aus Anlass des Tages des Bundes möchten wir uns eingehend mit der erhabenen Institution der Hände der Sache Gottes beschäftigen, noch unter dem nachwirkenden Eindruck des nur zwei Monate zurückliegenden Ablebens der letzten verbliebenen Hand der Sache Gottes, Dr. 'Ali-Muhammad Varqa. Es waren nur wenige Wochen vor dem fünfzigsten Jahrestag des Hinscheidens Shoghi Effendis, dass unsere Weltgemeinde einen so schmerzlichen Verlust erlitt. Es ist in der Tat ernüchternd sich zu vergegenwärtigen, dass der Abschied von Dr. Varqa die bemerkenswerte Treuhandschaft einer Institution beendete, deren Vermächtnis in der Religionsgeschichte ohnegleichen ist! In einem so bedeutsamen Augenblick im Gestaltenden Zeitalter des Glaubens ist es nur angemessen, sich mehr als zuvor um ein tieferes Verständnis für die Bedeutung der Errungenschaften einer so herausragenden Institution der Gemeindeordnung zu bemühen - einer Institution, die sich als so wesentlich für die Entwicklung unserer Weltgemeinde in den Jahren ihres Entstehens erwiesen hat.
Wir führen den Ursprung dieser Institution auf Bahá'u'lláh selbst zurück, der vier angesehene Förderer Seiner Lehren zu Händen der Sache Gottes berief. In einer Zeit, die noch vor der Einführung der Verwaltungsordnung des Glaubens lag, wurden sie zu Sammelpunkten für die Freunde, sowohl wegen ihrer tugendhaften Lebensführung, als auch wegen ihrer unaufhörlichen Bemühungen, die Lehren zu verkünden und den Glauben gegen seine Gegner zu verteidigen. Sie fuhren entschlossen mit solchen Bemühungen fort, obwohl sie schweren Verfolgungen durch die Obrigkeit ausgesetzt waren und in einigen Fällen auch eingekerkert wurden. Diese herausragenden Persönlichkeiten blieben während der Amtszeit 'Abdu'l-Bahás weiterhin aktiv und wurden von Ihm 1899 angewiesen, Schritte zur Bildung des örtlichen Geistigen Rates von Tihran zu unternehmen, in dem sie alle dienten. Die Konzentration dieser ersten Hände auf die Verbreitung und den Schutz des Glaubens, ebenso wie ihre Bemühungen zur Erbauung der Gläubigen mit Bezug auf die Bedeutung der neuen Gesetze, deutete schon damals das Muster der Arbeitsweise an, die die Institution auf einer späteren Entwicklungsstufe der Baha'i-Gemeinde einführte.
Der Meister ernannte selbst keine Hände der Sache, verwies aber auf vier Gläubige posthum als solche. In Seinem Testament bestätigte Er die Institution allerdings und baute sie aus, indem Er den Hüter des Glaubens bevollmächtigte, hingebungsvolle Seelen zu berufen. Während eines Zeitraums von drei Jahrzehnten ernannte Shoghi Effendi zunächst zehn Seelen posthum; sie alle zeichneten sich durch ihre Standhaftigkeit, ihren Elan und ihre wirkungsvollen Bemühungen für die Verbreitung der Sache Gottes und die Förderung ihrer Interessen aus. Die Ernennung von zwölf lebenden Gläubigen zu Händen der Sache durch den Hüter im Dezember 1951 machte die Baha'i-Welt mit einer ganz neuen Dynamik in der Wirkungsweise der Ordnung Bahá'u'lláhs bekannt; mit ihrer Hilfe entfalteten die Hände während des Zehnjahreskreuzzugs außergewöhnliche Kräfte, insbesondere nach dem plötzlichen Hinscheiden des Zeichens Gottes. Seine nachfolgende Ernennung von sieben weiteren Händen im Februar 1952 und das Ersetzen von fünf verstorbenen hielten die Anzahl der lebenden Hände bei neunzehn, bis er weniger als einen Monat vor seinem Hinscheiden in seiner letzten Botschaft an die Baha'i-Welt weitere acht ernannte und damit ihre Zahl auf siebenundzwanzig erhöhte. Shoghi Effendi beschrieb sie als "Hauptsachwalter der keimenden Weltordnung Bahá'u'lláhs" und deutete damit auf die welterschütternde Gegebenheit der unvorhersehbaren Verantwortung hin, die ihnen unmittelbar nach seinem Hinscheiden aufgebürdet wurde.
Nachdem der Hüter jetzt für immer gegangen war, hatten die Hände, ungeachtet des Kummers, der sie erfüllte, zuallererst die Aufgabe, die Gemüter einer untröstlichen Gemeinde zu beruhigen. Ein wesentlicher Aspekt dieser Aufgabe war es natürlich, die Freunde über die Richtung, die der Glaube einschlagen würde, aufzuklären. Die Hände handelten unverzüglich. Nur sechzehn Tage nach der Beerdigung des Hüters sandten sie vom Heiligen Land aus eine feierliche Bekanntmachung an die Bahá'í in Ost und West. Sie erklärten, dass nach sorgfältiger Suche kein Testament und keine Anweisung des Hüters gefunden worden sei, und legten in ihrer Botschaft die Vorgehensweise dar, der sie bei der Bewältigung der gewaltigen Aufgabe, der sie sich gegenübergestellt sahen, folgen würden. Sie kündigten an, dass eine Körperschaft von neun als "Sachwalter" bezeichneten Händen gebildet worden sei, um am Baha'i-Weltzentrum für den Schutz des Glaubens zu wirken, die Verbindung zu den Nationalen Geistigen Räten im Zusammenhang mit der Durchführung des Zehnjahresplans und mit administrativen Angelegenheiten aufrecht zu erhalten und sich um alle mit der Bewahrung des Weltzentrums des Glaubens verbundenen Fragen zu kümmern. Allerorts entnahmen die Freunde dieser ersten Nachricht die Versicherung, dass das Schiff der Sache Gottes die durch das Hinscheiden des Hüters tief aufgewühlten Wasser sicher durchqueren werde. Die darauf folgenden, von den Zusammenkünften der Hände im Heiligen Land herausgegebenen Botschaften erfüllten die Gläubigen weiter mit Zuversicht, und sie erhoben sich, um die ihnen im Plan gesteckten Ziele zu erreichen.
Die nicht im Heiligen Land residierenden Hände beobachteten aufmerksam den Fortschritt des Plans in ihren eigenen Bereichen und unternahmen überallhin ausgedehnte Reisen, um die Gläubigen zu besuchen und zu ermutigen. Indem sie jede Gelegenheit ergriffen, um die Arbeit an dem von Shoghi Effendi hinterlassenen Plan voranzutreiben, erstreckten sich ihre Reisen über den gesamten Erdball. Die in 'Abdu'l-Bahás Testament niedergelegten Pflichten der Hände erfüllten sie mit der ihre Arbeit kennzeichnenden Selbstlosigkeit, Beherztheit und Begeisterung. "Die göttlichen Düfte zu verbreiten, die Menschenseelen zu erbauen, die Bildung zu fördern, alle Menschen zu bessern" - all das vollbrachten sie mit hervorragenden, zuweilen erstaunlichen Ergebnissen. Diese Reisen hörten mit dem Abschluss des Zehnjahresplans nicht auf, sondern wurden mit unverminderter Intensität fortgesetzt, wobei die legendären Reisen Amatu'l-Baha Ruhiyyih Khanums unermesslichen Ansporn gaben. So bewiesen die Unternehmungen der Hände in hervorragender Weise, wie wirksam die Versicherung Bahá'u'lláhs ist: "Wird die Reise von Ort zu Ort um Gottes willen unternommen, so kann sie auch jetzt ihren Einfluss in der Welt ausüben, so wie sie es immer getan hat."
Unter den wichtigsten Ergebnissen ihrer gemeinsamen Anstrengungen ragen folgende hervor: Wahrung der hohen Stufe des Glaubens als ein unabhängiges und unteilbares System; Schutz des Glaubens gegen Spaltung, obwohl ein Mitglied der edlen Körperschaft, Mason Remey, vom Bund abfiel, so dass sie ihn ausschließen mussten; Bewahrung des Eigentums und Instandhaltung der Heiligen Stätten und Gärten am Weltzentrum; Erfolg in der weiten Verbreitung des Glaubens. All diese hart errungenen Erfolge bereiteten den Weg für den reibungslosen Übergang, den die Hände von der Amtszeit Shoghi Effendis als Oberhaupt des Glaubens zu der des Universalen Hauses der Gerechtigkeit bewirkten, für dessen erste Wahl sie die Baha'i-Welt und insbesondere die sechsundfünfzig an ihr teilnehmenden Nationalen Geistigen Räte sorgfältig vorbereiteten. Die Hände der Sache übergaben dem Haus der Gerechtigkeit eine Gemeinde, die sich während des Zehnjahresplans so sehr gewandelt hatte, dass der Glaube Bahá'u'lláhs nun mit Fug und Recht auf die Karte der Weltreligionen zu setzen war. Die prachtvolle Feier auf dem Weltkongress in London, an dem Bahá'í aus Ländern aller Kontinente teilnahmen, machte die Gültigkeit dieses Anspruchs deutlich.
Über den Weltkreuzzug hinaus unterstützten die Hände der Sache mit all ihrer Kraft das neu gebildete Universale Haus der Gerechtigkeit, dessen Gründung ihre beherzten Anstrengungen sichergestellt hatten. Sie übernahmen viele Missionen in seinem Auftrag und verfolgten weiter Aufgaben im Rahmen ihrer fortdauernden Verpflichtung, den Glauben zu verbreiten und zu schützen. Da es in Abwesenheit des Hüters keine Möglichkeit mehr gab, Hände der Sache zu ernennen, vollbrachten insbesondere die Hände im Heiligen Land, was sehr wohl als ein deutliches und abschließendes Zeichen des Dienstes betrachtet werden kann: Sie unterstützten das Haus der Gerechtigkeit dabei, die Aufgaben der Verbreitung und des Schutzes in der besonderen Eigenart ihrer Institution in die Zukunft zu erstrecken. So wurde 1968 das Kontinentale Berateramt ins Leben gerufen und 1973 dann das in den Schriften Shoghi Effendis angedeutete Internationale Lehrzentrum geschaffen. Durch ihre unermüdliche Unterstützung des Hauses der Gerechtigkeit bei der Gestaltung dieser Institutionen und der Hilfestellung bei ihrer Entwicklung, haben die Hände der Baha'i-Welt ein weiteres Vermächtnis hinterlassen, das erst künftige Generationen angemessen werden schätzen können. Der Wert ihrer äußersten Anstrengungen zeigt sich deutlich an der hohen Stellung, zu der das Internationale Lehrzentrum in so kurzer Zeit aufgestiegen ist, und dem durchdringenden Einfluss der Institution der Berater, der jeden Winkel unserer weltweiten Gemeinde erreicht.
Es ist höchst beachtenswert, dass sich die Körperschaft der Hände, mit einer Ausnahme, nicht von den Verlockungen der Macht verführen ließ, die gemeinhin diejenigen korrumpiert, die plötzlich, gezwungen von den Umständen, in hochrangige, machtvolle Ämter gedrängt werden. In diesem Fall kann alles Erschaffene nur Zeugnis für die Integrität ihrer Sachwalterschaft und ihre makellos reine Prinzipientreue ablegen.
Bedenkenswert ist auch, dass derjenige, der 1955 gleichzeitig in die beiden Ämter der Hand der Sache und des Treuhänders der Huququ'llah ernannt wurde, bis zuletzt überlebte. Dass er die letztgenannte Institution formen und schließlich 2005 den administrativen Übergang zum Internationalen Treuhänderamt der Huququ'llah mit seinen über die ganze Welt verbreiteten Ablegern erleben konnte, ist noch ein weiteres Zeichen für die beständigen und überreichen Bestätigungen der Vorsehung, die die Entwicklung der Gemeindeordnung begleitet haben. Eindeutig klar ist daher, dass die Arbeit der göttlich verordneten Institution der Hände der Sache Gottes für den Fortschritt des Glaubens vom Heroischen Zeitalter zum beginnenden Gestaltenden Zeitalter unerlässlich war; ihr Einfluss wird sicherlich als wesentlicher Bestandteil der Ordnung Bahá'u'lláhs fortdauern. Das Hinscheiden Dr. Varqas kennzeichnet sowohl das Ende eines Kapitels der Baha'i-Geschichte, als auch den Beginn einer neuen Stufe in der Entfaltung dieser Ordnung.
Während solche Gedanken unsere Herzen bewegen, erkennen wir mit zunehmender Verwunderung und Dankbarkeit, wie bedeutend der Beitrag der Hände der Sache Gottes für das Wachstum und die Festigung des Glaubens in der ganzen Welt war. Dankbaren Herzens und tief bewegt zitieren wir den Segen, den der Herr der Heerscharen so wortgewaltig sprach: "Licht und Herrlichkeit, Gruß und Preis seien mit den Händen Seiner Sache, durch die das Licht des Mutes strahlt und die Wahrheit erwiesen wird, dass alle Entscheidung bei Gott liegt, dem Kraftvollen, dem Mächtigen, dem Ungezwungenen, durch die das Meer der Gaben wogt und der Duft der gnädigen Gunst Gottes, des Herrn der Menschheit, sich verbreitet."
Das Universale Haus der Gerechtigkeit