich der Mensch seinen Trieben und Leidenschaften hingibt, werden Sünde und Verbrechen vorherrschen.""[ii]Die Bahá'í betrachten den gesamten Zivilisationsvorgang als geistigen Prozess, der das schrittweise Erwachen der Moral und der kreativen Fähigkeiten der Menschen beinhaltet. Die Schaffung eines korruptionsfreien"" öffentlichen Klimas hängt demzufolge vom Aufbau moralischer Fähigkeiten beim Einzelnen, in Gemeinschaften und in sozialen Institutionen ab.

Wie können moralische Fähigkeiten aufgebaut werden? Welches sind die praktischen Strategien, die eine Gesellschaft annehmen kann, um innerhalb ihrer Bevölkerungsschichten konstruktiv-soziale Akteure hervorzubringen, die sich für ein Leben des Dienstes und der Tugendhaftigkeit entscheiden? Erziehung und Bildung sind unverzichtbare Werkzeuge. Die Tatsache, dass die Weltgemeinschaft ihrem Wesen nach so vielfältig ist, sollte die Regierungen und internationalen Einrichtungen nicht davon abhalten, der Frage moralischer Entwicklung ernsthafte Aufmerksamkeit zu schenken. Die wachsende Zusammenarbeit zwischen religiösen Gemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen und öffentlichen Einrichtungen hinsichtlich wichtiger sozialer Herausforderungen beweist, dass wirksames Handeln möglich ist.

Die Bahá'í-Gemeinschaft hat auf dem Gebiet der ethischen Führungsstile und der moralischen Erziehung bereits eine Vielzahl von Initiativen ergriffen, obwohl diese ihrem Umfang nach noch recht bescheiden sind. Diese Programme nehmen sowohl wissenschaftliche wie auch religiöse Ressourcen zur Hilfe, um dadurch die Konzepte, Werte, Einstellungen und Fähigkeiten, die für die Schaffung eines von Rechtschaffenheit und Integrität geprägten Ethos notwendig sind, zu kultivieren. Die Erarbeitung von pädagogischen Ansätzen und Methoden zur systematischen Förderung moralischer Entwicklung gehört zu den zentralen Bemühungen der Bahá'í.

Die Núr Universität, die zweitgrößte private Einrichtung höherer Bildung in Bolivien, verbindet akademisches Wissen sowohl mit praktischen Erfahrungen wie auch mit ethischer Erziehung, wobei besonderes Gewicht auf Dienste an der Gemeinschaft, soziale Gerechtigkeit und Achtung menschlicher Vielfalt gelegt wird. Núr wurde zum Großteil mit dem Ziel gegründet, Führungskräfte heranzubilden, die das Zusammenwirken von individueller und sozialer Transformation begreifen. Ihre Ausbildungsphilosophie basiert auf den Konzepten und Prinzipien der Bahá'í-Lehren. DasMoral LeadershipProgramm der Núr Universität lehrt die Teilnehmer, dass es ihre Pflicht ist, nach moralischen Grundsätzen zu suchen, diese anzunehmen und sie im Leben umzusetzen.Leadershipversteht sich hier als eine Verantwortung, die von allen Mitgliedern der Gesellschaft ausgeübt wird und die Entwicklung besonderer moralischer Fähigkeiten erfordert. Grundlage für diese Fähigkeiten ist das verbindliche Bemühen darum, auf allen Gebieten menschlichen Handelns nach Wahrhaftigkeit zu streben und diese anzuwenden. Dieses Programm hat bereits etwa 400 ländliche Gemeinden in Bolivien und mehr als ein Dutzend lateinamerikanischer Staaten erreicht.

Mit demJust Governance Programbietet die Núr Universität eine Ausbildung für Angestellte im öffentlichen Dienst und der Regierung sowie für Mitglieder von Organisationen auf Gemeindeebene an. Dieses Programm versucht, eine gute Regierungsform zu fördern, indem die verschiedenen Dimensionen eines moralischen Führungsstils untersucht, die administrativen und entscheidungstragenden Fähigkeiten im öffentlichen Bereich gestärkt, und der Dialog über die zukünftige Entwicklung der bolivianischen Gesellschaft unterstützt wird. Viele regionale Regierungsstellen und lokale Behörden haben an dem Programm teilgenommen. Eine angeschlossene Initiative erfasst etwa 5000 Schüler aus staatlichen Gymnasien, die im Sinne von JugendLeadershipgefördert werden. Das Programm arbeitet daran, den Anteil Jugendlicher an Straftaten, Gewalt, Alkohol- und Drogenkonsum zu begrenzen, indem es die jungen Leute für aktiven Gemeindedienst vorbereitet. Die Núr Universität arbeitet ebenfalls daran, Schullehrer als Gemeindeentwicklungshelfer auszubilden. Um einige Zahlen zu nennen: Bis jetzt haben mehr als 2000 Lehrer aus Bolivien, Argentinien und Ecuador an diesem Programm teilgenommen, das von seinen Teilnehmern sehr positiv aufgenommen wurde. Einer der Studenten schrieb: Das Studium dieses Kurses hat mir vor allem geholfen zu verstehen, wie wichtig es ist, mein Leben nach Prinzipien auszurichten. Jetzt versuche ich den Bedürftigen zu helfen, ohne Anerkennung zu erwarten, denen zu vergeben, die mich beleidigt haben, ohne Groll zu hegen, und mit meinen Mitmenschen das, was ich gelernt habe, zu teilen und dadurch beide Seiten glücklicher zu machen.""

Das Projekt Gerechtigkeit in der Erziehung"", das vomHuman Plenitude Programin Brasilien durchgeführt wird, ist ein weiteres Unterfangen der Bahá'í mit dem Ziel, einen ethischen Führungsstil in der Regierung zu fördern. Das brasilianische Ministerium für Erziehung und Bildung hat in Zusammenarbeit mit der Nationalen Vereinigung der Richter und Staatsanwälte ein Weiterbildungsprogramm genehmigt, das vonHuman PlenitudeMitarbeitern entwickelt wurde und sich an ca. 6000 Juristen richtet, die direkt mit solchen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammenarbeiten, die schon einmal mit der brasilianischen Justiz in Berührung gekommen sind. Die einführende Unterrichtseinheit dieser Ausbildungsinitiative besteht aus Materialien, die Ethik und Werte zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ansprechen.

Unter der Schirmherrschaft des Royaumont Prozesses der Europäischen Union hat die Internationale Bahá'í-Gemeinde eine mehrjährige Initiative zur moralischen Erziehung durchgeführt mit dem Ziel, ethnische Harmonie und sozialen Zusammenhalt in verschiedenen südosteuropäischen Ländern zu fördern. Unter Einbeziehung derHappy Hippo Show, eines einzigartigen, auf Schauspiel basierenden, interaktiven Fernseh- und Radioprogramms, das mit dem Ziel entwickelt wurde, moralische und ethische Themen zu erarbeiten, hat die Internationale Bahá'í-Gemeinde Trainingsseminare für Ausbilder, Medienvertreter, Journalisten und Nichtregierungsorganisationen durchgeführt. Das Programm ist sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei Regierungsvertretern sehr populär geworden, da es Beispiele anbietet, wie man sich den Problemen des Lebens durch die Erarbeitung positiver Lösungen stellen kann.

Ein Hauptthema dieses Projektes ist die Entwicklung konstruktiver Wege, um Konflikte und Vorurteile zwischen Gruppen zu überwinden. Der Erfolg der Trainingsseminare in Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Mazedonien, Kroatien, Ungarn, Rumänien und Slowenien führte zu mehreren Nachfolgeprojekten. Radio- und Fernsehprogramme in Kroatien und Bulgarien, wie auch Lehrpläne in rumänischen Grundschulen nutzen mittlerweile die Methoden dieser Show um darzustellen, dass die Moral für soziale Stabilität und Wohlstand von zentraler Wichtigkeit ist. Kürzlich hat der UN-Administrator und Sondergesandte des Generalsekretärs für den Kosovo den Wunsch geäußert, ein Happy Hippo Show Projekt im Kosovo zu beginnen. Das Happy Hippo Konzept wurde auch für den Einsatz bei Programmen zur Werteerziehung in Finnland, Italien, Russland, Schweden, Moldawien, Norwegen und Malaysia übernommen.

In Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat das Europäische Bahá'í Business Forum, ein freiwilliger Zusammenschluss von Bahá'í aus dem Wirtschaftsleben, vor kurzem ein gemeinsames Arbeitspapier mit dem Titel Umgestaltung in Richtung sozial verantwortlicher Unternehmen""**erarbeitet. Der Bericht diente als Grundlage für verschiedene Trainingseinheiten, die von der ILO organisiert wurden, und wurde an Regierungen, Angestelltenvereinigungen und Arbeiterorganisationen auf der ganzen Welt verteilt. Das Europäische Bahá'í Business Forum hat außerdem eine Reihe von Seminaren zu Wirtschaftsethik in Osteuropa durchgeführt und eine Ausbildungspartnerschaft mit AIESEC, einer der größten Organisationen von Wirtschaftsstudenten weltweit, gebildet.

Als praktischen Beitrag zu einem Dialog über Entwicklung und sozialen Wandel, der ausdrücklich spirituelle Werte und Perspektiven in Betracht zieht, haben sich kürzlich etwa 100 einflussreiche Entwicklungsorganisationen, internationale Vertreter und Regierungsstellen, religiöse Repräsentanten und Akademiker in Neu Delhi getroffen, um an einem Kolloquium zum Thema Wissenschaft, Religion und Entwicklung teilzunehmen. Das Hauptanliegen dieser Veranstaltung war es herauszufinden, wie eine harmonische Interaktion zwischen wissenschaftlichen Methoden und religiösen Einsichten die Heranbildung menschlicher Fähigkeiten, insbesondere in Bereichen der Regierung, Ausbildung, Technologie und Wirtschaft fördern kann. Die Veranstaltung wurde von der indischen Bahá'í-Gemeinde und dem Institute for Studies in Global Prosperity, einer Forschungsabteilung der Internationalen Bahá'í-Gemeinde, organisiert. Auf globaler Ebene sind die Bahá'í zudem in dem sehr konstruktiven "Entwicklungsdialog der Weltreligionen" zwischen der Weltbank und den großen Religionen involviert.

Obwohl die Bahá'í-Gemeinde sich strikt aus der Parteipolitik heraushält, versucht sie doch zum öffentlichen Diskurs über die ihrer Meinung nach grundsätzlichen Fragen beizutragen. In den letzten Jahren hat z.B. die-Bahá'í Gemeinde durch ihre 180 gewählten nationalen Verwaltungsgremien versucht, weltweit die Regierungen dazu zu ermutigen, umfangreiche Programme zur Menschenrechtserziehung durchzuführen. In einigen Fällen haben die Nationalen Bahá'í-Räte konkrete Empfehlungen zur Einführung von Menschenrechts-Lehrplänen in Schulen abgegeben, in anderen haben sie versucht, das Bewusstsein der Regierungsvertreter dafür zu schärfen, dass Menschenrechtserziehung für die Förderung einer Kultur der Gerechtigkeit in ihrer Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist. Sobald eine derartige Kultur im Entstehen ist, können praktische Themen wie z.B. die Verwaltungsschulung und die Durchsetzung des Rechts, die gerechte Verteilung der Gemeinschaftsgüter und die Aufwertung von Personen und Gruppen, die bislang von den Wohltaten und Chancen der Gesellschaft ausgeschlossen waren, gezielt angegangen werden.

Letztlich glauben die Bahá'í, dass die Entstehung einer friedlichen und gerechten sozialen Ordnung, die durch moralische Prinzipien beseelt ist, von der grundsätzlichen Neubestimmung aller menschlichen Beziehungen abhängt; nämlich, zwischen Einzelpersonen, zwischen der Gesellschaft und der Natur, zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft und zwischen einzelnen Bürgern und ihren Regierungsinstitutionen. Insbesondere müssen überholte Vorstellungen von Macht und Autorität neu definiert werden. Es wird also eine grundlegende Neukonzeptionierung der sozialen Realität angestrebt, eine Realität, die sowohl im Geist wie auch in der Praxis das Prinzip der Einheit der Menschheit widerspiegelt. Anzuerkennen, dass die Menschheit eine organische Einheit ist"", bedeutet zuzustimmen, dass jeder Mensch als Pfand in diese Welt hineingeboren [wurde].""[iii]

Regieren wird in den Bahá'í-Schriften als ein Ausdruck von Treuhänderschaft verstanden, als Verwaltung eines anvertrauten Gutes. Bahá'u'lláh spricht von den Regierenden und Verwaltern der Gesellschaft als Treuhänder"" oder als Vertraute"" Gottes. Er erinnert die Führer auch, dass die Schwachen und Armen das Pfand Gottes in eurer Mitte sind.""[iv]Das Konzept der Treuhänderschaft deutet in gewisser Weise an, dass ein Bund besteht zwischen denjenigen, die Autorität inne haben und jenen, die Mitglieder eines sozialen Gemeinwesens sind, zu deren Schutz und Dienstleistung erstere verpflichtet sind. Folglich ist Vertrauenswürdigkeit ein unerlässliches Merkmal des Regierens; sie ist die Quelle der wahren Verantwortlichkeit. Bahá'u'lláh beschreibt die Vertrauenswürdigkeit als das weite, breite Tor zur Ruhe und Sicherheit des Volkes,"" und als das erhabenste Werkzeug für die Wohlfahrt der Welt""[v]. Alle Bereiche der Macht, Größe und Wohlfahrt"", so betont Er, leuchten in ihrem Licht.""[vi]

Während Regieren oft mit Regierung gleichgesetzt wird, beinhaltet es tatsächlich doch viel mehr. Regieren findet auf allen Ebenen statt und umfasst die Art und Weise wie offizielle Regierungen, Nichtregierungs-Gruppen, kommunale Organisationen und der private Sektor ihre Ressourcen und Angelegenheiten verwalten. Es sind vor allem drei Faktoren, welche die Effektivität eines jeden Regierungssystems bestimmen: die Qualität der Führung, die Charaktereigenschaften der Regierten, und die Art der Strukturen und Prozesse, die zur Autoritätsausübung und zur Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen eingesetzt werden. In diesem Sinne bietet die Bahá'í-Gemeinde ihr eigenes Verwaltungssystem als Studienmodell an. Die Bahá'í legen großen Wert auf kooperative Entscheidungsfindung und übertragen die organisatorische Verantwortung für ihre Gemeindeangelegenheiten an frei gewählte verwaltende Räte auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Diese Form der Hierarchie überträgt die Entscheidungsfindung auf die niedrigst mögliche Ebene, wodurch ein einzigartiger Weg für die Graswurzelbeteiligung in Regierungsangelegenheiten geschaffen wird, während zugleich ein Maß an Koordination und Autorität entsteht, das weltweite Zusammenarbeit ermöglicht. Ein einzigartiges Merkmal des Bahá'í-Wahlprozesses ist die maximale Wahlfreiheit für die Wählerschaft durch das Verbot von Nominierungen, Kandidaturen und Wahlwerbung. Die Wahl in ein Bahá'í-Verwaltungsgremium gründet sich nicht auf persönlichen Ehrgeiz, sondern vielmehr auf nachgewiesene Befähigung, reife Erfahrung und verbindliche Dienstbereitschaft. Da das Bahá'í-System aufgezwungene Willkür oder Führerschaft eines Einzelnen nicht gestattet, kann es auch nicht als Wegbereiter zur Macht missbraucht werden. Die Entscheidungsgewalt liegt bei körperschaftlichen Gremien. Von allen Mitgliedern der Bahá'í-Gemeinde, unabhängig davon, welche Position sie vorübergehend in der Verwaltungsstruktur innehaben, wird erwartet, dass sie sich selbst in einem Lernprozess eingebunden betrachten, in dem sie sich um das Verstehen und Anwenden der Gesetze und Prinzipien ihres Glaubens bemühen. Bezeichnenderweise fand in vielen Teilen der Welt demokratisches Handeln erstmals innerhalb der Bahá'í-Gemeinde statt.

Die Fähigkeit einer jeden Institution, Veränderungen zu bewirken und zu verarbeiten, wie auch den vor ihr liegenden Herausforderungen kreativ zu begegnen, bringt die Entwicklung einer Anzahl wichtiger Fertigkeiten mit sich. Dazu gehören die folgenden: die Fähigkeit, eine klare Vorstellung der sozialen Realität und der in ihr agierenden Kräfte beizubehalten; die gründliche Bestandsaufnahme der Gemeinderessourcen; die freie und harmonische Beratung innerhalb ihrer selbst wie auch mit ihrem Wahlbezirk; die Erkenntnis, dass jede Entscheidung sowohl eine materielle als auch eine geistige Dimension hat; die Fähigkeit,Entscheidungen in einer Art zu treffen, welche die Einheit der Institution bewahrt und fördert; Vertrauen, Respekt und echte Unterstützung derjenigen zu gewinnen, die von diesen Entscheidungen betroffen sind; die effektive Nutzung der Energien und vielfältigen Talente der Gemeindemitglieder, denen sie dient; die Integration der Vielfalt von Einzel- und Gruppeninitiativen in eine vorwärts gerichtete Entwicklung, die allen nützt; das Aufrechterhalten von Maßstäben der Gerechtigkeit und Fairness; das Umsetzen von Entscheidungen mit einer Offenheit und Flexibilität, die jede Spur diktatorischen Verhaltens vermeidet. Diese Konstellation von Fähigkeiten muss natürlich sowohl intellektuellen als auch moralischen Quellen entspringen.

In den Bahá'í-Schriften werden diejenigen, die im Regierungsdienst stehen, ermahnt, mit völliger Loslösung, Reinheit und unabhängigen Sinnes, mit vollkommener Hingabe und reiner Absicht an ihre Pflichten heran[zu]gehen.""[vii]Sie erfahren persönliche Erfüllung nicht durch materielle Belohnung, sondern durch das Ersinnen neuer Mittel und Wege, wie die Fortentwicklung des Volkes gesichert werden kann"", sowie durch das Erleben der Freude beim Spenden der Gerechtigkeit"" und dem Trinken von den Quellen eines wachen Bewusstseins und einer aufrechten Absicht""[viii]. Am Ende bestehen Glück und Größe, Rang und Stufe, Freude und Frieden"" des Staatsbeamten nicht in seinem persönlichen Reichtum, vielmehr in seinem hervorragenden Charakter, seinem hehren Entschluss, seiner umfassenden Bildung und seiner Fähigkeit, schwierige Probleme zu lösen.""[ix]

Die Herausforderung, Korruption im öffentlichen Leben zu überwinden, ist ihrem Wesen nach vielschichtig. Verwaltungstechnische Vorkehrungen und rechtliche Absicherungen werden, wie wichtig solche Maßnahmen auch sein mögen, weder beim Einzelnen noch bei Institutionen zu bleibenden Verhaltensänderungen führen. Denn Regieren ist im wesentlichen ein moralisches und geistiges Unterfangen, dessen Kompass im menschlichen Herzen zu finden ist. Daher kann nur dann, wenn das innere Leben der Menschen verwandelt wird, die Vision einer wahren Zivilisation des Charakters""[x]zur Realität werden.

* BIC-Dokument01-0528:Overcoming Corruption and Safeguarding Integrity in Public Institutions: A Bahá'í Perspective;Erklärung der Internationalen Bahá'í Gemeinde, abgegeben beim "Global Forum on Fighting Corruption", Den Haag, 28.-31. Mai 2001

1. Bahá’u’lláh,Botschaften aus Akká, Hofheim 1982, 8:53

2. Botschaften, 6:36

2. **Socially Responsible Enterprise Restructuring

3. Bahá'í International Community,Entwicklungsperspektiven für die Menschheit, Hofheim42000, S. 9

4. Bahá’u’lláh,Ährenlese aus den Schriften Bahá’u’lláhs, Hofehim41999, 118:5

5. Botschaften, 4:17 u. 8:44
6. a.a.O., 4:17

7. Vertrauenswürdigkeit, Textzusammenstellung des Universalen Hauses der Gerechtigkeit über eine Kardinaltugend der Bahá'í, Hofheim 1990, S. 59

8. ‘Abdu’l-Bahá,Das Geheimnis göttlicher Kultur, Oberkalbach 1973, S. 27 u. 29

9. a.a.O., S. 30f
10. a.a.O., S. 61

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