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Briefe des UHG : 2001 Nov 5, Gebrauch der Künste
DAS INTERNATIONALE LEHRZENTRUM
BAHÁ'Í WELTZENTRUM
5. November 2001
An alle Kontinentalen Berater
Liebe, geschätzte Mitarbeiter,

in den Schriften unseres Glaubens werden die Künste als machtvolles Instrument beschrieben, das den Geist zum Dienst an der Sache anspornt. ‘Abdu’l-Bahá rühmte die Kunst und bezeugte deren Fähigkeit, die Herzen aus dem Schlaf zu rütteln und zu erbauen. Musik, sagte ‘Abdu’l-Bahá, „hat große Wirkung auf den menschlichen Geist“1 und die Schauspielkunst „ist von größter Bedeutung. Sie war in früheren Zeiten eine starke erzieherische Kraft und wird es wieder sein“2.

‘Abdu’l-Bahá und Shoghi Effendi haben zu vielen Erscheinungsformen der Kunst ermutigt und gleichzeitig für Bahá’í-Künstler einen besonderen Pfad des Dienens gepriesen. ‘Abdu’l-Bahá erklärte: „Jede Kunst ist eine Gabe des Heiligen Geistes... Diese Gaben erfüllen dann ihren höchsten Zweck, wenn sie den Lobpreis Gottes kundtun“.3 In einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief bekräftigt der Hüter diese Gesinnung mit dem folgenden, einem Gläubigen gegebenen Rat:

„...die Freunde, die sich in diesem Bereich für begabt halten, sollten sich ernsthaft bemühen, ihre Begabungen zu erschließen und fortzubilden und durch ihre Werke, wie unzulänglich auch immer, den göttlichen Geist widerzuspiegeln, den Bahá'u'lláh der Welt eingehaucht hat.“4

Vor diesem Hintergrund inspirierender Führung hat das Universale Haus der Gerechtigkeit die Gläubigen zu Beginn des Vierjahresplanes aufgerufen,

„dem Einsatz der Künste stärkere Aufmerksamkeit zu schenken - nicht nur bei der Proklamation, sondern auch bei der Verbreitung und Festigung. Die graphische und die darstellende Kunst sowie die Literatur haben bei der Ausweitung des Einflusses des Glaubens eine wichtige Rolle gespielt und können es auch weiterhin tun. Auf der Ebene der Volkskunst kann dieser Möglichkeit in allen Teilen der Welt, ob in Dörfern, Städten oder Großstädten, nachgegangen werden.“5

Zwei Jahre später gab das Universale Haus der Gerechtigkeit eine von der Forschungsabteilung des Bahá'í-Weltzentrums erstellte Textsammlung heraus mit dem Titel Die Bedeutung der Künste bei der Verbreitung des Glaubens. Sie ist eine reiche Zitatenquelle aus den Schriften und erweitert unsere Vorstellungen vom Einsatz der Künste im Dienst für die Sache.

Die Errungenschaften während der letzten fünf Jahre bei der Unterstützung der Künste weisen hervorragende Leistungen auf allen Kontinenten auf. Der Einsatz der Künste auf dem Feld des Lehrens hat sich vor allem durch die Tanz- und Musikgruppen der Jugend, aber auch durch Chöre, Theatergruppen und Volkskunst vervielfacht. Diese Erlebnisse haben diejenigen, die daran beteiligt waren, und auch viele Freunde in den von ihnen besuchten Gemeinden in ihrem Glauben gefestigt. Die Berater haben in Zusammenarbeit mit den Nationalen Geistigen Räten und mit Hilfe des Kontinentalen Pionierausschusses ganz wesentlich dazu beigetragen, dass viele künstlerische Aktivitäten angeregt und unterstützt wurden.

Die Künste im Fünfjahresplan

Der Fünfjahresplan leitet eine neue Phase ein in unseren Bemühungen, die Künste im Leben des Glaubens zu fördern. Wie bei allen anderen Aspekten zur Ausbreitung und Festigung verlangen die heutigen Bedingungen, dass wir beim Einsatz der Künste systematischer vorgehen. Sie sollten nicht nur als schmückendes Beiwerk für unsere Programme oder als nachträglicher Einfall bei unserer Planung ins Auge gefasst werden. Sie müssen weit eher einen integralen Bestandteil unserer Lehrpläne und unseres Gemeindelebens bilden. Die Künste haben beim Prozess des Beitritts in Scharen eine wichtige Rolle zu spielen.

Studienkreise bieten den Freunden ein ganz natürliches Forum, um ihre künstlerischen Fähigkeiten und Empfindungen zum Ausdruck zu bringen. Zu diesem kritischen Zeitpunkt, da die Künste auf systematischere Weise gefördert und mehr auf die Basis der Gesellschaft ausgerichtet werden sollen, haben wir das Glück, zu dieser Frage das im Buch 7 des Ruhi-Kurses angebotene Material zur Verfügung zu haben. In diesem Buch wird im Kapitel „Die Kunst an der Basis der Gesellschaft fördern“ erklärt, dass der Sinn für Schönheit eine der Geisteskräfte ist, die uns zu höheren Seinssphären emporheben können. Um diese Anziehungskraft erstarken zu lassen, ist für die Freunde die Begegnung mit ganz verschiedenen Kunstformen vorteilhaft. Die Tutoren sind dazu aufgerufen, die Künste in ihre Studienkreise zu integrieren, um auf diese Weise die geistige Entwicklung der Freunde voranzubringen und den Zugang zu sinnvollem Dienen zu öffnen. Ein Tutor, der den Einsatz der Künste an der Basis der Gesellschaft fördert, öffnet damit „kreative Kanäle, durch die der Strom der Inspiration und die Anziehungskraft des Schönen fließen können.“6

Auch Andachtsversammlungen können durch das Einfließen künstlerischer Elemente in ihr Programm außerordentlich bereichert werden. Zu Beginn des Vierjahresplanes erläuterte das Universale Haus der Gerechtigkeit, dass Andachtsversammlungen ein „wesentlicher Bestandteil des geistigen Lebens der Gemeinde“7 sind. Zudem sind sie ein „unverzichtbares Element für die Ausbreitung und Festigung in großem Umfang“8. In vielen Kulturen wird das musikalisch frei ausgeführte Vortragen bzw. das Singen von Gebeten und Liedern wie eine Andacht betrachtet. ‘Abdu’l-Bahá sagte, Musik sei „göttlich und wirkungsvoll“, „Nahrung für Seele und Geist“9. An einen Gläubigen mit einer schönen Stimme schrieb Er:

„Ich bete zu Gott, dass du diese Gabe bei Gebet und Andacht einsetzen mögest, damit die Seelen belebt, die Herzen angezogen und alle vom Feuer der Liebe zu Gott entflammt werden mögen.“10

Kinderklassen sind ein weiterer Bereich des Gemeindelebens, bei dem die Künste eine wichtige Rolle spielen sollten. Verschiedene Arten des Musizierens wie Gesang oder das Spielen traditioneller oder moderner Instrumente können in allen Klassenstufen praktiziert werden, ebenso Aktivitäten wie Geschichten erzählen, Theaterspielen, Tanzen, Malen, Puppenspiele und eine ganze Reihe kunsthandwerklicher Aktivitäten. ‘Abdu’l-Bahá sagte, die Musik habe

„einen wunderbar wirkenden Einfluss auf die Herzen der Kinder... Die verborgenen Fähigkeiten, mit denen die Herzen dieser Kinder ausgestattet sind, werden durch das Medium Musik zum Vorschein kommen.“11

Wenn nun damit begonnen wird, Aktivitäten auf Regionalbereichsebene zu organisieren, eröffnet sich ein weiteres Einsatzfeld für die Künste. Künstlerische Darbietungen, z.B. durch Musik und Schauspiel, werden bei Beratungstreffen (Reflection Meetings), kulturellen Ereignissen und anderen Zusammenkünften die Herzen neu beleben, damit, wie ‘Abdu’l-Bahá schrieb, alle „vom Feuer der Liebe zu Gott entflammt werden“12. Werden Nicht-Bahá'í-Künstler eingeladen, ihre Talente für solche Veranstaltungen mit einzusetzen, so kommen sie ebenfalls mit dem unwiderstehlichen Geist des Glaubens in Berührung.

Die Rolle der Beraterämter beim Fördern der Künste

Das Fördern der Künste ist für manche Berater bereits ein wichtiger Tätigkeitsbereich, für andere nur gelegentlich von Bedeutung. Dies ist verständlich, zumal wir unsere Kräfte häufig auf die Bereiche lenken, in denen unsere Talente oder Interessen liegen. Weil wir jedoch davon überzeugt sind, dass im Fünfjahresplan der Einsatz der Künste systematischer und intensiver angegangen werden sollte, wenden wir uns gerade zu diesem Zeitpunkt an die Beraterämter und schlagen vor, dass – entsprechend den Umständen auf jedem Kontinent – die folgenden konkreten Maßnahmen in Betracht gezogen werden:

* Eine Einrichtung aufzubauen, z.B. eine Task Force, ein Beratungsteam oder einen Koordinator, die als Anlaufstelle für Informationen über Bahá'í-Künstler auf dem ganzen Kontinent dienen und Maßnahmen zur Pflege der Kommunikation unter Künstlern entwickeln.

* Nationale Räte zu ermutigen, ein Hauptaugenmerk auf das Fördern der Künste in Studienkreisen, Andachtstreffen und Kinderklassen zu richten.

* Institutskommissionen zu helfen, die Bedeutung der Integration der Künste in Studienkreise zu verstehen, so dass diese die Qualität solcher Treffen erhöhen, ohne dabei jedoch ihre Hauptaufgabe – die Durchführung einer Folge von Kursen – aus dem Auge zu verlieren.

* Mit größerem Nachdruck den Einsatz von bereitwilligen Organisatoren zu nutzen, die den nationalen Gemeinden beim Auffinden örtlicher Talente beistehen und künstlerische Aktivitäten im Bahá'í-Gemeindeleben vorantreiben. Auf diesem Gebiet können die Kontinentalen Pionierausschüsse und der Internationale Deputationsfonds besonders behilflich sein.

* Eine stärkere Nutzung des Fonds zur Unterstützung der Lehrarbeit und des Beihilfefonds für Literatur und audio-visuelles Material für die Förderung künstlerischer Aktivitäten anzuregen. Die Beraterämter können gemeinsam über breit gestreute und phantasievolle Einsatzmöglichkeiten für diese beiden Fonds beraten.

* Bei Plenartreffen regelmäßig über die Förderung der Künste zu beraten.

Wie man Organisatoren noch effektiver in diesem Bereich einsetzen kann, bedarf noch weiterer Überlegungen. Im Vierjahresplan wurde dieses Anliegen bereits angesprochen, sollte aber jetzt besondere Priorität erhalten bei den Bemühungen, auf lokaler wie auf nationaler Ebene Fähigkeiten herauszubilden. Ein hervorragendes Beispiel für den Einsatz begabter Bahá'í-Künstler als Sachverständige ist der Dienst eines Musikers, der gemeinsam mit anderen Gläubigen in Westafrika und der Karibik daran arbeitet, das traditionelle Trommeln in die Lehrarbeit und den Institutsprozess zu integrieren. Ein weiteres Beispiel finden wir in Afrika, wo eine Bahá'í mit besonderen Fähigkeiten in der Metallverarbeitung und im Naturschutz in Ghana, Niger und Kamerun als Sachverständige diente und nach Beratungen mit Bahá'í-Institutionen, lokalen Künstlern und Museumsleitern Arbeitskreise für Bahá'í und Nicht-Bahá'í jeden Alters abhielt. Es sollte eine größere Anzahl solcher Personen gefunden werden, deren Aufgabe es dann wäre, künstlerische Aktivitäten im Bahá'í-Gemeindeleben zu fördern.

Eine der bemerkenswerten Lehren aus der Erfahrung der letzten fünf Jahre ist die, dass es über die üblichen Arten von Musik und Tanz hinaus ein großes Angebot an Formen des künstlerischen Ausdrucks gibt, die gefördert werden können. Der Erfolg von Puppenspielen in Guyana und Indien, das interaktive Schauspiel in Europa und die Neubelebung des Geschichtenerzählens in vielen Bahá'í-Gemeinden lassen die reichhaltigen Möglichkeiten in diesem Tätigkeitsbereich erahnen. Während des Vierjahres- und des Zwölfmonatsplanes gab es viele Beispiele, wie Bahá'í-Künstler, besonders in Zusammenarbeit mit der Jugend, das Wachstum der Sache erfolgreich beeinflussten.

Bahá'í-Künstler und der Dienst an der Sache

Dieser Aufruf zur nachdrücklichen Förderung der Künste wird von einem Hinweis begleitet, der zur Vorsicht mahnen möchte. Die Betonung der Künste und das Nutzen der Dienste von Bahá'í-Künstlern hat nicht zum Ziel, Aufführungen zu finanzieren oder die Talente einiger weniger Personen zu propagieren. Es geht hier in erster Linie darum, es Künstlern besser zu ermöglichen, ihre Fähigkeiten zum Dienst am Glauben einzusetzen. Das Haus der Gerechtigkeit erklärt dieses Prinzip in einem kürzlich geschriebenen Brief an einen Gläubigen:

„Ein Patronat für Künstler und ihr Leben als Künstler, so wichtig dies auch sein mag, ist in der augenblicklichen Entwicklungsphase kein erklärtes Ziel des Glaubens, ebenso wenig wie zum Beispiel die Unterstützung von Bahá'í-Ärzten oder von Gläubigen, die in der Landwirtschaft tätig sind, so wertvoll diese Bereiche an sich auch sind.“13

In einem früheren Brief setzt das Haus der Gerechtigkeit die Rolle der Künstler in Beziehung zum Dienst für den Glauben:

„Künstlerisch begabte Bahá'í sind auf einzigartige Weise in der Lage, bei der Behandlung von Bahá'í-Themen ihre Fähigkeiten so einzusetzen, dass allen klar vor Augen geführt wird, welche geistige Erneuerung der Bahá'í-Glaube der Menschheit gebracht hat.“14

Gleichzeitig müssen wir sensibel werden für die Situationen, wo Bahá'í-Künstler das Gefühl haben, außerhalb des zentralen Gemeindelebens zu stehen, weil sie nicht sicher sind, welche Form ihr Dienst annehmen könnte. Besteht bei ihnen der Eindruck, dass der Dienst am Glauben nur mit dem Dienen in Ausschüssen oder Räten gleichgesetzt wird, können sie denken, ihre Beiträge würden nicht wertgeschätzt. Solche Gefühle können besonders in Eingeborenenkulturen auftreten, wo traditionelle Künste manchmal von der allgemeinen Gesellschaft verunglimpft wurden.

‘Abdu’l-Bahá und Shoghi Effendi ermutigten viele verschiedene Arten von Talenten, die unter den Freunden zu finden waren, und priesen das besondere Potenzial jedes Einzelnen. An einen Maler richtete ‘Abdu’l-Bahá folgende Worte : „...wenn deine Finger den Pinsel ergreifen, ist es, als ob du im Tempel beten würdest“15. Und der Hüter schrieb an einen Dichter: „Sie leisten der Sache Gottes einzigartige und bemerkenswerte Dienste“16. In einem Brief im Auftrag Shoghi Effendis an einen Schriftsteller lesen wir: „Wenn Sie echtes Talent zum Schreiben besitzen, dann sollten Sie es als eine Gabe Gottes ansehen und sich darum bemühen, es zur Besserung der Gesellschaft einzusetzen“17. Solche Briefe an begabte Gläubige sind beispielhaft für die Kunst ständiger Ermutigung.

Gerne erwarten wir Berichte über Ihre Pläne, den verstärkten Einsatz der Künste bei der Ausbreitung und Festigung, besonders an der Basis der Gemeinden, anzuregen und zu koordinieren. Da uns bewusst ist, wie stark die Künste die Lebendigkeit unseres Gemeindelebens steigern und den Einfluss des Glaubens erweitern, dürfen wir nicht zögern, uns rückhaltlos für deren Verbreitung zu engagieren.

Seien Sie versichert, dass wir an den Heiligen Schwellen um göttliche Führung und Unterstützung als Begleitung für jeden Ihrer Schritte zur Förderung des Glaubens, der unseren Herzen so teuer ist, beten werden.

Mit liebevollen Bahá'í-Grüßen
Das Internationale Lehrzentrum
cc: Die Hände der Sache Gottes
Alle Beraterämter (per email)
1 Textsammlung Musik, Nr. 14

2, The Importance of the Arts in Promoting the Faith (Textsammlung), Nr. 22

3 ibid. Nr. 23
4 ibid. Nr. 36
5 ibid. Nr. 69
6 Ruhi-Kursbuch Nr. 7

7 Ridván-Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit 153BE (1996); siehe Bahá'í-Nachrichten Juni 1996

8 Brief des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 9. Januar 2001 an die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter; siehe Bahá'í-Nachrichten März 2001

9 The Importance of the Arts in Promoting the Faith (Textsammlung), Nr. 21

10 ibid. Nr. 19
11 ibid. Nr. 21
12 ibid. Nr. 19

13 Brief geschrieben im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit vom 11. Juni 2001 an einen Bahá'í

14 The Importance of the Arts in Promoting the Faith (Textsammlung), Nr. 60

15 ibid. Nr. 12
16 ibid. Nr. 33
17 ibid. Nr. 32

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