A Tribute by the Universal House of Justice to Bahá'u'lláh on the Centenary of His Passing
Tiefbewegt und beseligt versammeln wir uns in der geheiligten Umfriedung von Bahá'u'lláhs Ruhestдtte, um aus dem erhabenen, historischen AnlaЯ des hundertsten Jahrestages Seines Hinscheidens der hцchsten Manifestation Gottes ehrenvoll zu gedenken.
Unsere Herzenssehnsucht treibt uns, die Stimme zum Lobpreis eines Lebens zu erheben, das unendlich hoch ьber jedem Vergleich steht. Wie aber sollen wir solche Sehnsucht in die Tat umsetzen, wenn offenkundig kein Verstand ein Begriffsvermцgen und eine Wortwahl entwickeln kann, die Seines himmlischen Hofes wьrdig wдren? Wahrlich, unsere Zungen stammeln nur vor Unfдhigkeit, die Wunder einer Prophetenlaufbahn aus lauter Superlativen zu beschreiben, geschweige denn zu verherrlichen. Der hier in Bahji vor hundert Jahren seinen letzten Atemzug auf Erden tat, war das grцЯte Licht der Welt, der Stifter einer religiцsen Sendung, welche die sechstausend Jahre des Zyklus von Adam zum krцnenden AbschluЯ fьhrt und die fьnftausend Jahrhunderte des Bahб'н-Zyklus einleitet. Er, die GrцЯte Manifestation Gottes, erschien im GrцЯten Namen und trug die grцЯten Leiden als Stifter der GrцЯten Offenbarung, die ihrerseits der Brunnquell des GrцЯten Friedens ist. Bei unserem Versuch, diese beispiellosen Gnadengaben zu wьrdigen, nennen wir die juwelengleichen Namen des Angebeteten, wie Perlen herausgefischt aus dem wahren Weltmeer Seiner Offenbarung. Wir streuen sie aus ьber unser Wort der Huldigung, damit sie unserem Ausdruck Seiner Herrlichkeit und Majestдt den angemessenen Glanz verleihen:
Kцnig der Kцnige, Herr der Herren, Hцchster Mittler, Altehrwьrdige Schцnheit. Er ist der Vielgeliebte aller Welten. Wir begrьЯen in Ihm den langersehnten VerheiЯenen, Ziel der Anbetung der ganzen Welt. Und wir rufen: "Geheiligt sei der Herr, der den Quell der Herrschaft in Hдnden hдlt!"
Wie schwer hatte Bahá'u'lláh zu leiden, um die Welt neu zu beleben! Zu Unrecht angeklagt, eingekerkert, ausgepeitscht, angekettet, verbannt von Land zu Land, verraten, vergiftet, Seines materiellen Besitzes beraubt und "in jedem Augenblick gequдlt mit einer neuen Qual": Das war der grausame Empfang fьr den Ewigvater, den Besitzer aller Namen und Eigenschaften. Fast anderthalb Menschenalter hindurch, bis ans Ende Seines Erdenlebens, war Er ein Gefangener und Verbannter - unablдssig verfolgt von den Herrschern des Persischen und des Osmanischen Reiches, erbarmungslos bekдmpft von einer tьckische Rдnke schmiedenden Geistlichkeit, verworfen und verachtet von den anderen Souverдnen, denen Er in machtvollen Botschaften zur Kenntnis gab, was nach Seinen Worten der Wahrheit "Wohlfahrt, Einheit, Eintracht sowie Wiederaufbau in der Welt bewirkt und die Ruhe der Vцlker sichert". "Mein Leid," klagte Er einmal, "ьbersteigt alles Elend, das Jakob bejammerte, und alle Heimsuchungen Hiobs sind nur ein Teil Meiner Schmerzen."
Die Stimme stockt vor Scham, wenn sie noch mehr solche traurigen Worte wiedergeben soll; das Herz bricht entzwei beim bloЯen Gedanken an die gottgesandte Zielscheibe dieser Schmerzen - Schmerzen, wie sie kein normaler Sterblicher ertragen kцnnte. Aber um nicht in dьstere, trьbselige Gefьhle zu versinken, sollten wir unsere Zuflucht nehmen zu der heiteren Ruhe, die Er mit so bedeutungsvollen Worten wie den folgenden bewirkt: "Wir haben dies alles hцchst bereitwillig und ergeben auf Uns genommen, damit die Menschenseelen erbaut werden und Gottes Wort gepriesen sei." So wahrte der Unterdrьckte mit unermeЯlicher Geduld eine majestдtische Haltung, so enthьllte Er Sein wahres Selbst als das des barmherzigen, des liebenden, des unvergleichlichen Freundes. Alle Kraft konzentrierte Er auf den Zweck Seiner Offenbarung, um den sich alles drehte; Er verwandelte Seine Drangsale in Werkzeuge der Erlцsung und rief alle Vцlker unter das Banner der Einheit.
Keine irdische Macht konnte die Absicht der Erhabensten Feder durchkreuzen. Mit der Fьlle Seiner Schriften ergoЯ Er die heilenden Wasser des erneuerten Gotteswortes ьber den Planeten. Wie Frьhlingsregen strцmte Seine Offenbarung auf Ihn nieder und sammelte sich in rund hundert Bдnden - "Bдnden voll ungezдhlter Ermahnungen, umwдlzender Grundsдtze, weltgestaltender Gesetze und Gebote, unheilverkьndender Warnungen und erstaunlicher VerheiЯungen, verbunden mit seelenerhebenden Gebeten und Andachten, erleuchtenden Kommentaren und Auslegungen, leidenschaftlichen Reden und Predigten, alles vermischt mit Ansprachen an Kцnige, Kaiser und Minister des Ostens wie des Westens, an Geistliche der verschiedensten Bekenntnisse und an die Fьhrer auf dem intellektuellen, dem politischen, dem literarischen, dem mystischen, dem kaufmдnnischen und dem humanitдren Gebiet menschlicher Tдtigkeit oder aber mit Verweisen auf diese Gestalten." An oberster Stelle unter Seinen Bьchern steht Sein Kitáb-i-Aqdas, die Charta der kьnftigen Weltkultur, in der Er die Gesetze Gottes fьr unser Zeitalter verkьndet. Freudig erbeben unsere Herzen vor der Aussicht, daЯ im Verlauf dieses heiligen Jahres die mit Anmerkungen versehene englische Ьbersetzung dieses Mutterbuches der Offenbarung Bahá'u'lláhs verцffentlicht wird. Mit erstaunter Freude erkennen wir das reiche Vermдchtnis dieser gцttlichen AusgieЯung und rufen: "Preis sei Dir, Du Sehnsucht der Welt, und Dank sei Dir, Du Vielgeliebter der Herzen derer, die Dir ergeben sind!"
Heute sind wir Zeugen der noch viel grцЯeren Gabenfьlle eines unvergleichlichen Erbes. Mit dem Untergang der Sonne Bahбs erhob sich der Mond Seines Bundes in spiegelnder Herrlichkeit, vertrieb das nдchtliche Dunkel der Verzweiflung und erleuchtete den Pfad zur Einheit des ganzen Menschengeschlechts. In seiner Strahlenfьlle steht die anziehende Gestalt `Abdu'l-Bahás, des geliebten Sohnes, den Bahá'u'lláh zum Ausleger Seines Wortes, zum Lenker Seiner Amtsgewalt bestimmte, den Er zum Mittelpunkt Seines Bundes ernannte, zu einem Amt ohnegleichen in der gesamten Religionsgeschichte.
Wir erkennen die geheimnisvolle Macht Seiner Weisheit, die Leuchtkraft Seiner Worte, das unsterbliche Beispiel und die vereinende Kraft Seiner Taten. Seine unermьdlichen Bemьhungen verbreiteten den Ruhm der jugendlichen Sache Gottes weit und breit, das Weltzentrum des Glaubens trat klar in Erscheinung, der Glanz des Berges Gottes, auf den Bahá'u'lláh in Seinem Tablet vom Karmel anspielt, offenbarte sich Schritt fьr Schritt. Mit tiefer Dankbarkeit fьr diesen offenkundigen Segen erneuern wir unser Treuegelцbnis zum Bund Bahá'u'lláhs und rufen: "Verherrlicht sei der Allbarmherzige, der Herr ьberstrцmender Gnade!"
Unter den erstaunlichen Wirkungen Seines Bundes erhob sich eine Weltgemeinschaft auf "unangreifbarer Grundlage". Das Gesamtsystem der Verwaltungs- und Gesellschaftsordnung, die Bahá'u'lláh in Seinem Heiligsten Buche begrьndet hat, ist errichtet. Tatkrдftig arbeitet ein Netzwerk цrtlicher, nationaler, kontinentaler und internationaler Institutionen auf dem ganzen Planeten in beispielhafter Einmьtigkeit zusammen. Genдhrt und belebt von Seiner verblьffenden Offenbarung, getrдnkt vom kostbaren Blut unzдhliger Mдrtyrer, gehegt von der liebenden Fьrsorge zahlloser ergebener Diener und Dienerinnen, ist der Baum der Sache Gottes in diesen hundert Jahren mдchtig emporgewachsen, hat seine Дste und Zweige weithin ausgestreckt und ьppig die erste Frucht getragen.
Bahá'u'lláh traf die Welt in einem "seltsamen Schlaf". Aber welchen Aufruhr hat Sein Kommen ausgelцst! Die Vцlker der Welt wurden voneinander getrennt, weite Teile der Menschheit sind gesellschaftlich und geistig isoliert. Aber die Menschenwelt von heute ist vцllig anders als diejenige, die Bahá'u'lláh vor hundert Jahren verlieЯ. Der groЯen Mehrheit unbekannt, hat Er doch mit Seinem EinfluЯ alles Erschaffene durchdrungen. Tatsдchlich bleibt kein Lebensgebiet unberьhrt. In den aufbrechenden Krдften, in den verbreiterten Ausblicken, in dem wachsenden WeltbewuЯtsein, in den sozialen und politischen Wirrnissen, im Niedergang der Kцnigsherrschaft, in der Emanzipation der Vцlker, in der Entstehung von Mischkulturen, im Schrei nach Entwicklung, in der Aufregung ьber die Extreme von Reichtum und Armut, in der zugespitzten Sorge um den MiЯbrauch der Umwelt, im BewuЯtseinssprung bei den Rechten der Frau, im verstдrkten Drang zur Цkumene, in den immer lauteren Rufen nach einer neuen Weltordnung, in den verblьffenden Fortschritten der Wissenschaft, der Technik, der Kunst und der Literatur - in diesem ganzen Tumult mit seinen widersprьchlichen Ausdrucksweisen von Chaos und Ordnung, Vereinigung und Trennung, liegen die Zeichen fьr Bahá'u'lláhs Macht als Weltreformer, die Beweise fьr Seinen Anspruch als der Gцttliche Arzt, die Wahrheit Seiner Worte als der Allwissende Ratgeber beschlossen.
Bahá'u'lláh schrieb ausfьhrlich ьber diese geheimnisvolle Kraftentfaltung, ihr Ziel und ihre verwandelnde Wirkung, aber das Wesentliche ist den folgenden klaren Worten zu entnehmen: "Durch die Bewegung Unserer Feder der Herrlichkeit haben Wir auf Befehl des allmдchtigen Gesetzgebers neues Leben in jede menschliche Hьlle gehaucht und frische Kraft in jedes Wort geflцЯt. Alles Erschaffene verkьndet die Beweise dieser weltweiten Erneuerung." Und an anderer Stelle: "Neues Leben durchpulst in dieser Zeit alle Vцlker der Erde, und doch hat keiner seine Ursache entdeckt und seinen Grund erkannt." Und wiederum: "Er, der Unbedingte, ist in den Wolken des Lichtes gekommen, alles Erschaffene mit dem Odem Seines Namens, der Allbarmherzige, zu beleben, die Welt zu vereinen und alle Menschen zu versammeln um diese Tafel, die vom Himmel herabgesandt ist."
LaЯt die Erdenbewohner beim Widerhall Seines Namens aufwachen aus ihrem Schlummer, sich erheben aus ihren wirren Trдumen und die Klarheit des neuen Tages aufnehmen; denn "heute ist der Kцnig der Tage, der Tag, der das Kommen des Meistgeliebten schaut, Dessen, der seit aller Ewigkeit als die Sehnsucht der Welt gepriesen wird."
Unsere Gedanken wenden sich zurьck zu der Trauerzeit von 1892, als groЯe Scharen von Bewohnern der Umgegend herbeieilten, um sich mit Bahá'u'lláhs Anhдngern in der Wehklage ьber den Abschied des unsterblichen Geliebten zu vereinen. Es waren keine Anhдnger Seiner Sache; sie hatten kein wirkliches Verstдndnis Seiner Stufe, aber Seine Gegenwart wirkte unter ihnen in solcher Weise, daЯ sie von einem lastenden Gefьhl des Verlustes erfьllt waren. Heute, ein Jahrhundert spдter, kommen wir als die Vertreter Seiner Gemeinde aus den entlegensten Winkeln der Erde, in Scharen aufgereiht, um dem Herrn der Herrlichkeit zu huldigen. Mit uns im Geist vereint sind die Millionen Seiner Liebenden, verstreut ьber Zehntausende von Dцrfern, Mдrkten und Stдdten, die zuhause in ihren Orten diesen erhabenen Jahrhunderttag feiern, die Herzen hergewandt zum Mittelpunkt hier in Bahjн.
Mit uns an diesem Ort der Anbetung ist eine Anzahl heldenhafter Seelen aus der gefeierten Schar, der Shoghi Effendi, der Hьter der Sache Gottes, den verdienten Ehrennamen Ritter Bahá'u'lláhs verliehen hat, um ihre Taten tapferer Hingabe als Lehrer des Glaubens zu kennzeichnen. Sie bildeten die Vorhut des siegreichen Zehnjahres-Kreuzzuges. Ihre Taten, aufbauend auf den dramatischen Leistungen des Heroischen Zeitalters sowie den Opfern zahlloser Mдrtyrer und Helden der Vergangenheit, haben im Verfolg des von frьheren Glaubenslehrern gebahnten Pfades der Sache Bahá'u'lláhs die Anerkennung als eine Weltreligion gebracht.
Nunmehr wird in unserer Feierstunde die Ehrenrolle mit den Namen der Ritter unter der Eingangstьr zum Heiligsten Schrein an dem von unserem geliebten Hьter bezeichneten Ort niedergelegt. Dies ist ein Symbol und ein Versprechen: ein Symbol, das eine klare Antwort wirksam festschreibt, die in kritischer Zeit auf die uns vom Herrn der Heerscharen ьbertragene Pflicht, Seine Lehren unter allen Vцlkern zu verbreiten, gegeben worden ist; ein Versprechen, daЯ die von jenen unerschrockenen Pionieren so glanzvoll eingelцste Verpflichtung von den nachfolgenden Geschlechtern erneuert wird, damit das Licht der Offenbarung Bahá'u'lláhs, "strahlend in all seiner Macht und Herrlichkeit, den ganzen Planeten ьberzieht und umfдngt".
Es ist auch ein Zeichen der Anerkennung fьr die Macht, mit der die Hand der Allmacht Mьcken in Adler verwandelt. Seine Gaben ermutigen uns. Vцgel mit gebrochenen Flьgeln sind wir; aber wenn Seine Zusicherungen in unseren Seelen widerhallen, dann schwingen wir uns in Seinem Dienst zu immer grцЯeren Hцhen auf. "Ich bin der kцnigliche Falke auf dem Arm des Allmдchtigen!" erklдrt Er und fьgt voll Gьte hinzu: "Ich entfalte die matten Flьgel jedes verzagten Vogels und helfe ihm, sich aufzuschwingen." Wie kцnnten wir da fehlgehen?
Wir geloben: Eine bewegte Geschichte gцttlichen Beistands hinter uns, eine klare Schau der sich entfaltenden Geschicke vor uns, so schreiten wir voran, neu geboren, neu gesegnet, neu entschlossen, bis das BewuЯtsein jedes menschlichen Wesens vom Wissen um Gottes siegreichen Glauben berьhrt worden ist. Und mit den erwartungsvollen Worten Seines Mдrtyrer-Heroldes rufen wir: "Gepriesen sei Seine Herrlichkeit, verherrlicht Seine Macht, geheiligt Seine Heiligkeit, gerьhmt Seine GrцЯe, und gelobt sei Er auf allen Seinen Wegen!"
Das Universale Haus der Gerechtigkeit