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Briefe des UHG : 2000 Feb, Trainingsinstitute
Das Universale Haus der Gerechtigkeit
Sekretariatsabteilung
23. März 2000
An alle Nationalen Geistigen Räte
Liebe Bahá´í-Freunde,

das Internationale Lehrzentrum hat das beiliegende Dokument mit dem Titel “Trainingsinstitute und

Systematisches Wachstum” zusammengestellt. Dieses ist eine Fortsetzung des Dokuments vom April

1998 zum Thema Institute, das bei der achten Internationalen Bahá´í-Tagung den Delegierten

überreicht wurde. Das Universale Haus der Gerechtigkeit ist der Meinung, dass dieses Dokument für

jene, die sich mit der Durchführung von Trainingsinstituten beschäftigen, von besonderem Interesse

sein wird.
Mit liebevollen Bahá´í-Grüßen
im Auftrag der Sekretariatsabteilung
Kopie: Internationales Lehrzentrum (mit Anlagen)
Berater (mit Anlagen)
TRAININGSINSTITUTE UND SYSTEMATISCHES WACHSTUM
Ein Dokument vom Internationalen Lehrzentrum
Februar 2000

In seiner Ridván-Botschaft 153 hat das Universale Haus der Gerechtigkeit den Aufbau und die

Entwicklung von Trainingsinstituten in Zusammenhang mit den weitreichenden Veränderungen

gebracht, welche die Entwicklung des Glaubens in diesem Abschnitt der Bahá´í-Geschichte

kennzeichnen.

“Die nächsten vier Jahre stellen eine außergewöhnliche Zeitspanne in der Geschichte des Glaubens

dar, einen Wendepunkt epochalen Ausmaßes. Was die Freunde jetzt tun sollten, ist, sich selbst, ihre

materiellen Mittel, ihre Fähigkeiten und ihre Zeit für die Entwicklung eines Netzwerkes von

Ausbildungs-Instituten in einem bisher unversuchten Umfang einzubringen.”

Wenn wir die Entwicklung der Trainingsinstitute im Vier-Jahres-Plan untersuchen, sind wir überrascht

in welchem Umfang diese Vision verwirklicht wurde. Das weltumspannende Netzwerk von

Trainingsinstituten zählt nun gut 350 Institute in 170 Ländern mit fast 100.000 Gläubigen, die von

mindestens einem Institutskurs profitiert haben.

Der Zweck der Trainingsinstitute wurde im Dokument vom April 1998 mit dem Titel

“Trainingsinstitute” verdeutlicht und herausgearbeitet. Dieses wurde für das Universale Haus der

Gerechtigkeit zusammengestellt und von diesem genehmigt. Auf der Grundlage dieser Erklärung des

Institutsprozesses begannen nationale Gemeinden damit ihre Bemühungen neu auszurichten, eine

Folge von Kursen betonend, die bei den Freunden die Befähigung und Hingabe fördert, Akte des

Dienstes zu vollbringen. Die Dezentralisierung des Institutsprozesses wurde stärker betont, damit eine

stetig wachsende Zahl von Gläubigen erreicht werden kann. Die vergangenen zwei Jahre waren nicht

nur Zeuge der weltweiten Ausbreitung von Trainingsinstituten, sondern auch einer größeren

Wertschätzung in der Bahá´í-Welt für die einzigartige und lebenswichtige Rolle, welche die

Trainingsinstitute in der Förderung systematischen Wachstums spielen.

Dieses Dokument bietet einen Überblick über den Fortschritt des Institutsprozesses seit der

Veröffentlichung des Dokuments vom April 1998. Die Analyse wird durch die Führung des

Universalen Hauses der Gerechtigkeit umrahmt, die den Nationalen Geistigen Räten in den

vergangenen zwei Jahren im Zusammenhang mit Trainingsinstituten gegeben wurde. Es ist in vier

Abschnitte eingeteilt:
1. ERFAHRUNG MIT DEM INSTITUTSPROZESS
1.1. Administrative Struktur
1.2. Zusammenarbeit
1.3. Curriculum
1.3.1. Systematisches Herangehen
1.3.2. Kursfolge
1.4. Kurssystem und Durchführung
1.4.1. Ausbildung vor Ort
1.4.2. Studienkreise
1.4.3. Tutoren und Tutorenausbildung
2. INSTITUTE IN AKTION
2.1. Menschliche Ressourcen entwickeln
2.2. Einfluss auf Lehren und Wachstum
2.3. Direkte Lehrinstrumente

3. SYSTEMATISIERUNG DES LEHRENS (REGIONALE WACHSTUMSPROGRAMME)

4. HERAUSFORDERUNGEN FÜR TRAININGSINSTITUTE
4.1. Qualität und Effektivität
4.2. Analphabetismus
4.3. Ressourcepersonen
4.4. Infrastruktur

4.5. Finanzielle Unterstützung von Institutsmitarbeitern

1. ERFAHRUNG MIT DEM INSTITUTSPROZESS

In seiner Ridván-Botschaft 156 verwies das Universale Haus der Gerechtigkeit auf die “gezeigte

Effizienz der Trainingsinstitute”. Um das weitreichende Potential des Instituts und seinen Einfluss auf

die Entwicklung des Glaubens besser zu verstehen, kann es sinnvoll sein die Elemente zu untersuchen,

die ein effektives Trainingsinstitut charakterisieren. Welche administrativen Strukturen haben bei der

Einführung von Institutsprogrammen gut gedient ? Welches Niveau an Zusammenarbeit zwischen den

Institutionen des Glaubens hat dazu beigetragen den Institutsprozess zu fördern ? Wurden

irgendwelche Prinzipien der Lehrplan-Entwicklung erlernt? Hat sich eine bestimmte Form des

Kurssystems als besonders effektiv erwiesen ? Um diese und andere Fragen zu beantworten bieten wir

die Erfahrung nationaler Gemeinden rund um den Globus an, die unter der Führung des Universalen

Hauses der Gerechtigkeit die Entwicklung von Trainingsinstituten mit außerordentlicher

Geschwindigkeit und beeindruckenden Ergebnissen vorantrieben.

Das Dokument “Trainingsinstitute”, welches vom Haus der Gerechtigkeit anläßlich der

Internationalen Tagung 1998 veröffentlicht wurde, beschrieb die Variationen in nationalen Gemeinden

und wie unterschiedlich sich Trainingsinstitute in Abhängigkeit von den Besonderheiten verschiedener

Länder und der Art und Größe ihrer Bahá´í-Gemeinden entfalten könnten. Aber, wenn man das

Wachstum der Trainingsinstitute überall auf der Welt in den vergangenen zwei Jahren analysiert, so ist

die interessanteste Beobachtung die, dass es wichtige Parallelen zwischen den erfolgreichsten

Programmen gibt. Auch münden die Gedanken und Praktiken zur Entwicklung von Trainingsinstituten

als Ergebnis der Berücksichtigung der fürsorglichen Führung des Hauses der Gerechtigkeit für dieses

weltweite Unterfangen zusammen.
1.1 Administrative Struktur

In den meisten Ländern der Welt war die grundlegende administrative Struktur der Trainingsinstitute

die Gründung eines nationalen Instituts mit einem Institutsboard. In wenigen nationalen Gemeinden,

die große Bahá´í-Gemeinden haben oder die ein geographisch großes Gebiet umfassen und generell

dort, wo Regionale Bahá´í-Räte existieren, wurden regionale Institute mit einem eigenen

Institutsboard errichtet. In der Mehrheit dieser Fälle haben die Nationalen Geistigen Räte entschieden,

dass die regionalen Vorstände den Regionalen Räten berichten, während die Nationalen Räte selbst

den größeren Rahmen festlegen und die umfassende Entwicklung des Institutsprozesses führend

begleiten.

In allen Teilen der Welt haben die Boards der Trainingsinstitute ihre Arbeit mit ganzer Kraft

aufgenommen und sie führen ihre Arbeit aus entweder unter der Aufsicht des Nationalen Rates oder

des zuständigen Regionalen Rates. Sie scheinen die Natur ihrer Arbeit gut verstanden zu haben.

Einzelne, die in das Institutsboard berufen werden, sollten die Bereitschaft besitzen, über die

Herausforderungen und die Perspektiven der Entwicklung menschlicher Ressourcen zu lernen, sollten

sich der Notwendigkeit bewusst sein, den Schwerpunkt auf das Training zu legen, und fähig sein,

effektiv in einem kleinen Team zu arbeiten.

“Wenn ein Board ernannt wird, sollten seine Mitglieder vom Nationalen Geistigen Rat in

Beratung mit den Beratern und mit ihrer vollen Unterstützung ernannt werden…”2

Fragen zur notwendigen administrativen Struktur entstehen grundsätzlich, wenn Berater, Nationale

Räte und die Institutsvorstände miteinander über die Möglichkeiten beraten, wie Kurse für eine stetig

wachsende Zahl von Gläubigen organisiert werden können. Das Haus der Gerechtigkeit rät von einem

ausgeklügelten System regionaler Zweigstellen ab, die kostspielig sein können und dennoch zumeist

das Zusammenkommen der Freunde an einem zentralen Ort bedingen:

"…in dieser Phase Ihrer Bemühungen zum Aufbau menschlicher Ressourcen ist es nicht

notwendig, regionale Zweigstellen aufzubauen, die generell höhere Kosten bedingen,

einschließlich der Wartung der Örtlichkeiten, der Geräte und den Auslagen der Teilnehmer

wie beispielsweise für Transport, Verpflegung und Unterkunft." 3

Anstelle regionaler Zweigstellen war eine effektive Struktur die Ernennung regionaler Koordinatoren,

welche die Ausdehnung der Institutskurse auf lokale Gemeinden in einer bestimmten Region

überwachen. Sobald die Zahl der Studienkreise in einer Region ansteigt, werden regionale

Koordinatoren benötigt, um Tutoren zu ermutigen und in ihren Bemühungen zu unterstützen die

weitere Vervielfachung der Studienkreise zu fördern und um die Zusammenarbeit der Institute mit den

Institutionen der Region zu koordinieren.

In manchen nationalen Gemeinden breiteten sich Aktivitäten aus, die “Institute” genannt wurden. Es

war notwendig, klarzustellen, dass diese lokalen Initiativen, die sich meistens auf die Vertiefung

konzentrierten, wenn auch lobenswert, dennoch nicht “Institute” waren, wie sie vom Haus der

Gerechtigkeit gefordert waren. In diesem Zusammenhang ist es wichtig den Unterschied zwischen

solchen Initiativen und der Ausbreitung der Institutskurse auf örtlicher Ebene aufzuzeigen, die Teil

eines nationalen oder regionalen Programms sind, um Training für eine stetig wachsende Zahl von

Gläubigen anzubieten. Das Haus der Gerechtigkeit erläutert:

"So wie die Freunde ein klareres Verständnis der Absicht des Hauses der Gerechtigkeit beim

Aufruf zur Bildung der Institute bekommen, werden diese örtlichen Bemühungen langsam zu

Zweigstellen oder Studiengruppen verbunden werden, die mit einem regionalen Institut einer

weit größeren Bevölkerung dienen. Die Definition einer Region wird in diesem

Zusammenhang notwendigerweise variieren… Unabhängig davon, wird sich durch die

Stärkung der regionalen Institute, das Konzept der Trainingsinstitute in den Köpfen der

Freunde immer mehr von lokalen Vertiefungsklassen oder Lehrgruppen unterscheiden." 4

1.2 Zusammenarbeit

In seiner Ridván-Botschaft 153 und in anderen Briefen rief das Haus der Gerechtigkeit zu einer engen

Zusammenarbeit zwischen den beiden Zweigen der Administration auf bei der Entwicklung der

Institute. Durch die Analyse des Wachstums und der Entwicklung der Trainingsinstitute während des

Vier-Jahres-Planes, war eine der bemerkenswertesten Erkenntnisse die Bedeutung der Beratung

zwischen den Beratern und den Nationalen Räten über die Richtung und Durchführung von

Trainingsinstituten. Im selben Ausmaß wie eine enge Zusammenarbeit erreicht wurde, gab es auch

eine entsprechende Wahrscheinlickeit, dass der Prozess der Trainingsinstitute fest auf die Führung des

Hauses der Gerechtigkeit gegründet war und Erfolg bei der Schaffung einer Gruppe gestärkter und

aktiver Förderer des Glaubens haben würde.

In einer nationalen Gemeinde muss eine gemeinsame Vision zwischen den Beratern und dem

Nationalen Geistigen Rat über den Charakter und die Richtung des Institutsprozesses existieren.

Dieses wurde überall dort erreicht, wo es eine “enge Mitwirkung im Betrieb der Institute” durch die

Berater und ihre Hilfsämter gab. Darüber hinaus hat die Zusammenarbeit der Berater mit jenen

Regionalen Bahá´í-Räten, welche die Verantwortung für die Führung regionaler Trainingsinstitute

haben, und von Beratern und Hilfsamtsmitgliedern mit den Trainingsinstitutsboards, diesem Zweig der

Administration die Möglichkeit gegeben, seiner heiligen Aufgabe zur Verbreitung des Göttlichen

Duftes und der Förderung der Gelehrsamkeit nachzugehen. Wie in der Ridván-Botschaft 153 erklärt

wurde, “harmoniert” der Charakter der Institute “mit und gibt Raum für die Ausübung der

erzieherischen Verantwortung der Hilfsamtsmitglieder.” 5

Das Haus der Gerechtigkeit hat in mehreren Fällen die Notwendigkeit anhaltender Zusammenarbeit

zwischen den beiden Zweigen der Administration betont:

“Diese Angelegenheit erfordert eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen den

Kontinentalen Beratern und den Nationalen Geistigen Räten. Der Erfolg dieser

Trainingsinstitute wird in einem sehr großen Maße von der aktiven Beteiligung der

Kontinentalen Berater und der Hilfsamtsmitglieder abhängen. Im besonderen wird es für die

Hilfsamtsmitglieder notwendig sein, ein enges Verhältnis mit den Instituten zu haben...”6

“Ein Prozess der Entscheidungsfindung muss in der Beratung zwischen Ihnen und den

Beratern hinsichtlich der Vorbereitung und der Genehmigung des Jahresplanes und Budgets

der Institute erreicht werden. Dieses wird selbstverständlich in jedem Fall die enge

Zusammenarbeit mit den Beratern und den Instituten oder den Institusboards beinhalten…”7

Im Wirken der Trainingsinstitutsboards haben wir eine enge Zusammenarbeit der beiden Zweige der

Administration festgestellt, insbesondere die Beteiligung der Hilfsamtsmitglieder, wodurch die

Erwartung des Hauses der Gerechtigkeit erfüllt wurde, dass “die enge Einbindung im Betrieb der

Institute nun Teil der wachsenden Funktionen dieser Amtsinhaber des Glaubens werden sollte.” 8

“An diesen Richtlinien erkennen Sie, dass es völlig annehmbar ist, wenn Hilfsamtsmitglieder

durch den Nationalen Rat in Abstimmung mit den Beratern in das Institutsboard ernannt

werden. Selbstverständlich ist ihre Beteiligung in der Institutsarbeit nicht auf die

Mitgliedschaft in der Vorstandschaft beschränkt. Wie in Ihrem Brief bemerkt, werden viele

als Koordinatoren dienen und als Lehrer arbeiten. Ob sie diese Verantwortung auf einer

Vollzeitbasis annehmen, ist eine Sache, die sie selbst in Beratung mit den betroffenen

Beratern entscheiden müssen.”9

In den meisten Ländern dienen Hilfsamtsmitglieder im Institutsboard. Aber die größte Entwicklung

kann man in jenen Orten beobachten, wo die Führung des Hauses der Gerechtigkeit über die

entscheidende Rolle der Hilfsamtsmitglieder in der Entwicklung des Institutsprozesses vollständig

umgesetzt wurde.

In Ländern, in denen es Regionale Bahá´í-Räte gibt, ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Räten

und den Trainingsinstituten lebenswichtig und kann “eine stimulierende Verknüpfung der Prozesse,

welche die Ausdehnung und Festigung in einer Region bewirken,” und “das praktische Anpassen der

Institutsausbildung an die Entwicklungsbedürfnisse der örtlichen Gemeinden”10 schaffen.

1.3 Curriculum

Im Mittelpunkt der Trainingsinstitute steht das durch das Institutsboard in Beratung mit dem

Nationalen Geistigen Rat und den Beratern ausgewählte Curriculum.

“In Anbetracht der bislang gewonnenen Erfahrung werden Sie dringend aufgerufen, in

Beratung mit den Beratern und dem Board den Rahmen einer Folge weniger Kurse fest zu

legen, die darauf ausgerichtet sind, die Freunde in Ihrer Gemeinde mit geistiger Einsicht,

Wissen und Fertigkeiten auszustatten, die notwendig sind, um dem Glauben mit einer

wachsenden Effektivität zu dienen.”11

Da jedes Curriculum ein Vehikel zur Erreichung erzieherischer Ziele ist, hat sich als effektivstes

Curriculum für Institute eines erwiesen, das die Gläubigen richtig für den Dienst im Feld der

Ausbreitung und Festigung trainiert. Bereits früh im Vier-Jahres-Plan wurde es in vielen Ländern

deutlich, dass obwohl die Vertiefung wesentlich war und weiterhin verfolgt werden musste, das

ausgiebige Studium eines Buches oder besonderer Themen in den Instituten nicht notwendigerweise

zu einer Mobilisierung großer Zahlen von Bahá´í führte, die dann aktive Lehrer wurden. Es gibt

natürlich viele wichtige Themen, in denen sich die Gläubigen vertiefen müssen, aber das Haus der

Gerechtigkeit hat in einigen Briefen Trainingsinstituten davon abgeraten, spezielle Themen in ihre

Programme aufzunehmen, die auf Kosten der Konzentrierung auf eine Grundlagenreihe gehen.

“Das Haus der Gerechtigkeit hat aber Einwände gegen den Wunsch Trainingsinstitute in

dieses Programm einzubinden. Die Trainingsinstitute sollten ein kohärentes und

systematisches Programm zur Erhöhung der menschlichen Ressourcen der Bahá´í-Gemeinde

entwickeln und anwenden. Natürlich würde als Teil eines solchen Curriculum auch Platz für

das Einbringen eines Hinweises auf das Gesetz des Huqúqu´lláh sowie des gesamten Themas

der Unterstützung der Fonds der Sache sein, die Teil des Lebens des einzelnen Gläubigen

und ein wesentliches Element des Bahá´í-Gemeindelebens sind. Dennoch würde das

Einbeziehen der Trainingsinstitute in einem spezifischen Projekt zur Erziehung der

Gemeindemitglieder in das Gesetz des Huqúqu´lláh oder in der Vorbereitung von

Trainingsmaterial dafür, als ein Abweichen von ihrer Hauptaufgabe erscheinen.”12

“Bei der Entwicklung des Programms zur Erziehung der Mitglieder der Bahá´í-Gemeinde in

den Lehren und bei der Auswahl der Curricula für Sommerschulen und ähnliche

Veranstaltungen, sollte ein Nationaler Geistiger Rat alle Aspekte des Lebens einbeziehen,

einschließlich das Auswählen eines Ehepartners, aber das Haus der Gerechtigkeit meint,

dass es wichtig ist, dieses im richtigen Zusammenhang zu tun. Wir sind nicht der Ansicht,

dass dieses spezielle Thema passend für Trainingsinstitute ist, die ihren eigenen, klar

definierten Zweck haben.”13
1.3.1 Systematisches Herangehen

Das Dokument über Trainingsinstitute vom April 1998 zeigt auf, dass es eine komplexe Aufgabe ist,

Materialien für ein Curriculum zu entwickeln, das den Aufbau von Wissen und Fertigkeiten mit der

Kultivierung innerer Werte in einer Kursfolge verbindet, die die Gläubigen für stets höhere Stufen des

Dienstes vorbereitet. Aus diesem Grund wurden Nationale Gemeinden ermutigt, Materialien zu

verwenden, die bereits in anderen Teilen der Welt vorbereitet wurden, eine systematische

Herangehensweise verwendeten und darauf ausgerichtet waren, die Gläubigen zu befähigen, sich zu

erheben und zu dienen.

“Das Haus der Gerechtigkeit ist vom vorgeschlagenen Aktionsplan Ihres Instituts sehr

ermutigt und ist besonders erfreut festzustellen, dass es sich auf die Durchführung seines

Programms konzentriert und dabei auf bereits vorhandene Materialien baut und nicht

zulässt, dass seine Zeit mit Planung und Entwicklung verbraucht wird.”14

Ein Teil der Aufgaben des Internationalen Lehrzentrums ist die Begutachtung von Institutscurricula,

die in der Bahá´í-Welt verfügbar sind. Im diesem Zusammenhang wurde das Material des Ruhi-

Instituts für besonders angebracht empfunden. Viele nationale Gemeinden benutzen das Curriculm des

Ruhi-Instituts als Brennpunkt ihres Trainingsinstituts oder als einen ihrer Studiezweige.

Das Curriculum des Ruhi-Instituts wurde über viele Jahre hinweg getestet und angepasst. Es hat den

Freunden in vielen Ländern die Möglichkeit gegeben, in kurzer Zeit ihren Institutsprozess in Gang zu

bringen. Anstelle die Teilnehmer zu passiven Zuhörern einer Vielzahl von nicht zusammenhängenden

Vorträgen zu machen, versucht das Material des Ruhi-Instituts die Freunde vollständig in den

Lernprozess einzubinden. Bahá´í aus einem großen kulturellen und erzieherischen Hintergrund haben

die täuschend einfache Herangehensweise, die stark auf das Verbinden des Gläubigen mit dem

schöpferischen Wort aufbaut, sowohl ansprechend als auch bestärkend empfunden.

Selbst in jenen Ländern, in denen das Material des Ruhi-Instituts als das Hauptcurriculum oder als

eine der Kursfolgen gewählt wurde, fanden gelegentlich Veränderungen und Anpassungen an örtliche

Bedingungen statt. In einigen wenigen Ländern wurde ein Anfängerkurs für neue Gläubige entwickelt,

und dem Buch 1 vorangestellt. In manchen Gegenden wurden die Bücher des Ruhi-Instituts mit

anderen Materialien ergänzt, um den örtlichen Bedingungen gerecht zu werden. Im Laufe der Zeit

werden in den verschiedenen Teilen der Welt durch systematische erzieherische Erfahrung andere

aufeinander aufbauende Curricula entwickelt, welche die gleiche Kohärenz aufweisen werden wie sie

das Material des Ruhi-Instituts erlangt hat, die aber aus dem Erfahrungsschatz verschiedener

nationaler Gemeinden abgeleitet sind.
1.3.2 Kursfolge

Das Universale Haus der Gerechtigkeit hat die Bedeutung einer Kursfolge zur Vorbereitung der

Freunde auf die Verbreitungs- und Festigungsarbeit betont:

“…Es mag für Sie an der Zeit sein über die Einführung einer weiteren Komponente in Ihr

Institutsprogramm nachzudenken. Anders als bei Kursen zur Vertiefung des Großteils der

Gläubigen, würde diese Komponente einem bestimmten Anteil der Freunde, insbesondere

jungen Menschen mit einer formalen Erziehung helfen, und bei ihnen die Fähigkeit erweitern

jene Aufgaben wahrzunehmen, die mit einem beschleunigten Prozess der Ausbreitung und

Festigung verbunden sind. Es würde zur Wahl einer Kursfolge führen, die aufeinander

aufbauend die Studenten schrittweise mit dem Wissen, den Fertigkeiten und Qualitäten

ausstattet, die nötig sind, um dem Glauben mit einer wachsenden Effektivität zu dienen.”15

Die Einbindung der Freunde in Trainingsinstitutskurse wurde mit großen Schritten begangen, aber es

bedarf einer großen Aufmerksamkeit, um sicherzustellen, dass sie systematisch eine Folge von Kursen

durcharbeiten.

“Sobald die Kursfolge ausgesucht ist, wird eine stetig wachsende Zahl Gläubiger gefunden,

die den ersten Grundkurs besuchen und dann wird einem relativ bedeutenden Prozentsatz

geholfen, immer höhere Kurse zu erreichen und dadurch ihre Fähigkeiten des Dienstes zu

erweitern.”16

In Ländern mit kleinen Bahá´í-Gemeinden hat eine große Zahl von Freunden nicht nur einen Kurs,

sondern nacheinander eine Kursfolge absolviert. Aber die Erfahrung hat gezeigt, dass in Ländern mit

einer großen Bahá´í-Gemeinde, die meisten Teilnehmer nur die erste Kursstufe besuchen. Für eine

Gemeinde wie Indien, in der ungefähr 34.000 Gläubige die erste Kursstufe absolviert haben, ist dies

zweifelsohne eine große Errungenschaft. Dennoch sollte im selben Ausmaß wie die Zahl jener, die

dem Institutsprogramm beitreten, stetig wächst, auch der Anteil jener Gläubigen wachsen, die

nachfolgende Kurse besuchen. Somit wird die Entwicklung menschlicher Ressourcen durch das Bild

einer stetig wachsenden Pyramide charakterisert. Die Größe der “Pyramide” ist ein Zeichen für den

Erfolg einer nationalen Gemeinde in der Schaffung menschlicher Ressourcen zur Abdeckung ihres

Bedarfs für die Aufgaben der Verbreitung und Festigung.

In Ländern, in denen die menschlichen Ressourcen wachsen, wurden zusätzlich zu den

Grundlagenkursen auch andere Studienzweige eingeführt. Diese Zweige können Gebiete wie zum

Beispiel Kindererziehung, Alphabetisierung oder Gesundheit zum Ziel haben.

1.4 Kurssystem und Durchführung

Die Bahá´í haben weltweit mit verschiedenen Arten von Kurssystemen experimentiert, um die

Reichweite ihrer nationalen oder regionalen Trainingsinstitute zu erweitern. Zusätzlich zu Kursen in

zentraler Lage wurden in einigen Ländern verschiedene Systeme der Ausbildung vor Ort erfolgreich

eingeführt. Diese schließen Ergänzungskurse ein, in denen das Programm des nationalen Instituts in

einem Gebiet abgehalten wird, das Bahá´í aus einer Ansammlung von Dörfern und Städten einbezieht;

Institutskampagnen, bei denen über einen Zeitraum von einigen Wochen eine Reihe von

Intensivkursen auf örtlicher Ebene angeboten werden; und Studienkreise, bei denen eine kleine

Gruppe von Gläubigen regelmäßig in ihrer eigenen Gemeinde mit einem ausgebildeten Tutor

zusammenkommt, der ihnen beim Fortschritt durch die ausgewählte Kursfolge hilft.

1.4.1 Ausbildung vor Ort

Im frühen Stadium des Aufbaus vieler Institute in den ersten zwei Jahren des Vier-Jahres-Planes,

wurden Gruppen von Gläubigen für eine Woche oder für einige Wochenenden in einem zentralen Ort,

entweder in der Hauptstadt oder in einem regionalen Zentrum zusammengebracht, die dann an den

Trainingskursen teilnahmen und anschließend in ihre Heimatgemeinden zurückkehrten. Es wurde aber

klar, dass die Zahl der Gläubigen, die mit dieser Herangehensweise ein Training erhalten können, bald

einen Grenzwert erreichen würde. Nicht nur wegen der Zahl der Freunde, die das Training durchlaufen

oder wegen der Kosten und Unannehmlichkeiten, die mit dem Reisen und der Teilnahme an einem

ortsgebundenen Programm verbunden sind, hat sich das Studium vor Ort als ein effektives Kurssystem

erwiesen. In vielen Fällen hat das Haus der Gerechtigkeit den Wert dieser dezentralisierten

Herangehensweise betont:

“Die Versorgung mit Institutskursen kann erweitert werden, wenn eine gut durchdachte

Kursfolge ausgesucht und eine Gruppe von Tutoren ausgebildet wird, die dann die Kurse auf

örtlicher Ebene überall in der Region für Gruppen wissbegieriger Gläubige anbieten.

Hierdurch wächst stetig die Zahl jener, die auf verschiedenen Ebenen im Institutsprogramm

studieren.”17

Durch ein dezentralisiertes Vorgehen zur Austragung von Kursen wird nicht die Verantwortung für

das Training auf örtliche Institutionen übertragen. Es ist vielmehr ein System, welches von nationalen

oder regionalen Instituten angewandt wird, um ihr Programm bis zur Basis auszudehnen. In einigen

Fällen hat das Haus der Gerechtigkeit den Zweck der Dezentralisierung erklärt, wie es im Dokument

“Trainingsinstitute” von April 1998 beschrieben ist:

“Die Lösung scheint nicht im Aufbau lokaler Institute zu liegen, die unabhängig vom

nationalen Institut sind… Diese laufen Gefahr sich in Vertiefungsklassen zu wandeln. Damit

soll nicht ausgedrückt werden, dass die örtliche Gemeinde nicht weiterhin regelmäßige

Vertiefungsprogramme abhalten sollte. Aber was die Entwicklung menschlicher Ressourcen

anbetrifft, so scheint die erfolgreichste Methodik zur Erreichung der Gläubigen auf

örtlicher Ebene in der Gründung von Studienkreisen zu liegen, die durch ein nationales

Institut oder eines seiner Zweige koordiniert werden.”18

1.4.2 Studienkreise

Von den oben erwähnten drei Kurssystemen ist die auf allen Kontinenten am weitesten verbreitete

Form der Studienkreis, manchmal auch Studiengruppe oder Lernkreis genannt. Das Haus der

Gerechtigkeit hat zu dieser flexiblen und preiswerten Version des Studiums vor Ort ermutigt:

“Es kann sein, dass solche Kurse zunächst in Institutsgebäuden angeboten werden müssen,

aber sobald eine wachsende Zahl von Tutoren ausgebildet ist, können in Folge im ganzen

Land Studienkreise errichtet werden. Ein solches System des Studiums vor Ort scheint den

geographischen Gegebenheiten in Papua Neu Guinea besonders angemessen zu sein.”19

“…das System, Kurse durch Studienkreise auszutragen, ein System, das, wie wir verstehen,

das nationale Bahá´í-Institut von Bolivien nach und nach überall im Land aufbauen möchte,

ist geeignet, um die Institutskurse auf die örtliche Ebene zu bringen. In diesem Fall wird eine

Kursfolge einer kleinen Gruppe von Gläubigen in Dörfern und Städten durch Tutoren

angeboten, die selbst durch das Institut oder seinen in der Region wirkenden Zweig

ausgebildet wurden. Die Bemühungen ein solch ausgedehntes System zu etablieren, können

nur in einem Umfeld fruchten, das durch einen Geist der Einheit und Zusammenarbeit

zwischen den Institutionen des Glaubens gekennzeichnet ist.”20

Es ist ein herausragendes Merkmal von Studienkreisen, dass sie in vielen Ländern und über

verschiedene Kulturen hinweg eine neue Dynamik in den Gemeinden entwickelt haben, eine

Keimzelle des Gemeindelebens und Katalysatoren für das Lehren, den Dienst und die

Gemeindeentwicklung wurden. Ergänzend zum Studium des Institutskurses beteiligen sich vielfach

die Teilnehmer von Studiengruppen, Bahá´í wie Nicht-Bahá´í, in Dienst und Aktivitäten außerhalb der

Kurse, die die Gruppe in Freundschaft zusammenbindet und andere zu dieser Art des Lernens

hinziehet. Nachdem sie den aktiven und selbstverantwortlichen Lernstil der Kurse erlebt haben,

entwickeln die Mitglieder der Studienkreise nach und nach eine stärkere Verantwortung zum aktiven

Dienst und zur Anwendung des Wissens und der Fertigkeiten, die sie erlangen in der Arbeit für den

Glauben. Einige Mitglieder von Studienkreisen werden schließlich selber zu Tutoren ausgebildet und

beginnen dann ihre eigenen Studienkreise.

Nach dem Studium eines Kurses werden viele Mitglieder eines Studienkreises zusammenbleiben, um

am nächsten Kurs teilzunehmen, aber einige können auch aussteigen, bis sie bereit und in der Lage

sind, einen folgenden Kurs zu besuchen. Wenn Freunde in den nächsthöheren Kurs wechseln und

andere Freunde in unterschiedlichen Folgen dazustoßen, wird sich die Zusamensetzung eines

Studienkreises langsam verändern. Obwohl sich die Mitglieder von Studienkreisen oft in sozialen

Aktivitäten und im Dienst zusammenschließen, sollte es nicht erlaubt werden, dass unter ihnen

irgendwelche Gefühle der Exklusivität entstehen. Darüber hinaus sollten die Studienkreise durch den

Geist der Beratung in der Planung von Freizeit-, Lehr- und Dienstaktivitäten geführt sein.

Da ein Kernziel von Studienkreisen der Aufbau menschlicher Ressourcen ist, die in der Gemeinde

eingesetzt werden, ist es nötig, dass die örtlichen Geistigen Räte, die regionalen Lehrausschüsse und

die Hilfsamtsmitglieder wissen, wo sich diese befinden und auf ihre Mitglieder für Aufgaben des

Lehrens und der Festigung zurückgreifen. Einige Briefe im Auftrag des Hauses der Gerechtigkeit

beziehen sich auf die Bedeutung der Zusammenarbeit in der Unterstützung der Freunde bei ihren

Lehrbemühungen:

“…in einer Gemeinde mit einem funktionierenden örtlichen Geistigen Rat, würde dieser mit

dem nationalen Institut oder seinem Zweig bei der Unterstützung der Arbeit der

Studienkreise zusammenarbeiten, während er gleichzeitig seine eigenen Pläne der

Ausbreitung und Festigung der Sache verfolgt.”21

Persönliches Lehren bedarf der Anregung durch die Institutionen; es muss auf der einen Seite durch

den Nationalen und örtlichen Geistigen Rat und auf der anderen Seite durch die Berater und ihre

Hilfsamtsmitglieder gestärkt werden. Die Institutionen sollten auch die Mitglieder von Studienkreisen

und andere Einzelne in ihrer Gemeinde im Feld des Dienstes, welches durch persönliche Initiative

entsteht, fördern und unterstützen.
1.4.3 Tutoren und Tutorenausbildung

Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Auswahl und Ausbildung von Tutoren für

die Ausdehnung des Institutsprozesses an der Basis und für den Erfolg der Studienkreise wesentlich

ist. In vielen Teilen der Welt hat diese Feststellung dazu geführt, dass ein besonderes Augenmerk auf

die Entwicklung einer stetig wachsenden Zahl von Tutoren gelegt wurde. Diese waren entweder

Teilnehmer der Studienkreise oder erfahrene Gläubige, die an Veranstaltungen teilnahmen, die den

Institutskurs mit einer Tutorenausbildung verbindet.

Da die Effektivität der Tutoren für den Erfolg des Institutsprozesses entscheidend ist, wurde immer

mehr Aufmerksamkeit auf den Inhalt der Ausbildung gelegt und auf Fertigkeiten, die benötigt werden,

um Studienkreise zu organisieren und Teilnehmer durch die Kurse zu begleiten, sowie auf die

notwendige Haltung um die Teilnehmer in ihrem Lernen zu unterstützen und um den Zusammenhalt

der Gruppe zu gewährleisten. Tutoren benötigen eine Ausbildung darin, wie sie die Aufmerksamkeit

der Teilnehmer auf das Material konzentrieren, wie sie Fragen formulieren, die zum Nachsinnen

anregen und wie eine aktive Teilnahme in der Gruppe gestärkt wird. Sie müssen die Qualitäten von

Liebe, Demut und Geduld mit jener Hingabe, Standhaftigkeit und Verbindlichkeit verbinden, die nötig

ist, um eine geistige Atmosphäre zu fördern, die dem Lernen zuträglich ist. Es sollte betont werden,

dass die Tutorenausbildung keine einmalige Angelegenheit, sondern eine anhaltende Aktivität ist, zu

der Tutoren regelmäßig zusammenkommen, um Erfahrungen und Gedanken auszutauschen. In vielen

Ländern haben sich Jugendliche mit Schulbildung als ausgezeichnete Quellen für Institutstutoren

erwiesen.

Regionale Koordinatoren, die oft aus den Reihen der Tutoren stammen, werden die gleichen

Fähigkeiten und zusätzlich etwas administrative Fertigkeiten benötigen, um die Daten und Statistiken

bereit zu stellen, den Fortschritt der Studienkreise zu verfolgen, Ausbildungsprogramme zu

organisieren, Tutoren zu betreuen und um die Arbeit des Instituts mit den Aktivitäten der Institutionen

in der Region zu koordinieren.
2. INSTITUTE IN AKTION
2.1 Menschliche Ressourcen entwickeln

Wenn die Gläubigen in jedem Land eine Kursfolge durchlaufen und ihr Können und ihre Fähigkeiten

ausgebaut werden, ist es anschließend die Verantwortung der Institutionen des Glaubens dafür zu

sorgen, dass die Energie, die Talente und die neu entwickelten Fähigkeiten dieser Freunde in

irgendeine Form des aktiven Dienstes am Glauben münden. Hierzu hebt das Haus der Gerechtigkeit

hervor:

“Ihnen sollten vielfältige Möglichkeiten gegeben werden um das, was sie gelernt haben, in

die Praxis umzusetzen. In diesem Zusammenhang müssen Sie in Ihrer Gemeinde eine

ermutigende Atmosphäre schaffen, in der die Freunde sich bestärkt fühlen, hervorzutreten

und unabhängig von ihren jeweiligen Fähigkeiten die Arbeit des Glaubens aufzunehmen.”22

Einer der spannendsten Aspekte bei der Zusammenfassung der Errungenschaften des Vier-Jahres-

Planes war die Untersuchung der weltweiten Entwicklung der Trainingsinstitute und die

Erfolgsmeldungen nationaler Gemeinden beim Fortschritt im Prozess des Beitritts in Scharen. Jeder

Kontinent hat seine eigenen Herausforderungen und Erfolgsberichte in der Entwicklung der

Trainingsinstitute gehabt. Es hat sich aber ein übergreifendes Muster hervorgetan, das nicht auf ein

Land oder einen Teil der Welt beschränkt ist, sondern der Bahá´í-Welt eine gemeinsame Richtung für

ihre Entwicklung menschlicher Ressourcen aufzeigt.

Früher hatte Afrika einige Jahre Erfahrung mit Instituten, aber ein Richtungswechsel vom Anbieten

von Vertiefungsklassen hin zum Aufbau von Ausbildungsprogrammen musste stattfinden. Um diese

neue Ausrichtung umzusetzen, wurde ein Hauptaugenmerk auf die Tutorenausbildung und auf die

Übersetzung von Institutsmaterial in Französisch und Portugiesisch, sowie in viele lokale Sprachen

gelegt. Trainingsinstitute haben in einigen nationalen Gemeinden in Afrika einen bedeutenden

Fortschritt gemacht und dabei die Abdeckung des Institutsprozesses in jedem Land ausgeweitet und

gleichzeitig soziale und wirtschaftliche Entwicklungsprogramme initiiert. Das Bahá´í-Institut für

Entwicklung in Uganda hat ein beeindruckendes Kurssystem; mehr als 1.500 Freunde haben einen

Kurs der Stufe eins absolviert und 35 Prozent von ihnen haben höhere Kursstufen durchlaufen. In

Sambia hatte das Trainingsinstitut einen ähnlichen Erfolg. Fast 1.000 Personen haben den ersten Kurs

absolviert und ein Drittel dieser Teilnehmer hat höhere Kurse aus der Folge abgeschlossen. Sowohl

Uganda als auch Sambia haben systematisch Tutoren ausgebildet - 185 bzw. 144 - um ihre

Kurssysteme zu unterstützen.

Der amerikanische Kontinent hat eine enorme Beschleunigung in der Entwicklung menschlicher

Ressourcen erlebt. Es gibt mehr als 500 Studienkreise in Lateinamerika und es wurden fast 1.000

Tutoren ausgebildet. Allein in Brasilien war die Entwicklung menschlicher Ressourcen

beeindruckend: es gibt dort 568 Tutoren und 260 Studienkreise mit mehr als 5.000 Gläubigen, die am

Institutsprozess teilnehmen und von denen gut 400 zur Gruppe der “Junior-Jugend” gehören. Das Ruhi

Institut in Kolumbien hat mehr als 40 Mitgliedern Nationaler Räte und Institutsboards eine

Ausbildung gewährt und hat eine Gruppe von 16 Personen darauf vorbereitet, Institute in

verschiedenen Ländern zu ihren Programmen zu beraten. In den Vereinigten Staaten wurde die

Ausbildung in der Methodik des Core-Curriculum, einer der Kurszweige des Instituts in jenem Land,

für Bahá´í aus mehr als 52 Ländern angeboten.

In allen 39 Staaten Asiens, die einen Nationalen Rat haben, wurden Trainingsinstitute aufgebaut und

sie erreichten die höchsten Beteiligungsraten, sowohl in absoluten Zahlen als auch prozentual.

Ungefähr 60.000 Freunde haben an mindestens einem Trainingsinstitutskurs teilgenommen – von

diesen stammen gut 34.000 aus Indien. Nepal hat mit ungefähr 20 Prozent seiner Bahá´í, die die erste

Kursstufe abgeschlossen haben, eine hohe Teilnahmerate aufgezeigt. In Rußland und den anderen

Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten hat ein hoher Prozentsatz der nationalen Gemeinden

an mindestens einem Institutskurs teilgenommen – zum Beispiel 60 Prozent der Bahá´í in Armenien

und 35 Prozent der Freunde in Kasachstan. In den arabischen Staaten steigen die Prozentsätze teils

aufgrund der kleinen Gemeinden noch höher – 76 Prozent in Bahrain, 43 Prozent in Kuwait und 36

Prozent in Oman.

Diese ausgedehnte Beteiligung der Gläubigen in den Instituten spiegelt sich in den Errungenschaften

der nationalen Gemeinden bei der Übersetzung des Curriculum in die örtlichen Sprachen wider – 14 in

Indien, 10 in Südostasien und 5 in Zentralasien. Die meisten Institute in Asien und in Afrika haben in

ihren Instituten unterschiedliche Kurszweige entwickelt, so dass zusätzlich zu Grundlagenkursen

weitere Programme zur Alphabetisierung, Kurse zur Werteerziehung, sowie in manchen Fällen Kurse

für “weiterführende Bildung” existieren.

So, wie die Institute in Afrika, konzentrieren jene in Austral-Asien ihre Kräfte vermehrt auf das

Anbieten von Trainingsprogrammen, anstelle von nur Vertiefungsklassen. Ressourcen von außerhalb

werden verwendet um englisch- und französischsprachige Tutoren für Australien, Neuseeland und 10

pazifische Inseln auszubilden. Eine Folge von Kursen und Studienkreisen wurde in verschiedenen

Bundesstaaten Australiens und auf den größeren Inseln von Hawaii aufgebaut. In Papua Neu-Guinea

hat das Institut ein effektives Netzwerk aufgebaut um Kurse – zumeist in der Natur von Vertiefungen

– für zwei Drittel der Gläubigen abzuhalten. Nun konzentriert sich das Institut darauf, Kursfolgen

durchzuführen, die einen Teil dieser Freunde für die Aufgaben der Verbreitung und Festigung

ausbilden.

Europa hat seine Trainingsinstitute auf eine Kursfolge mit einem dezentralen Kurssystem neu

ausgerichtet. Vom Baltikum bis hin zum Balkan wurde eine Gruppe von 125 Tutoren ausgebildet und

über den ganzen Kontinent hinweg werden Ressourcen ermittelt, um nationale Gemeinden mit

Trainingsinstituten zu helfen. Über einen Zeitraum von neun Monaten wurden 12 regionale Seminare

zur Tutorenausbildung in England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Schweden, Tschechien,

Albanien, Rumänien und Weißrussland abgehalten. Aus diesen Bemühungen heraus wurden

Studienkreise in einem Land nach dem anderen begonnen.

2.2 Einfluss auf Lehren und Wachstum

Obwohl stets eine Vielzahl von Faktoren zum Wachstum in der Gemeinde beitragen, belegen Berichte

von Beratern und Nationalen Räten über Errungenschaften im Feld des Lehrens, dass diese

Entwicklungen in wachsender Zahl direkt oder indirekt durch den Institutsprozess beeinflusst werden.

In Bangladesch, wo der Prozess der Trainingsinstitute gut etabliert ist, sind über 11.000 Gläubige im

dritten Jahr des Vier-Jahres-Planes dem Glauben beigetreten. Eine in jenem Land von Mitgliedern der

Institutionen durchgeführte Studie stellte heraus, dass fast 8.000 dieser Erklärungen das Ergebnis des

Lehrens einzelner Teilnehmer der Institute, insbesondere der Tutoren, waren. Aus Südafrika wurde

berichtet, dass zwischen den ersten zwei Jahren des Vier-Jahres-Planes und dem dritten Jahr, in dem

der Institutsprozess bereits voll im Gange war, ein Anstieg von 40 Prozent in der Zahl der

Neuerklärungen stattfand. Der Nationale Geistige Rat hat daraus abgeleitet, dass dieses starke

Wachstum primär das Ergebnis der Initiative Einzelner ist, die durch die Trainingsinstitutskurse

angeregt wurde.

Lokale Lehrprojekte und Lehrkampagnen wurden mit wachsendem Ehrgeiz aufgenommen und haben

den Teilnehmern der Institute einen breiten Weg des Dienstes aufgetan. Zusätzlich zu dem 30-

prozentigen Anstieg in der Zahl der seit 1998 durch das Lehrzentrum finanzierten Lehrprojekte, hat

die Nachricht von einigen Hundert lokal begonnenen Projekte, von denen viele selbsttragend sind, den

Anstieg in der Geschwindigkeit des Lehrens in verschiedenen Teilen der Welt belegt.

Berichte deuten auch an, dass es weltweit einen deutlichen Anstieg in der Zahl der Heimkreise

gegeben hat; dies ist ein Indikator für das Ausmaß des Lehrens, das durch die Initiative Einzelner

unternommen wurde. In Irland wirkte ein Programm mit dem Titel “Core-Project” in Zusammenhang

mit einer Serie von Trainingsinstitutskursen und hatte die Bildung von 20 Heimkreisen zum Ziel. Ein

ähnlicher Trend wurde in der Slowakei festgestellt, wo im letzten Jahr des Vier-Jahres-Planes eine

nationale Heimkreis-Kampagne begonnen wurde. In den südlichen Regionen der Vereinigten Staaten

hat die Initiative Einzelner, insbesondere Institutsteilnehmer, zu einer steigenden Zahl von

Heimkreisen geführt. Es gab auch einen nennenswerten Anstieg in der Zahl der Heimkreise in den

südlichen Regionen Australiens - in Victoria, New South Wales und West Australien – sowie in

einigen Insel-Gemeinden des Pazifik wie Tonga, wo über 660 Seelen in den vergangenen drei Jahren

dem Glauben beigetreten sind. Der Nationale Geistige Rat von Japan hat seine Heimkreis-Ziele für

den Vier-Jahres-Plan weit übertroffen.

Parallel hierzu und ein weiterer Beitrag zur geistigen Atmosphäre, die für Lehren und Wachstum

notwendig ist, ist der dramatische Anstieg in der Zahl von weltweiten Gebetsveranstaltungen. Das

Dokument vom April 1998 über Trainingsinstitute nennt den Aufbau von Gebetsveranstaltungen als

eine der ersten Akte des Dienstes, den jene übernehmen können, die einen Institutskurs beendet haben.

Solche Veranstaltungen wurden in einigen Ländern Asiens, hunderte davon allein in Indien, und in

vielen Ländern Lateinamerikas begonnen.
2.3 Direkte Lehrinstrumente

Im selben Dokument über Trainingsinstitute wurde vorgeschlagen, dass kleine Bahá´í-Gemeinden die

über einen großen Anteil gebildeter Gläubiger verfügen, die Öffnung ihrer Institutskurse für Nicht-

Bahá´í in Erwägung ziehen können. Als direktes Ergebnis der Institutskurse wurde eine Zahl von

Erklärungen aus Ländern wie Frankreich, Griechenland, Korea und Nepal gemeldet, sowie von

Ländern mit großen Bahá´í-Gemeinden wie Äthiopien, Taiwan, Türkei und die Vereinigten Staaten.

Ergänzend hierzu öffnen nun die Baltischen Staaten, Weißrussland, Finnland und die Ukraine einige

ihrer Kurse für Nicht-Bahá´í. Auch Länder, die wie Indien, Bangladesch und die Philippinen eine

große Ausbreitung erfahren haben, ziehen ihre Vorteile aus dieser Herangehensweise ans Lehren.

Diese Länder haben die Erfahrung gemacht, dass die meisten Nicht-Bahá´í, die am Institutsprogramm

teilnehmen, den Glauben nach Abschluss des ersten Kurses annehmen.

3. SYSTEMATISIERUNG DES LEHRENS (Regionale Wachstumsprogramme)

Um das Wachstumspotential festzustellen, das die Ausbildung menschlicher Ressourcen mit sich

gebracht hat, muss die Aufmerksamkeit auf die Systematisierung des Lehrens gelenkt werden. Das

Haus der Gerechtigkeit hat in seiner Botschaft an die Bahá´í-Welt, in der es den Zwölf-Monats-Plan

und den Fünf-Jahres-Plan ankündigt, diese Herausforderung an die Gemeinden dargestellt:

“Während dieser einjährigen Anstrengung ist es notwendig, dass nationale und regionale

Institute überall die Programme und Systeme, die sie jetzt entwickelt haben, zur vollen

Anwendung bringen. Nationale Gemeinden sollten den Fünf-Jahres-Plan im Vertrauen

darauf beginnen, dass der Erwerb von Wissen, Qualitäten und praktischen Fähigkeiten des

Dienstes seitens einer großen Zahl von Gläubigen mit Hilfe aufeinander aufbauender

Kursfolgen ungehindert fortgesetzt wird. Große Aufmerksamkeit muss auch der weiteren

Systematisierung der Lehranstrengungen zukommen, egal ob sie von Einzelnen

unternommen oder von Institutionen geleitet werden.”23

Die weitere Systematisierung der Lehrtätigkeiten im Blick, hat das Internationale Lehrzentrum

bestimmte Muster der Ausbreitung und Festigung festgestellt, die zu einem beschleunigten und

anhaltenden Wachstumsprozess führen. Diese Herangehensweise an systematisches Lehren wird in

Zusammenhang mit “Regionalen Wachstumsprogrammen” entwickelt, die sich auf relativ kleine

geographische Gebiete mit einer überschaubaren Zahl von Gemeinden konzentriert. Im Herzen der

Regionalen Wachstumsprogramme steht ein systematischer Institutsprozess unter der Anleitung des

nationalen oder regionalen Instituts. Mit der steigenden Zahl der Gläubigen, die die Kurse des

Trainingsinstituts durchlaufen haben, wächst der Pool menschlicher Ressourcen für die verschiedenen

Aktivitäten der Ausbreitung und Festigung. Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten werden diese

Freunde darin ermutigen, ihre neu gewonnenen Fähigkeiten im Lehren des Glaubens und im Dienst,

wie zum Beispiel dem Abhalten von Gebetsveranstaltungen, dem Vertiefen ihrer Mitgläubigen und im

Abhalten von Kinderklassen einzusetzen. Die Beteiligung der Freunde an der Basis, wo die Gläubigen

vor Ort miteinander beraten, zur Tat schreiten und sich gegenseitig bei Einzel- oder

Gruppenaktivitäten unterstützen, ist ein fundamentaler Charakterzug eines Regionalen

Wachstumsprogramms.

Institutsteilnehmer und auch andere Gläubige vor Ort werden an Seminaren und Konferenzen,

regionalen Lehrkampagnen und sozialen und wirtschaftlichen Projekten in ihrem Gebiet teilnehmen.

Örtliche, gemeinsame Unternehmungen werden langsam entstehen, regionale Ausschüsse und örtliche

Geistige Räte werden ihre eigenen Pläne der Ausbreitung und Festigung formulieren und die Freunde

beginnen die Verantwortung für systematisches Wachstum in ihren Gemeinden zu tragen.

Der mit dem Vier-Jahres-Plan begonnene Lernprozess über Wachstum hat die Vision bestätigt, welche

das Haus der Gerechtigkeit in seiner Ridván Botschaft 153 gab, wonach der Fortschritt im Prozess des

Beitritts in Scharen vom Heranziehen einer großen Zahl ausgebildeter Freunde abhängt. Während eine

steigende Zahl von Bahá´í die Institutskurse absolviert und dabei eine stärkere Bahá´í-Identität und

dadurch den Wunsch zu dienen entwickelt, wird eine Dynamik des Wachstums in unseren Gemeinden

geschaffen. Selbst wenn nur ein Bruchteil der Teilnehmer aktive Lehrer werden, wird das Durchlaufen

einer Kursfolge von immer mehr Bahá´í einen Geist entstehen lassen, der die Gläubigen motiviert und

die Gemeinde wiederbelebt. Aus diesem Grund wird es die Strategie der Regionalen

Wachstumsprogramme sein, die Ausbreitungs- und Festigungsarbeit auf die Institute aufzubauen.

4. HERAUSFORDERUNGEN FÜR TRAININGSINSTITUTE

Das weltweit außerordentliche Wachstum der Institute hat eine ganze Zahl Herausforderungen mit

sich gebracht. Einige von diesen sind allgemeine Punkte, der viele Gemeinden begegnen, während

andere spezifisch für Kontinente oder einzelne Länder sind. Es ist eine allgemeine Priorität der

nationalen Gemeinden, über die Errungenschaften ihrer Institute nachzusinnen, die Effizienz ihrer

Herangehensweise zu beurteilen und bestimmte Elemente im Lichte der Erfahrung und neuer

Umstände zu verändern. Diese Analyse und Begutachtung sollte regelmäßig zwischen Nationalen

Räten und Beratern sowie zwischen Institutsboards, Hilfsamtsmitgliedern und, wo zutreffend, den

Regionalen Räten stattfinden.
4.1 Qualität und Effektivität

Während des Vier-Jahres-Planes arbeiteten die meisten nationalen Gemeinden am Aufbau und der

anfänglichen Funktionsfähigkeit des Institutsprozesses. Am Anfang hatte grundsätzlich der Fokus auf

den Aufbau institutioneller Kapazität zum Abhalten einiger Grundlagenkurse Vorrang vor der

Beschäftigung mit der Qualität des Programms. Nach und nach wird nun dem Gleichgewicht zwischen

Quantität und Qualität eine steigende Bedeutung beigemessen. Während das Erreichen großer Scharen

von Gläubigen durch das Institutsprogramm noch immer eine Priorität ist, muss gleichzeitig die

Aufmerksamkeit der Verbesserung seiner grundlegenden Effektivität gewidmet werden. In dem

Ausmaß wie Institute bemüht sind die Qualität des Trainings und Kurssystem zu verbessern, kommen

sie der Erfüllung des Zieles näher “große Zahlen von Gläubigen” hervorzubringen, “die dafür

ausgebildet sind den Prozess des Beitritts in Scharen mit Effizienz und Liebe zu stärken und zu

fördern.” 24
4.2 Analphabetismus

Eine große Zahl von Ländern leidet unter einer niedrigen Alphabetisierungsquote. In einigen

Bevölkerungen oder Gegenden ist die Quote so gering, dass es eine Herausforderung für den

Institutsprozess darstellt. Das Haus der Gerechtigkeit hat betont, dass Institute zu Beginn nicht von

diesem Problem zurückgehalten werden sollen.

“Es sollte bedacht werden, dass nicht jeder Gläubige in Tansania notwendigerweise an

Ihrem Institutsprogramm teilnehmen wird. Vielmehr wird ein gewisser Prozentsatz der

Freunde die Ausbildung erhalten müssen, um ihre Fähigkeit zu erweitern, um die Aufgaben

der Ausbreitung und Festigung, einschließlich des Lehrens und Vertiefens der Mehrheit der

Gläubigen zu übernehmen. Daher sollte die Frage des Analphabetentums in dieser frühen

Phase des Aufbaus der Institute keine zentrale Rolle spielen. Die vor Ihnen liegende

unmittelbare Herausforderung ist es, einer großen Zahl der vielen fähigen Mitglieder ihrer

Gemeinde, insbesondere den jungen Menschen mit einer gewissen formalen Ausbildung,

beim Wachstum durch eine Folge von wenigen Grundkursen zu helfen. Sobald dieses

erreicht ist, kann es dem Institut möglich sein, sein Programm derart auszuweiten, um eine

zweite Kursreihe anzubieten, die der Entwicklung der menschlichen Ressourcen aus der

Gegend und der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung, einschließlich der

Alphabetisierung, dient.”25

Obwohl die derzeitigen Institutskurse auf Gläubige mit einer Grundschulbildung ausgerichtet sind,

kann mit der Entwicklung der Institute und durch das Anbieten von Alphabetisierungskursen in einer

Reihe zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung eine größere Aufmerksamkeit den

Anstrengungen zur Bewältigung des Problems des Analphabetentums gewidmet werden. Dies würde

sicherstellen, dass es weiterhin eine Reihe von Menschen gibt, die bereit sind die Ausbildung zu

durchlaufen und ebenso gewährleisten, dass bestimmte Gruppen mit einer höheren

Analphabetenquote, wie zum Beispiel Frauen, nicht aus dem Prozess der Entwicklung menschlicher

Ressourcen ausgeschlossen sind.
4.3 Ressourcepersonen

Ressourcepersonen der Institute sind Bahá´í, die eine umfangreiche Ausbildung und Erfahrung in der

Entwicklung von Trainingsinstituten auf nationaler Ebene gesammelt haben. Die letzten zwei Jahre

des Vier-Jahres-Planes wurden Zeuge einer größeren Wertschätzung des Einsatzes der

Ressourcepersonen durch die Institutionen des Glaubens. Eingesetzt unter Aufsicht des Kontinentalen

Berateramtes, haben sie eine bedeutende und vorteilhafte Rolle in der Beratung mit nationalen und

regionalen Institutionen über den Institutsprozess sowie in der Ausbildung von Koordinatoren und

Tutoren gespielt. Auf allen fünf Kontinenten wurden ausgezeichnete Ergebnisse aus diesen

Trainingsprogrammen erzielt. Das Lehrzentrum würde gerne auf jedem Kontinent eine Kerngruppe

solcher Individuen sehen, die den Institutionen zur Klarstellung von Konzepten, der Ausbildung von

Tutoren und der Ausdehnung der Kapazität der Institute zur Verfügung stehen. Diese externen Berater

sind jedoch kein Ersatz für den Prozess der Evaluation und des Nachsinnens, den Nationale Räte

zusammen mit den Beratern unternehmen und erhalten müssen, damit die Trainingsinstitute

vollständig lokal getragen und institutionalisiert werden.

4.4 Infrastruktur

In den ursprünglichen Phasen des Wachstums eines Institutes wurde keine Betonung auf den Erwerb

eines Gebäudes für das Programm gelegt. In diesem Zusammenhang hat das Haus der Gerechtigkeit

auf folgendes hingewiesen:

“In Bezug auf das permanente Trainingsinstitut werden Sie Büroräume benötigen, um die

Akten und die Administration dieser Organisation unterzubringen, aber die Institutskurse

müssen eine weitverstreute Bahá´í-Gemeinde erreichen. Natürlich wird für die Institutskurse

der Zugriff auf physische Räumlichkeiten nötig sein; dieses sollte aber nicht

notwendigerweise die Anschaffung eines dauerhaften Institutsgebäudes bedingen… Das

Haus der Gerechtigkeit ist der Ansicht, dass die mit der Anschaffung und Wartung eines

neuen Institutsgebäudes verbundenen Dinge… Ressourcen binden würden, die für die

eigentliche Entwicklung des Institutsprogramms besser eingesetzt wären.26

In den vergangenen vier Jahren wurde nationalen Gemeinden mit ausgedehnten Institutsprogrammen

ein ähnlicher Rat durch das Haus der Gerechtigkeit gegeben. Aber, wie die Botschaft vom 26.

Dezember 1995 an die Konferenz der Kontinentalen Beraterämter herausstellte, “kann” das Institut

“zu einem Zeitpunkt seiner Entwicklung ein eigenes Gebäude benötigen.”27 Ohne Zweifel muss bald

die Frage der Infrastruktur, insbesondere in Ländern, in denen eine große Zahl von Freunden eine

Kursfolge durchlaufen, sorgfältig überprüft werden.

Die Frage der Infrastruktur stellt sich nicht nur in Zusammenhang mit Gebäuden, sondern auch mit

den nötigen Vorkehrungen zum Erfassen und Sichern von Daten, der Kontaktpflege mit den Studenten

und dem Aufbau eines effektiven Ordnungssystems. Das Haus der Gerechtigkeit hat derartige

Entwicklungen kommentiert:

“Als nächstes bittet es uns, Sie für die Schritte zu würdigen, die Sie unternommen haben, um

in Ihrem nationalen Büro einen Platz einzurichten, welcher der Systematisierung und der

Verbreitung von Informationen über die Entwicklung menschlicher Ressourcen gewidmet ist.

Die Gemeinde über den Status ihres Institutsprogramms und die Errungenschaften jener, die

daran teilnehmen, auf dem Laufenden zu halten, wird Ihnen sehr helfen die Begeisterung

der Freunde für die Ausbildung aufrecht zu erhalten.”28

4.5 Finanzielle Unterstützung von Institutsmitarbeitern

Zusätzlich zur Zusammenarbeit mit den Nationalen Räten auf den Gebieten des Budgets, des

Management, des Curriculum und des Kurssystems, wurden die Berater und Hilfsamtsmitglieder

aufgerufen, die Verantwortung der Freunde zur Förderung der Lehrtätigkeit durch die finanzielle

Unterstützung der Institutsmitarbeiter zu wecken – eine Möglichkeit, die durch das Universale Haus

der Gerechtigkeit in seiner Ridván-Botschaft 153 eingeführt wurde. Dieser neue Maßstab hat den

Freunden eine weitere Möglichkeit eröffnet, um Bahá´u´lláhs Gebot zur Verbreitung des Glaubens

Gottes zu erfüllen, damit “wer nicht selbst in der Lage ist, dem wurde zur Pflicht gemacht jenen zu

ernennen, der an seiner Stelle die Offenbarung verbreitet…” Das Haus der Gerechtigkeit hat erklärt

wie der Aufruf zur finanziellen Unterstützung in den Rahmen des Lehrens passt und von der Antwort

des Einzelnen abhängt:

“Mit der Schaffung von Trainingsinstituten rund um den Globus ergibt sich für den

Einzelnen eine weitere Möglichkeit der direkteren Beteiligung in der finanziellen

Unterstützung; das Haus der Gerechtigkeit vertraut daher darauf, dass den Freunden dabei

geholfen wird, eine Verbindung mit den besonderen Zentren der Lehraktivität zu verspüren,

wohin ihre Beiträge zur finanziellen Unterstützung fliessen.”29

Obwohl lokale, regionale und nationale Institutionen die Freunde über die Bedeutung ihrer heiligen

Pflicht zum Lehren und über die Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung informieren, sind die

Berater und Hilfsamtsmitglieder in der vorteilhaften Lage, um die Einzelnen an der Basis zu erreichen

und ihr Interesse und ihre Verantwortung gegenüber dieser weltweiten Unternehmung zu wecken. Das

Haus der Gerechtigkeit hat hierzu erklärt:

“Deshalb wurden die Kontinentalen Berater und ihre Hilfsämter aufgerufen, als Amtsträger

mit einer besonderen Verantwortung für die Verbreitung, eine entscheidende Rolle in dieser

Angelegenheit zu spielen, denn die Hilfsamtsmitglieder und ihre Assistenten arbeiten an der

Basis der Gemeinde und sind bereitwillig in der Lage nicht nur die Einzelnen zum Lehren zu

motivieren, sondern sofern ihre materiellen Möglichkeiten es zulassen, sie auch aufzufordern

auf den Bedarf an finanzieller Unterstützung zu antworten.30

Es ist Aufgabe der Berater und Hilfsamtsmitglieder, die Freunde mit detaillierten Informationen über

den aktuellen Bedarf an finanzieller Unterstützung, einschließlich dem Unterstützungsbedarf der

Institutslehrer aus verschiedenen Teilen der Welt, zu versorgen.

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Abschließend kann gesagt werden, dass der “dynamische Stand der Verwandlung”, auf welchen in der

Ridván-Botschaft 156 verwiesen wurde, sehr treffend den Einfluss der Trainingsinstitute auf unsere

Gemeinden während des Vier-Jahres-Planes beschreibt. Das Institut ist zu einem zentralen Bestandteil

des Gemeindelebens geworden und beginnt menschliche Ressourcen in einem Ausmaß zu entwickeln,

wie es zu Beginn des Planes unvorstellbar war. Es ist klar, dass der Institutsprozess im Kern der

kohärenten Vision steht, der uns beim Voranbringen des Prozesses des Beitritts in Scharen leitet. Wie

das Universale Haus der Gerechtigkeit in der selben Botschaft ausdrückte: “Das Verständnis für die

Notwendigkeit der systematischen Entwicklung menschlicher Ressourcen etabliert sich überall.”31 Es

ist auch verständlich, dass der Prozess, den wir nun mit den Trainingsinstituten beschreiten, ein

Langzeit-Prozess ist.

Das Lernen, das in der systematischen Entwicklung menschlicher Ressourcen stattgefunden hat, wird

nun auf den Prozess des Lernens der Systematisierung des Lehrens ausgeweitet werden. Durch die

weltweite Einführung von Regionalen Wachstumsprogrammen wird ein neuer Schatz an Erfahrungen

hervortreten, der unsere Herangehensweise an das Lehren und unsere Strategien des Wachstums für

die nächsten zwei Jahrzehnte bestimmen wird. Diese Bemühungen der systematischen und unbeirrten

Aktion stehen für den tiefen Wunsch und die Verantwortung eines jeden Bahá´í, “die Absicht eines

Planes zu erfüllen, dessen Hauptziel es ist, die Prozesse zu beschleunigen, die es einer wachsenden

Zahl der Weltbevölkerung ermöglichen, das Ziel ihrer Suche zu finden und ein Leben in Einheit,

Frieden und Wohlergehen zu führen.” 32
QUELLENNACHWEIS

1 Ridván 153, Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá´í der Welt

2 Botschaft vom 26. Dezember 1995 des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Konferenz der

Kontinentalen Beraterämter

3 Brief vom 19.November 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Geistigen Rat von

Tschad

4 Brief vom 10. August 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat der Vereinigten Staaten

5 Ridván 153, Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá´í der Welt

6 ebenda

7 Brief vom 9. Dezember 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen

Geistigen Rat der Russischen Föderation

8 Ridván 153, Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá´í der Welt

9 Brief vom 19. Oktober 1997 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen

10 Ridván 156, Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá´í der Welt

11 Brief vom 27. März 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat von Vanuatu

12 Brief vom 18. März 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat des Vereinigten Königreichs

13 Brief vom 18. Januar 1999 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen

14 Brief vom 29. Juli 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat von Bolivien

15 Brief vom 9. Oktober 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat von Papua Neu Guinea

16 Brief vom 16. März 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat von Tonga

17 Brief vom 14. April 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat der Elfenbeinküste

18 Brief vom 5. Oktober 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen

19 Brief vom 9. Oktober 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat von Papua Neu Guinea

20 Brief vom 10. Dezember 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen

21 Brief vom 5. Oktober 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an einen Gläubigen

22 Brief vom 3. März 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Geistigen Rat von Hong

Kong

23 Brief vom 26. November 1999 des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá´í der Welt

24 Ridván 153, Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá´í der Welt

25 Brief vom 20. Mai 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat von Tansania

26 Brief vom 22. September 1999 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen

Geistigen Rat von Norwegen

27 Brief vom 26. Dezember 1995 des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Konferenz des Kontinentalen

Berateramtes

28 Brief vom 10. April 1998 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat von Indien

29 Brief vom 24. August 1999 im Auftrag des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an den Nationalen Geistigen

Rat der Vereinigten Staaten
30 ebenda

31 Ridván 156, Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit an die Bahá´í der Welt

32 ebenda

Aus der Botschaft des Universalen Hauses der Gerechtigkeit zu Ridván 153 an die Bahá’í der Welt (April 1996)

E:\Winword2\Institut\Kommission\Grundlagen\Uhg Febr2000.rtf

Trainingsinstitute und systematisches Wachstum Seite 15 von 16


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